Erfurt. Pförtnerhäuser verschwinden mehr und mehr aus dem Erfurter Stadtbild. Wir haben die letzten dieser Bau-Art aufgestöbert.

Es sind die letzten ihrer Art und als Bautyp direkt vom Aussterben eines Berufszweigs betroffen: Pförtnerhäuschen. Wo man heute mit einer elektronischen Karte ins Büro-Gebäude geht, oder gar einfach eine offene Tür aufdrückt, erinnern diese kleinen Steinbuden an Zeiten, in denen der Einlass etwas hindernisreicher war.

Mini-Büros im bürokratischen Kiosk-Stil

Ähnlich alter Kiosk-Häuschen haben die entweder frei stehenden oder an ein Haupthaus angegliederten eingeschossigen Gebäude meistens ein großes Fenster und eine Art „Durchreiche“. Wahlweise zum Zwecke, Dokumente durchzuschieben oder die Stimme des Pförtners durchzulassen, lassen sie den Blick ins Innere dieser Mini-Einpersonen-Büros offen. Heute sind die Fenster zum Schutz entweder mit Brettern oder Gardinen vor der Augenscheinnahme verschlossen.

An der Rotplombe in der Schlüterstraße ist das Pförtnerhaus abgerundeter Natur.
An der Rotplombe in der Schlüterstraße ist das Pförtnerhaus abgerundeter Natur. © Funke Medien Thüringen | Marco Schmidt

Fenster der Pförtnerhäuser sind heute verbrettert und vernagelt

An der Rotplombe haben es sogar Fensterbilder (teils gewollter, teils ungewollter Natur) an die verglasten Scheiben des halbrunden Baus vor der ehemaligen Puddingpulver-Filiale in der Schlüterstraße geschafft. Findet man eine Lücke zwischen den Abdeckungen, kommen Fahrräder zum Vorschein, die den Platz ausfüllen, der zu DDR-Zeiten dem Pförtner samt der Gesichts-Kontrolle der Einlass-Suchenden vorbehalten war.

Am alten Erfurter Wertstoffhof ist das Pförtnerhäuschen noch erhalten

Auch am Eingangstor der ehemaligen Stadtwirtschaft in der Liebknechtstraße könnte man ob des ausladenden Vordaches und des großen verbretterten Frontfensters auf die Idee kommen, dass hier einst Eis und Jugendzeitschriften verkauft wurden, doch galt auch dieses Pförtnerhäuschen dem Prüfer derer, die den alten Wertstoffhof aufsuchen wollten.

Etwas versteckt liegt das Pförtnerhaus der ehemaligen Stadtwirtschaft in der Liebknechtstraße hinter Mauer und verwilderten Gebüschen.
Etwas versteckt liegt das Pförtnerhaus der ehemaligen Stadtwirtschaft in der Liebknechtstraße hinter Mauer und verwilderten Gebüschen. © Archiv | Kathleen Kröger

Miniaturausführung in der Johannesvorstadt

Ähnlich an eines der Arbeitsgebäude „angeklebt“ wirkt auch der kleine Anbau in der Bebelstraße. Bevor hier eine Berufsschule ihre Ausbildungsräume bezog, gab es hier scheinbar ein Arbeitsleben, dass einen kontrollierten Einlass erforderte. Auch als Beobachtungsposten für das Treiben auf dem Innenhof ist das kleine Domizil samt eigener Tür – denn viele der Pförtnerhäuser konnten nur durch die Hauptgebäude hindurch betreten werden – zu betreten.

Klein und mit eigener Tür steht das kleine Pförtnerhaus in der Bebelstraße leer.
Klein und mit eigener Tür steht das kleine Pförtnerhaus in der Bebelstraße leer. © Funke Medien Thüringen | Kathleen Kröger

Aus Pförtnerhäusern wird Wohnraum für Erfurter

Schon etwas luxuriöser kommen die Bautypen daher, die solitär zu erleben sind. Fast wie Miniatur-Wohnhäuser sehen sie aus und könnten von Minimalisten wie kreativen Wohnraum-Nutzern gut als fester Wohnsitz genutzt werden. So ähnlich scheint es beim verhältnismäßig geräumigen Pförtnerhaus gerade der Fall zu sein, das an der Ecke der Dieselstraße zum Nordstrand steht. Zusätzlich zum Innenraum lässt sich hier mit etwas Fantasie sogar eine kleine Terrasse erahnen, die früher Platz für Parkplatz- oder Auskunftswünschende bot und heute gern als Liegestuhlstellplatz genutzt wird.

