Fan-Reaktionen nach dem Aus: "Am Samstag gibt’s ein Trauerbier auf Rot-Weiß Erfurt"

Erfurt.  Der FC Rot-Weiß stellt den Spielbetrieb ein – die Fans verlieren ihr geliebtes Wochenend-Ritual und trauern über viele vergebene Chancen.

Thomas Schmidt - RWE-Fan und Architekt - wird das Stadion-Ritual fehlen.

Thomas Schmidt - RWE-Fan und Architekt - wird das Stadion-Ritual fehlen.

Foto: Frank Karmeyer

In den Nachmittag hinein platzt die Nachricht vom Abschied des FC Rot-Weiß Erfurt aus dem Profifußball. Ge- und betroffen sind nicht nur die verbliebenen Spieler des Viertliga-Teams. Auch für alle Fans des Erfurter Fußballs ist es ein ganz bitterer Moment.

Thomas Putz, Mitglied des Fanrates: Mist! Ich habe aber dem Ganzen schon nicht mehr getraut. Nun bleibt die Hoffnung, dass in der Oberliga ein Neustart möglich ist. Vielleicht ist es die Chance, nach dem

Chaos der letzten Jahre mal die Reset-Taste zu drücken. Das wichtigste ist, dass das Nachwuchsleistungszentrum erhalten bleibt und die Jugend weiter trainieren kann. Das muss er noch hinkriegen, der Reinhardt.

Ich wollte ja eigentlich am Samstag ins Stadion. Und nun? Na ich werde auch in der nächsten Saison mit in die Grubenstraße gehen oder wo auch immer die Spiele dann stattfinden. So 1000 Leute werden schon auch mit fahren oder zu den Heimspielen kommen. Vieles wird da nun an ehrenamtlicher Arbeit zu leisten sein. Auch für uns als Fanrat. Aber der Club sollte vielleicht nun einfach mal kleinere Brötchen backen und nicht gleich wieder vom Aufstieg reden, sondern sich erst einmal konsolidieren.

Ina Lemcke, Erfurterin und Angestellte der Straßenbauverwaltung: Seit meinem siebenten Lebensjahr gehe ich zu Rot-Weiß. Mein Papa hat mich mitgenommen. Auf der alten Holztribüne war es so herrlich anheimelnd. Ganz bewusst habe ich RWE in meiner Jugendzeit erlebt. Da konnte man stolz auf die Mannschaft mit Busse, Heun, Romstedt, Winter, Vlay und Benkert sein. Und dann diese unsäglichen Duelle mit dem BFC, wo auch mal bis zur 96. Minute gespielt wurde. Als meine Kinder geboren wurden, war erstmal Pause, aber so ab 2000 war ich wieder mit meinem Mann Dauergast im Stadion. Nach dem Auf und Ab und dem zweiten Abstieg aus der 2. Bundesliga 2005, so mein Empfinden, ging es nur noch bergab mit Leuten wie Leitensdorfer oder Rombach an der Spitze.

Die Nachricht, dass der Verein nun abgemeldet wurde, hat erstmal für Bauchgrummeln bei mir gesorgt. Aber ein Ende mit Schrecken ist mir tausend Mal lieber, als das weitere Hinauszögern.

Thomas Schmidt, Rot-Weiß-Fan und Architekt: Krass! Mit dem Ende des Spielbetriebs geht nicht nur Stimmung und Gemeinschaft verloren. Nach Jahren des Leidens ist dieser schmerzliche Schlussstrich aber vermutlich das einzig richtige, um einen tatsächlichen Neuanfang hinzubekommen. Leider wurde Rot-Weiß Erfurt immer mehr zum Spielball der Macht. Seit 1996 war ich regelmäßig beim Fußball, es war jede zweite Woche ein echtes Ritual sich am Südeingang zu treffen mit Freunden, um die Zeit zwischen den Spielen auszuwerten. Dieses Ritual wird fehlen, dieser Verlust regt mich auf. Der Stadt geht mit dem Spielbetrieb auch sozialer Kitt und Schmierstoff verloren. Ein Stehplatz im Stadion war einer der letzten Orte, an denen sich die in der Stadt um sich greifende Aufteilung in soziale Gruppen, nicht bemerkbar gemacht hat. Hier gab es eine gute Melange aller, hier haben alle gemeinsam für etwas gebrannt.

Daniel Wipprecht vom Fanklub Steigerwald Inferno: Ein Sch….gefühl. Wir diskutieren schon tagelang und hatten eigentlich am Sonntag abgeschlossen. Man kommt sich irgendwie verarscht vor. Die ganze Wahrheit werden wir wohl nie zu hören kriegen. Die Ursachen sind tief und liegen lange zurück. Das fing schon bei einem Präsidenten namens Leitensdorfer an.

Am Samstag werden wir uns vor dem Stadion auf ein Trauerbier treffen. Im Moment ist es schwer vorauszusagen, ob und wie es weitergeht. Die Insolvenz muss abgeschlossen werden, sonst gibt uns keiner frisches Geld. Der Insolvenzverwalter hat wenig glücklich agiert. Ich denke, RWE sollte auf die Jugend setzen, dann könnte es zügig in die 4. Liga zurückgehen. Es kommt nun darauf an, dass Leute im Klub ans Ruder kommen, die Ahnung vom Geschäft haben. Aber ehrlich, da sehe ich momentan niemanden. Klar, ich halte RWE auch weiter die Treue. Aber am Ende ist es nur Fußball, auch wenn’s weh tut.