Bau der Erfurter Moschee geht mit vier Monaten Verzug weiter

Erfurt  Mit knapp vier Monaten Verzug geht der Bau der Erfurter Moschee weiter. Der Ahmadiyya-Sprecher beklagt einen Boykott der Baustelle durch Bauunternehmen und macht Rechtspopulisten dafür verantwortlich.

Moscheebau am Rande von Marbach: Suleman Malik (l.), Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde Erfurt, am Donnerstag im Gespräch mit dem Polier Suleiman Shekho.

Moscheebau am Rande von Marbach: Suleman Malik (l.), Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde Erfurt, am Donnerstag im Gespräch mit dem Polier Suleiman Shekho.

Foto: Marco Schmidt

Der Bau der Moschee am Rande des Ortsteiles Marbach geht weiter. Ein Autokran hob am Donnerstag die ersten Dachplatten auf den Rohbau. Allerdings mit knapp vier Monaten Verzögerung - weil eben so lange kein Kran für die Baustelle zu bekommen war, wie Suleman Malik, Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde Erfurt, beklagt.

„Sie wissen nicht, wie viele Stunden ich am Computer verbracht habe, um eine Firma zu finden.“ Am Ende standen immer Absagen. Letztlich versuchte er es über die Münchner Firma „klarx“, ein Portal, das nach Aussage seines Sprechers Christian Holzapfel rund 1000 Mietpartner im Baumaschinen-Bereich bundesweit hat. „Klarx“ suche also unter den Partnern den passenden für den Kunden.

Firma befürchtet Übergriffe auf ihr Fahrzeug und Anfeindungen

Für den Donnerstag war nun eine Firma aus dem weiteren Umkreis von Erfurt gefunden worden. Doch dann kam telefonisch die Absage. „Ich erhielt am Telefon die Aussage, dass sich die Thüringer Firmen weigerten, auf einer Moschee-Baustelle zu arbeiten.“ Schriftlich erhielt Malik die Auskunft, dass die Firma keinen Kran zur Verfügung stellen will. „Man befürchtet Übergriffe auf ihr Fahrzeug und Anfeindungen gegen die Firma“, wie es in der Mail wörtlich heißt.

„Es wird mit allen undemokratischen Mitteln versucht, den Moschee-Bau zu stoppen“, sagt Malik. Für die Situation macht er den allgemeinen Rechtsruck im Land und die „auch von der AfD geschürte Hetze gegen die Muslime und auch die Ahmadiyya-Gemeinde“ verantwortlich. Die Ahmadiyya hätten schon über 50 Moscheen bundesweit gebaut. „So einen krassen Widerstand und Boykott gab es noch nie.“

Und dass Firmen es offen - wie er vermutet aus einer rechten Gesinnung heraus - ablehnen, an einer Moschee mitzubauen, sei für ihn ein Zeichen für einen erschreckenden gesellschaftlichen Wandel. Am Ende habe der rechte Populismus schon Auswirkungen auf die Wirtschaft. „Wir haben doch einen Auftrag, für den wir auch das entsprechende Geld bezahlen“, so Suleman Malik.

Tätlicher Angriff auf der Baustelle

Zu den Problemen äußern möchte sich von den Kranfirmen niemand. „Nach meinem Kenntnisstand ist aber für das Bauprojekt eine Lösung gefunden worden und bereits ein Kran im Einsatz“, bestätigt klarx-Sprecher Christian Holzapfel auch nur indirekt, dass es zwischenzeitlich Absagen von Kran­unternehmen gab.

„Ich verbiete Ihnen, meinen Namen oder den der Firma in die Zeitung zu schreiben“, sagt ein der Redaktion aber namentlich bekannter Mitarbeiter jenes Unternehmens unweit von Erfurt. „Ich habe keine Lust, dass hier die Krane abbrennen“, sagt er. Das habe es alles schon gegeben, wenn sich Baufirmen an ähnlichen Projekten als Auftragnehmer beteiligt hätten. „Das hat nichts mit Rechts-Sein zu tun, aber so ein Risiko kann ich nicht eingehen. Ich bin für unsere Maschinen und die Mitarbeiter verantwortlich.“

Suleman Malik hofft nun, auch im Interesse des ausführenden Kranverleihs, dass die Arbeiten ohne Zwischenfälle über die Bühne gehen. Denn, die Angriffe hätten über die vergangenen Monate immer mehr zugenommen. „Erst waren es verbale Attacken, dann wurden Schweinehälften hier abgeworfen. Inzwischen bin ich selbst auf dem Grundstück schon tätlich angegangen worden.“

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