Altes Beton-Ge}bäude vor dem ehemaligen Rechenzentrum muss weichen

Bis zum Frühjahr 2022 stand das Beton-Pförtnerhaus an der Leipziger Straße....
Bis zum Frühjahr 2022 stand das Beton-Pförtnerhaus an der Leipziger Straße.... © Erfurt | Kathleen Kröger
....dann wurde es dem Erdboden gleich gemacht.
....dann wurde es dem Erdboden gleich gemacht. © Funke Medien Thüringen | Kathleen Kröger

Weniger prachtvoll, aber dennoch auf seine eigene Weise imposant war auch das Pförtnerhäuschen des Landesrechenzentrums an der Leipziger Straße. Auf Höhe des Innsbrucker Weges war bis zum Frühjahr 2022 ein verlassener Betonbau, in dem noch alte Steckdosen, Deckenlampen und Tischablagebretter zu sehen waren. Genauso verlassen, wie der DDR-Baukomplex dahinter, musste das bis zur Hälfte umzäunte Gebäude weichen. Wo einst eine Asphalt-Zunge den Standort des Funktionsbaus klarmachte, könnte man heute denken, dass die ebene Fläche schon immer eine Art Beet oder Pflanz-Fläche gewesen ist.

Einstige Arbeitsplätze sind heute nutzlose Bauten

Doch man muss nicht nur auf die Lost Places, wie auch das alte Bahner-Ausbildungsgelände an der Straße Am Wasserturm schauen, um die heute nutzlosen Häuser zu entdecken. Auch in der Innenstadt hat ein Pförtnerhäuschen überlebt, über deren Rollläden-Fenster sogar noch eine kleine Uhr tickt.

Auf dem alten Reichsbahngelände kann heute bei bestimmten Central-Veranstaltungen geparkt werden. An einem Pförtner muss man nicht mehr vorbei.
Auf dem alten Reichsbahngelände kann heute bei bestimmten Central-Veranstaltungen geparkt werden. An einem Pförtner muss man nicht mehr vorbei. © Funke Medien Thüringen | Kathleen Kröger

Auch im Erfurter Norden findet sich ein modernisiertes Pförtnerhäuschen

Genau wie bemützte und uniformierte Pförtner selbst, deren selten gewordene Posten heute oft mit Sicherheitspersonal besetzt werden, kann es 2024 schon als etwas Besonderes gelten, ein noch betriebenes Pförtnerhaus zu finden. Leider sucht man mittlerweile auch in der Paul-Schäfer-Straße beim ehemaligen VEB Starkstrom-Anlagenbau vergeblich. Das alte Haus wird zwar heute für die Nachfolgeinstitution Schaltanlagenbau Erfurt GmbH genutzt, jedoch ist nicht immer ein Pförtner vor Ort. Doch zieht man Archivmaterial zurate, kann man trotzdem Modernisierungen erkennen: Zu einem neuen Dach ist hier nämlich auch ein Drehkreuz hinzugekommen.

Mit Neon-Leuchtröhren war das Pförtnerhaus des Schaltanlagenbaus zu DDR-Zeiten ausgestattet.
Mit Neon-Leuchtröhren war das Pförtnerhaus des Schaltanlagenbaus zu DDR-Zeiten ausgestattet. © Stadtarchiv Erfurt | Stadtarchiv Erfurt
Nach der Wende wurde an dem Haus in der Paul-Schäfer-Straße ein Drehkreuz installiert.
Nach der Wende wurde an dem Haus in der Paul-Schäfer-Straße ein Drehkreuz installiert. © Funke Medien Thüringen | Marco Schmidt

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