„Abwägen zum Thüringen-Park muss endlich ein Ende haben“

Moskauer Platz  Ortsteilbürgermeister Torsten Haß spricht sich für Kompromiss zur Erweiterung des Erfurter Einkaufscenters aus

Die Erweiterungswünsche des Thüringen-Parks sind Thema einer Anhörung, die heute im Rathaus erfolgt.

Die Erweiterungswünsche des Thüringen-Parks sind Thema einer Anhörung, die heute im Rathaus erfolgt.

Foto: Marco Schmidt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Alle Argumente sind ausgetauscht, alle Gutachten ausgewertet: „Die Jahrzehnte des Abwägens müssen endlich ein Ende haben. Jetzt sollte endlich dem gefundenen Kompromiss zur Erweiterung des Thüringen-Parks zugestimmt werden“, fordert Torsten Haß, Ortsteilbürgermeister vom Moskauer Platz, mit Blick auf die heutige Anhörung zu Erweiterungsplänen des Thüringen-Parks.

Der Ortsteilbürgermeister vom Moskauer Platz widerspricht damit den kritischen Worten von Innenstadt-Modehändler Sebastian Papenbreer, der gegenüber unserer Zeitung klar Position bezogen und sich generell gegen eine Erweiterung ausgesprochen hatte: „Wer für eine Erweiterung des Thüringen-Parks ist, kann nicht gleichzeitig für eine attraktive Innenstadt sein“, hatte Papenbreer gesagt – Haß sieht das anders und hält das für zu kurz gedacht.

„Seitdem Handel betrieben wird, gibt es Neuerungen und Veränderungen, welche Händler zu Anpassungsinvestitionen treiben und immer dazu führen, dass man seine Wohlfühlzone verlassen muss“, erklärt Haß, der als Chef der Erfurter Volkshochschule aufgrund eines dienstlichen Termins nicht an der heutigen Anhörung teilnehmen kann, um dort seine Stimme zu erheben. Er spannt einen großen historischen Bogen: „Das war bei der Beendigung des Naturalhandels, dem Beginn des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, der Digitalisierung immer dasselbe. Ein Händler wird immer seine Zielgruppe und Kunden umwerben und sich selbst gut darstellen.“

Dass die Entwicklung in der Innenstadt seit Jahrzehnten mit der weiteren Entwicklung am Stadtrand gedacht werde, sei richtig. „Nunmehr aber den seit vielen Jahren gegangenen Weg einer Konsenssuche zu verlassen und prinzipiell alles zu verteufeln, was nicht in der Innenstadt selbst passiert, ist zu kurz gegriffen und wird der Erfurter Situation nicht gerecht“, ist Ortsteilbürgermeister Haß überzeugt.

Haß erinnert daran: „Vor fünf Jahren eröffnete auf dem Gelände des ehemaligen KuFZ am Moskauer Platz ein Nahversorger, welcher nach der Meinung von 70 bis 80 Prozent der Erfurter in dieser unmittelbaren Nähe zum Thüringen-Park von vornherein nicht überlebensfähig war. Im Ergebnis haben wir seit fünf Jahren ein attraktives Einkaufszentrum der unteren und mittleren Preisklasse mit einem Markt, der die Bewohner des Moskauer Platzes direkt, aber auch viele Einpendler aus dem dörflichen Umland anzieht.“

Und so ist es aus seiner Sicht auch hier: „Die Erfurter Innenstadt wird ihre Attraktivität eben auch nicht steigern, wenn sie alle Entwicklungen am Stadtrand wegbeißt und im Ergebnis alle, die diese Art von Einkaufscenter suchen, nach Leipzig oder ins Umland fahren“, hält Haß den Erweiterungs-Kritikern entgegen.

Besucher der City würden diesen mit einem Einkauf am Stadtrand verbinden: „Bereits heute nutzen Hunderte Kunden des Thüringen-Parks die kostenlosen Parkplätze und fahren dann mit dem ÖPNV in die Innenstadt“, hat Haß beobachtet.

In der Innenstadt müsse weiter an deren Attraktivität gearbeitet werden: „Das Verhindern von den Wettbewerb und die Anziehungskraft steigernder Entwicklungen in den Erfurter Randbereichen ist nach meiner Überzeugung jedenfalls nicht die richtige Antwort auf die Herausforderungen des Handels in der heutigen Zeit“, ist der Ortsteilbürgermeister überzeugt.

Anhörung zur Erweiterung des Thüringen-Parks, heute um 18 Uhr im Erfurter Rathaus am Fischmarkt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.