Aktion für Kunstwerk zur Erfurter Buga 2021 angelaufen

Erfurt  Ein israelisch-deutsches Kunstprojekt im Rahmen der Buga läuft an. Die Olivenbaumskulptur aus Stahl und Kupfer soll für den Friedenswunsch stehen.

Drei Fans des Paradiesbaum-Projektes: Tourismusvereinschef Karl-Heinz Kindervater, Sparkassenvorstand Dieter Bauhaus, Achava-Intendant Martin Kranz (v.l.).

Drei Fans des Paradiesbaum-Projektes: Tourismusvereinschef Karl-Heinz Kindervater, Sparkassenvorstand Dieter Bauhaus, Achava-Intendant Martin Kranz (v.l.).

Foto: Michael Keller

„Er wird die Stadt bereichern“. Dieter Bauhaus, Vorstand der Sparkasse Mittelthüringen, ist vollkommen sicher. Es geht um einen Paradiesbaum, der einer besonderen Erklärung bedarf. Es geht nicht um Natur, es geht um Kunst. Mitgebracht hat die Idee dazu Martin Kranz, der Intendant der Achava Festspiele Thüringen, 2017 aus Israel. Dort lernte er zwei Künstler - die Zeichnerin Ruth Horam und den Bildhauer Nihad Dabeet - kennen. Sie faszinierten ihn mit einer ganz besonderen Arbeit - einem Paradiesbaum. Beide wollte ihren Traum - Frieden in der Region - sinnbildlich umsetzen. Und was eignet sich da besser als ein Olivenbaum. Die Olive ist im Nahen Osten das Sinnbild für Frieden. Auch Picassos Friedenstaube trägt einen Olivenzweig im Schnabel.

Der Paradiesbaum der beiden Künstler steht in Jerusalem, setzt sich aus stählernem Stamm und tausenden handgefertigten Kupferblättern zusammen. Horam und Dabeet schlugen Kranz vor, solch einen Paradiesbaum auch in Deutschland zu schaffen. Und dessen Gedanke blieb in dem Moment unmittelbar am Erfurter Petersberg hängen. Dort war vor fünf Jahren die Geburtsstunde des Achava-Festivals. Der Gedanke ist reizvoll: einen Platz, der Jahrhunderte der Machtausübung und der Gewalt galt, zu einem Platz des Friedens und der Versöhnung zu machen. Und ihn auch stärker ins Bewusstsein der Menschen zu holen. Für Kranz war klar: Diesen Baum bringe ich zur Bundesgartenschau (Buga) 2021 nach Erfurt. Die Buga-Freunde waren einverstanden, die Sparkasse Mittelthüringen stieg mit ins Boot. Am Freitag wurde nun das Paradiesbaum-Projekt in Anwesenheit des neuen israelischen Kulturattachés, Doron Lebovich, vorgestellt.

Teile des Erlöses fließen in Baumprojekt auf Petersberg

Am Anfang stand die Überlegung, wie kann man die Erfurter Bevölkerung aktiv in das Projekt mit einbinden. Kranz entwickelte die Idee, die Blätter des Paradiesbaumes als kleinen Beitrag für bürgerliches Engagement für einen symbolischen Preis zu verkaufen. 20 Euro soll ein handgefertigtes Doppelblatt aus Kupfer kosten. Dazu gibt es eine künstlerisch gestaltete Faltkarte. Erhältlich ab dem 7. Oktober in der Sparkasse Mittelthüringen und in den Erfurter Hotels. Teile des Erlöses sollen in ein Baumprojekt auf dem Petersberg reinvestiert werden. „Das könnte vielleicht die Diskussion um den Bastionskronenpfad etwas entschärfen“, so Kranz‘ Hoffnung.

Wenn in einem Jahr der Baum gestaltet werden soll, bringt man im Zeitraum 10. bis 20. Oktober sein gekauftes Doppelblatt zu den Künstlern, die es auf dem Petersberg in den Paradiesbaum einfügen. Kranz hofft, dass möglichste viele, die das Kupferblatt gekauft haben, mit diesem dann auch zur Gestaltung beitragen. Je mehr abgegeben werden, desto dichter das Laubkleid. Das seine grüne Farbe - welch unglaublicher Zufall - durch eine Tinktur aus Waid bekommt. Der israelische Künstler reagierte völlig überrascht, als er von Kranz hörte, dass Waid und Erfurt untrennbar verbunden sind. Nicht nur das Kunstwerk, nein auch die Bedeutung der Pflanze für Erfurt und das Objekt selber, macht den Brückenschlag von Jerusalem nach Erfurt perfekt.

Blätter werden von Hand produziert

Der Baum soll acht Meter hoch sein und die Krone im Durchmesser sieben Meter messen. In einer Höhe von vier Metern beginnt das Kupfer-Blattwerk. Nicht unbedingt aus dem Stand zu erreichen. Und der Vandalismus, der inzwischen leider zum Petersberg gehört, wie Defensionskaserne und Peterskirche? Wird ihm der Baum in seiner stattlichen Größe und mit seinen rund 50.000 Kupferblättern widerstehen können? „Wir hoffen, dass sich der Baum mit seiner Bedeutung selber schützen kann“, sagt Kranz. Aber Kunst im öffentlichen Raum sei halt immer riskant.

Derzeit läuft die Produktion der Blätter von Hand auf Hochtouren. Der Baum wird in Israel gebaut, wieder zerschnitten, auf dem Seeweg nach Hamburg und von dort nach Erfurt gebracht. In Jahresfrist soll er auf dem Petersberg vor der Peterskirche aufgerichtet werden. Dazu sind noch größere Vorarbeiten nötig. Denn das ganze Werk wird am Ende zwischen 13 und 15 Tonnen wiegen. Da muss im Fundament alles stimmen. Da aber der Petersberg viele Herren hat, gilt es nun noch, eine gemeinsame Sprache zu finden und den richtigen Aufstellort auf städtischem Grund. „Ich bin fest überzeugt, das Kunstwerk wird vor der Peterskirche stehen“, sagt Karl-Heinz Kindervater, Chef des Tourismusvereins. Dieser Paradiesbaum werde zum Symbol für Sympathie und Weltoffenheit Erfurts werden.

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