Abstrichstellen für Corona-Patienten eingerichtet

Erfurt.  Weil in Arztpraxen oft Schutzkleidung und Kapazitäten fehlen, wird die Behandlung von Corona-Patienten zentralisiert. Acht Anlaufstellen gibt es.

Im Erfurter Helios-Klinikum hat zum Wochenende eine Abstrichstelle für Corona-Patienten die Arbeit aufgenommen. Mediziner Norbert Daumann testet in Schutzausrüstung Niklas Nachtwey, der am Vortag vom Urlaub aus einem inzwischen gesperrten Skigebiet in Tirol zurückgekehrt ist. 

Im Erfurter Helios-Klinikum hat zum Wochenende eine Abstrichstelle für Corona-Patienten die Arbeit aufgenommen. Mediziner Norbert Daumann testet in Schutzausrüstung Niklas Nachtwey, der am Vortag vom Urlaub aus einem inzwischen gesperrten Skigebiet in Tirol zurückgekehrt ist. 

Foto: Hanno Müller

Im Erfurter Heliosklinikum hat zum Wochenende eine der ersten zentralen Abstrichstellen für Corona-Verdachtsfälle und Infizierte die Arbeit aufgenommen. In einem separierten Bereich mit eigenem Eingang in der Mensa auf dem Klinikgelände seien dort seit Freitagabend bereits von 45 Personen Laborproben genommen und zur Testung auf das Virus weitergegeben worden, sagte der diensthabende Arzt Norbert Daumann am Samstag.

Fast ebenso viele Menschen, die sich testen lassen wollten, habe man wieder weggeschickt. Unbedingte Voraussetzung für einen Test sei die Anmeldung und Anamnese über den medizinischen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 beziehungsweise über einen Haus- oder Facharzt. Dort werde entschieden, ob ein Corona-Abstrich erforderlich ist und schließlich ein Termin in der Corona-Abstrich-Stelle vereinbart. „Erst mit diesem Termin kann die Untersuchung bei uns erfolgen. Damit wollen wir verhindern, dass die Betroffenen hier Schlagen stehen und knappe Laborkapazitäten durch vielleicht unnötige Test zusätzlich überstrapaziert werden“, sagte Daumann.

Nasenabstrich in Ganzkörper-Schutzkleidung

Zu denen, die diesen Weg am Samstagvormittag gegangen sind, gehörte der Erfurter Niklas Nachtwey. Er war am Vortag aus dem Urlaub in einem inzwischen zum Sperrgebiet erklärten Skigebiet in Tirol zurückgekehrt und klagte über verdächtige Symptome. Die Prozedur dauert etwa zehn Minuten, in denen Daumann und ein Kollege, jeweils komplett in weiße Ganzkörper-Schutzkleidung gehüllt, die Gesundheitsdaten erfassen, Proben in Form eines Nasenabstrichs nehmen sowie Erläuterungen und Belehrungen weitergeben. Nach dem Abstrich verordnete Daumann dem jungen Heimkehrer eine konsequente 14-tägige Isolation. Mit dem Testergebnis sei allerdings erst in fünf bis sieben Tagen zu rechnen.

Die zentralen Anlaufstellen sollen die Arztpraxen entlasten. Initiator ist die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT). „Viele Niedergelassene verfügen weder über die notwendige Schutzkleidung noch über Räumlichkeiten, um Abstriche bei den Betroffenen durchzuführen. Indem wir möglicherweise Infizierte oder Verdachtsfälle aus dem regulären Praxisbetrieb heraushalten, verhindern wir, dass sich Ärzte oder andere Patienten anstecken“, sagte der Infektiologe Rainer Lundershausen.

Thüringenweit gibt es bislang acht derartige Behandlungsstationen, weitere sind geplant. In Nordhausen richtete das zuständige Gesundheitsamt im Auftrag der KV eine Abstrichstelle in der Wiedigsburgklause, direkt an der Wiedigsburghalle in der Hohensteiner Straße, ein.

60 bis 70 Prozent aller Menschen werden sich anstecken

Auch Rainer Lundershausen will Corona-Verdachtsfälle nun weitgehend aus seiner Praxis heraushalten. Keiner der dort tätigen Ärzte habe sich bisher angesteckt, das solle auch so bleiben. Nach Meinung des Infektiologen sei der Höhepunkt der Epidemie noch nicht erreicht. Wegen der langen Inkubationszeit wüssten viele nicht, dass sie sich möglicherweise bereits infiziert haben. Die jetzt getroffenen Maßnahmen seien sinnvoll. Sie dienten dazu, Zeit zu gewinnen, indem die hohe Ansteckungsrate gebremst werde. Dabei habe man insbesondere die schweren Krankheitsverläufe im Blick. „60 bis 70 Prozent aller Menschen werden sich voraussichtlich anstecken. Unser Gesundheitswesen ist darauf vorbereitet. Würden allerdings zu viele schwer mit Corona Erkranke auf einmal in die Kliniken kommen, könnte dies die vorhandenen Ressourcen überfordern“, sagte Lundershausen.