25 Jahre Uni Erfurt: Der Gecko ruft um 21 Uhr

Erfurt  Eine sundanesische Uhr aus West-Java war selbst für Einheimische ein Rätsel

Landesspezifische Geschenke, die der Universität Erfurt von internationalen Gästen gemacht wurden, zeigt diese Aufnahme.

Landesspezifische Geschenke, die der Universität Erfurt von internationalen Gästen gemacht wurden, zeigt diese Aufnahme.

Foto: Universität Erfurt

Ein Hut aus der Türkei, folkloristische Stoffpuppen aus Asien und dem Orient und auch exotisches Geschirr sind nur wenige Beispiele für zahlreiche kleine Gaben von internationalen Gästen und Besuchern der Universität Erfurt.

Im Internationalen Büro auf dem Campus werden die Geschenke der vergangenen Jahre aufbewahrt. Zwischen Holzfiguren und Stickereien verstecken sich auch in Holz gefasste Uhren. Wie sich nach längerer Recherche herausstellt, sogar ein Zeitmesser aus West-Java, einer Provinz Indonesiens. Das Geschenk der Partneruni Padjadjaran in Bandung gab allerdings nicht nur den Erfurter Uni-Angestellten Rätsel auf.

Denn statt der sonst üblichen Ziffern und Zahlen sind dort fremdsprachliche und für Europäer kaum zu erratende Bezeichnungen festgehalten. Was genau diese bedeuten, war aus diesem Grund nicht ganz eindeutig, bis das Internationale Büro einen Landsmann und Experten zu Rate zog.

„Darauf stehen die Uhrzeiten in der Sprache des Volksstamms ‚Sunda‘“ wie Manuela Linde, Leiterin des Internationalen Büros der Erfurter Uni, erzählt. „Die Kollegen, die sie uns geschenkt haben, konnten das auch nicht auf Anhieb lesen. Deshalb hat Subekti, der bei uns promoviert hat, die Bedeutung recherchiert und mir geschickt.“

Und Subekti Priyadharma hat ganze Arbeit geleistet und sämtliche Übersetzungen der 24 Zeitangaben aus dem Sundanesischen herausgearbeitet.

So hat jede Uhrzeit eine Zuweisung aus dem Alltagsleben Indonesiens erhalten. Vier Uhr morgens, im Sundanesischen „Kongkorongok Hayam“, ist demnach „Hühnerkrähen“ angesagt, was auch in unserem europäischen Kulturkreis durchaus noch etwas Vertrautes ist. Um sieben Uhr wird es beim „Kongkorongok Hayam“ dann schon heller, wenn die „Sonne aufgeht und der Tau auf den Blättern beginnt zu fallen“.

„Pecat Sawed“, also 11 Uhr, ist dann, „wenn der Büffel, der zum Pflügen, vom Gurt an seinem Hals wird“. An heißeren Orten sei das laut Subekti allerdings bereits schon um 10 Uhr der Fall. Abends wird es dann nach dem Tagwerk doch noch gemütlicher, wenn um „Sareureuh Budak“, also 20 Uhr, „die Kinder anfangen zu schlafen, nachdem sie müde sind“.

Und eine Stunde, nachdem um 21 Uhr zum „Tumoke“, der „Gecko ruft“ dürfen um 22 Uhr, also „Sareureuh Kolot“ auch die Eltern endlich ausruhen.