Anja auf Achse: Smalltalk in neuer Dimension

Erfurt.  Anja Derowski über den abendlichen Spaziergang.

Anja Derowski Archiv-Foto: Susann Fromm

Anja Derowski Archiv-Foto: Susann Fromm

Foto: Susann Fromm

Mit Absicht belasse ich in diesem zweiten Lockdown den Titel dieser Kolumne. Damals hatten wir ihn in „Anja zuhause“ umbenannt. Aber irgendwie widerstrebt es mir dieses Mal, denn das impliziert so dermaßen, dass man nur noch daheim ist. Ich meine, irgendwie ist es ja auch so. Tagsüber arbeiten, dann ist es dunkel.

Ich habe mir aber mit den Vorsätzen fürs neue Jahr auch auferlegt: mehrmals pro Woche abends spazierengehen. Bis 22 Uhr hat man ja Zeit. Natürlich muss man sich überwinden, aus der warmen Wohnung hinauszugehen ins kalte Dunkle. Doch dann, dann ist es schön. Die frische Luft tut gut, bläst den Kopf ein wenig frei. Der beste Moment allerdings ist jener, wenn es wieder ins Warme geht. Das schlechte Gewissen ist beruhigt, man war ja draußen. Nun ruft die Couch.

Ich weiß nicht, wie Sie, lieber Leser, es empfinden, ständig zuhause zu sein. Aber in einem bin ich mir sicher: Ein Spaziergang tut Körper und Seele gut. Davon abgesehen erlebt man auch manche nette Begebenheit – oder trifft zufällig einen Bekannten. Schön auf Abstand und mit Maske bekommt dieser Smalltalk in Zeiten wie diesen eine ganz neue Bedeutung. Denn man freut sich, überhaupt jemanden zu sehen und vielleicht auch mal über etwas anderes zu reden als Corona. Und sei es der Hund, der nicht hören will, das Auto, das rostet, eine Geschenkidee. Sie bereichern den derzeitigen recht einseitigen Alltag. Nach ein paar Minuten geht jeder seines Weges, zufrieden, diese Runde gegangen zu sein.

Die nächsten Achsen werden also von meinen abendlichen Spaziergängen handeln, ich bin sehr gespannt, was sich so ergibt.