Bauantrag für Moscheebau in Erfurt-Marbach ist eingereicht

Erfurt  Ahmadiyya-Gemeinde geht von einem Baustart für das umstrittene Gotteshaus Anfang 2018 aus

Abdullah Uwe Wagishauser, Mohammad Suleman Malik, Osamah Khawaja und Azeen Butt sahen sich gestern mit den Bauplänen der geplanten Moschee auf dem Baugrundstück in Marbach um. Foto: Marco Schmidt

Abdullah Uwe Wagishauser, Mohammad Suleman Malik, Osamah Khawaja und Azeen Butt sahen sich gestern mit den Bauplänen der geplanten Moschee auf dem Baugrundstück in Marbach um. Foto: Marco Schmidt

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Für ihren umstrittenen Moschee-Bau in Marbach hat die Ahmadiyya-Gemeinde am Freitag einen Bauantrag bei der Erfurter Stadtverwaltung eingereicht. Auf einem Grundstück zwischen Schwarzburger- und St.-Christophorus-Straße soll die eingeschossige Moschee mit zwei Gebetsräumen, Büros und Sanitärräumen sowie einer Wohnung für den Imam, mit acht Meter hohem Zierminarett und einer Kuppel gebaut werden. Geplanter Baustart: Frühjahr 2018.

Das Grundstück befindet sich bereits im Besitz der Ahmadiyya-Gemeinde, erklärte gestern deren Sprecher Mohammad Suleman Malik. Die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) habe es für 150 000 Euro an die Gemeinde verkauft. Für den Bau selbst werden 600 000 Euro veranschlagt.

"Hetze gegen Gemeinde wird immer bedenklicher"

Der Bauantrag orientiere sich eng an der bereits öffentlich vorgestellten Bauvoranfrage. Nur kleine Nachbesserungen seien erfolgt. So werde es ein Gründach geben, wie von der Bauverwaltung gefordert. Neun Parkplätze werden auf dem Gelände angelegt.

Von einem ursprünglich an der Bundesstraße vorgesehenen Grundstück habe die Gemeinde Abstand genommen: Aufgrund der geringen Größe sei hier nur ein teurerer zweigeschossiger Bau denkbar gewesen. Als ein Investor seine Reservierung für das nun beplante Grundstück zurückgezogen habe, sei die Gemeinde dorthin umgeschwenkt. Zumal das Grundstück als "Mischgebiet" ausgewiesen ist, somit auch die Einrichtung einer Wohnung möglich werde. Angesichts der aktuellen Sicherheitslage sei ein unbewohntes und damit unbeaufsichtigtes Gebäude eher Opfer von Vandalismus. Am alten Standort war wegen des Gewerbegebiet-Charakters keine Wohnung möglich, so Abdullah Uwe Wagishauser, der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya Muslim jamaat (AMJ) Deutschland.

Mit Problemen bis zum Baustart rechnen weder Malik noch Wagishauser: "Inschallah – So Gott will" rechnen sie mit einem reibungslosen Fortgang. Im Mischgebiet seien alle Voraussetzungen für einen kirchlichen Bau gegeben, alle Verwaltungswünsche seien berücksichtigt. Widerspruchsverfahren rechnet Malik keine Chancen aus, weil alle Fragen des Baurechts eingehalten würden.

Dass ein Moschee-Neubau kontrovers diskutiert werde, sei aus ihrer Erfahrung insbesondere in den neuen Bundesländern nicht ungewöhnlich. 52 Moscheen hat die Gemeinde in Deutschland. In Leipzig und Heinersdorf-Pankow sei der Widerstand gegen die Baupläne der Gemeinde bislang am stärksten gewesen. Im gleichen Maße sei aber auch die Unterstützung aus der Bevölkerung gewachsen. Wenn der Bau erst stehe, beruhigten sich die Gemüter schnell wieder, so Wagishauser.

70 Mitglieder zähle die Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt, im letzten Monat sei sie um drei unbegleitete Jugendliche aus Pakistan gewachsen. Muslime ihrer Glaubensgemeinschaft, die in Thüringen studieren oder arbeiten, würden derzeit meist in die alten Bundesländer weiterziehen, weil ihnen hier ein Anlaufpunkt fehle. "Das wird sich mit der Moschee in Marbach hoffentlich ändern", sagte Wagishauser gestern.

Die Hetze gegen die Gemeinde habe bedenkliche Formen angenommen, weiß Malik von Diskussionsgruppen im Internet, in denen Beleidigungen an der Tagesordnung und bisweilen der Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllt sei. Eine "gefährliche Entwicklung", so Malik, der weiterhin auf den Dialog setzen will und sich zu Gesprächen bereit erklärt. Die Gemeinde stehe für Transparenz. Als Zeichen dafür will sie den Bauantrag auf ihrer Internetseite www.ahmadiyya-erfurt.de einsehbar machen. Thüringenweit sollen Flyer der Ahmadiyya-Gemeinde verteilt werden, die mit dem Kalifen, schwarz-rot-goldenen Symbolen und dem Motto "Wir sind alle Deutschland!" für ein tolerantes Miteinander werben.

"Der Islam ist eine Bereicherung", beteuert Wagishauser. Angst müsse niemand haben vor dem, was in Marbach entsteht. Wenn sich dort 25 Menschen zum Freitagsgebet treffen, sei auch die Angst vor einem Verkehrschaos vor allem eines: absurd.

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