Operation am offenen Erfurter Altstadtherzen

Erfurt .  Der Benediktsplatz wurde am Freitag nach rund achtmonatiger Bauzeit fristgerecht wieder eröffnet

Offiziell Freigabe des Benediktsplatzes mit Oberbürgermeister Andreas Bausewein und Alexander Reintjes, Leiter des Tiefbau- und Verkehrsamtes

Offiziell Freigabe des Benediktsplatzes mit Oberbürgermeister Andreas Bausewein und Alexander Reintjes, Leiter des Tiefbau- und Verkehrsamtes

Foto: Marco Schmidt

1920 wurde die Benediktikirche an der Krämerbrücke abgerissen. Beim Studium der Historie stieß Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein auf einen Vermerk, dass es damals einigen Stadträten tatsächlich angemessen erschien, die ganze Krämerbrücke gleich mit abzureißen. Gut, dass es anders kam. Sie steht noch.

Da, wo früher die Kirche stand, weisen nun helle Steine auf die ehemaligen Grundmauern, die man bei den Bauarbeiten gefunden hatte, hin. Sie sind Bestandteil der Neufassung des Benediktplatzes, der nach der dort früher stehenden Kirche benannt wurde. Für 1,6 Millionen Euro hat ihn die Stadt runderneuern lassen. 1,3 Millionen zahlte sie im Verbund mit den Stadtwerken selber, 300.000 die Telekom. 615.000 Euro kamen aus EU-Fördertöpfen. Am Freitag wurde der Platz fristgerecht freigegeben.

Was noch fehlt sind Bänke und Papierkörbe. Bäume konnte es wegen der engen Leitungsführung im Untergrund nicht geben. Um etwas Grün zu präsentieren, wurden acht Kübel mit Weihnachtsbäumen bis zum Jahresende aufgestellt.

Die letzte Aktion war dem Geschäftsführer der bauausführenden Firma Strassing, Sven Böhme, dem OB und dem Chef des Amtes für Tiefbau und Verkehr, Alexander Reintjes, vorbehalten. Mit einem schweren Pflastererhammer setzten sie die letzten Steine rund um eine bronzene Bodenplatte, auf der die Umbaudaten zu lesen sind.

Dickes Datenkabelfür das Rathaus verlegt

Auf dem Benediktsplatz neben der Krämerbrücke kreuzen sich Besucherströme, zwei Fernradwege, der Anlieger- und Lieferverkehr. Seinen unzähligen Funktionen wurde der rund 800 Quadratmeter große Platz baulich nicht mehr ausreichend gerecht. Die Oberfläche war stark verschlissen, der Asphalt war ein einziger Flickenteppich, die Borde hatten sich abgesenkt.

Ende März begann die grundlegende Sanierung. Im Untergrund wurde alles erneuert – Strom-, Gas-, Telekommunikationsleitungen. Das Rathaus bekam ein dickes Datenkabel verpasst. Auch die Stadtbeleuchtung nutzte die Gelegenheit. Die Kanalisation wurde erneuert bzw. repariert. Und das bei regem Publikumsverkehr rund um die offene Altstadtwunde. Reine Nervensache für Bauleute, Fußgänger, Radfahrer.

Die letzten Pflastersteine sind noch mit dem Schiff unterwegs

Statt des Asphalts bekam der Platz Basaltkleinsteinpflaster. Die Gehwege werden mit Granitsteinpflaster gestaltet. Allerdings gab es da einen Fauxpas. Das Basaltpflaster war vom Lieferanten zu knapp bemessen worden. Stattdessen gähnt eine Asphaltfläche neben dem Aufgang zur Krämerbrücke. Am Ende fehlten rund 20 Quadratmeter Pflastersteine. Die seien auf einem Schiff auf dem Weg von Vietnam nach Deutschland und werden nach Ankunft sofort eingebaut, versicherte Tiefbauamtschef Reintjes bei der „coronagerechten Verkehrsfreigabe“, wie er es nannte. Soll heißen, kein Sekt, keine Häppchen, wie sonst bei solchen Anlässen üblich. Ein Bäcker am Benediktsplatz hatte sich erbarmt und den Bauleuten zum Dank dafür, dass seine Kundschaft barrierefrei einkaufen kann, ofenfrische Olivenbrötchen und Kaffee spendiert.