Langjähriger Torwart Benkert zur RWE-Krise: „Brauchen Leute mit Herzblut“

Erfurt.  Interview der Woche: Der 68-jährige Wolfgang Benkert spricht über seine bewegte Karriere beim FC Rot-Weiß Erfurt und den Niedergang des Vereins, der ihm sehr am Herzen liegt.

Wolfgang Benkert bestritt 320 Pflichtspiele für den FC Rot-Weiß Erfurt und ist dessen bekanntester Torhüter überhaupt.

Wolfgang Benkert bestritt 320 Pflichtspiele für den FC Rot-Weiß Erfurt und ist dessen bekanntester Torhüter überhaupt.

Foto: Volker Brix

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Wolfgang Benkert, den alle nur „Molli“ rufen, ist heute allen als langjähriger Torwart des FC Rot-Weiß Erfurt bekannt. Hinter Jürgen Heun und Helmut Nordhaus wurde er sogar Dritter bei der Wahl zum RWE-Spieler des Jahrhunderts. Dabei stand Benkert zu Beginn seiner Fußballkarriere auf der anderen Seite des Spielfelds: Bei Post Weimar war er drei Jahre lang Stürmer, ehe es ihn, mit zehn Jahren, in die Schülermannschaft von Motor Weimar auf den Lindenberg verschlug. Von da an war er Torhüter. Nach drei Jahren in der Jugendabteilung des FC Carl Zeiss Jena kam er zurück nach Weimar und schaffte mit der ersten Männermannschaft den Aufstieg aus der Bezirksliga in die DDR-Liga, damals die zweithöchste Spielklasse.

Über sein bewegtes Leben als Torhüter und Spielerberater sowie den Niedergang seines FC Rot-Weiß sprachen wir mit dem heute 68-jährigen RWE-Ehrenspielführer.

Wann kamen Sie als Spieler zum FC Rot-Weiß Erfurt?

Das war 1971. Mein „Konkurrent“ war kein Geringerer als Nationaltorhüter Horst Weigang. Dennoch hatte ich immerhin 14 DDR-Ligaeinsätze, in der zweithöchsten Spielklasse der DDR. Ich habe dann bis Dezember 1985 für den FC Rot-Weiß heute kaum noch vorstellbare 14 Jahre im Tor gestanden. Dabei habe ich 256 Oberligapunktspiele, 49 FDGB-Pokalspiele, 14 DDR-Ligaspiele und ein Inter-Toto-Spiel mit einem 6:1-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf absolviert. Alles in allem genau 320 Pflichtspiele.

Wer waren damals Ihre bekanntesten Mannschaftskollegen?

Sicherlich die Nationalspieler Rüdiger Schnuphase und Lutz Lindemann sowie Hans-Günter „Sakko“ Schröder, der bis zum letzten Jahr als Zeugwart dem FC Rot-Weiß die Treue hielt.

Dem FC Rot-Weiß die Treue zu halten, fällt bei der Entwicklung der letzten Jahre samt Insolvenz nicht leicht. Nun könnte sogar die Existenz der Regionalliga-Mannschaft bedroht sein.

Ich bin seit meiner aktiven Zeit bei bei Rot-Weiß Vereinsmitglied und sitze nun im Ehrenrat. Der Verein liegt mir sehr am Herzen. Er muss schnellstmöglich Leute finden, die ebenfalls Herzblut für ihn haben und ihn retten wollen. Ich hoffe, dass diese unruhige Phase gemeistert und wieder etwas Gutes aufgebaut werden kann. Rot-Weiß darf nicht untergehen. Doch dafür ist der unbedingte Zusammenhalt aller Vereinsgremien nötig, und auch die Stadt sollte den Verein stärker unterstützen.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt steht in der Kritik. Nun haben zwei der drei Investoren sogar Strafanzeige gegen ihn gestellt. Ist Reinhardt noch der Richtige?

Das will ich nicht bewerten. Als Insolvenzverwalter hat er nun mal das alleinige Recht, Entscheidungen zu treffen. Daran darf niemand rütteln.

Zurück zu Ihnen: Sie haben dreimal in der DDR-Nachwuchsauswahl gespielt, waren Kapitän der DDR-Olympiaauswahl 1984 und haben in Zwickau ein A-Länderspiel gegen Griechenland unter den Trainern Bernd Stange und Harald Irmscher absolviert. Wie ging Ihre Vereinslaufbahn nach Ihrem Abschied vom FC Rot-Weiß weiter?

Ich habe knapp zwei Jahre bei Sachsenring Zwickau in der Oberliga, DDR-Liga und im Pokal gespielt, ehe ich ein Jahr bei Robotron Sömmerda in der DDR-Liga kickte. Danach klang meine Laufbahn bei Motor Weimar in der DDR-Liga aus.

Nach der Wende zogen Sie nach Wuppertal um. Warum?

Weil in der Heimat vieles auf dem Kopf stand und auch der FC Rot-Weiß für mich keine Arbeitsstelle hatte. In Wuppertal war es ein schwerer Anfang. Neben meiner beruflichen Tätigkeit als Arbeitstherapeut in einer Behindertenwerkstatt habe ich nebenbei in mehreren Vereinen als Torwart- oder Co-Trainer gearbeitet.

Und wie wurden Sie Spielerberater?

Dazu kam ich über einen Verwandten fast zufällig. Von 2005 bis ins Vorjahr war ich als Spielerberater tätig und habe bekannte Spieler wie Christian Clemens vom 1. FC Köln, Christian Beck vom 1. FC Magdeburg oder Christopher Handke vom FSV Zwickau betreut.

Seit wann wohnen Sie wieder in Erfurt?

An die Heimat hat man bekanntlich die besten Erinnerungen. So bin ich mit dem Eintritt ins Rentenalter wieder zurück gekommen und fühle mich hier mit meiner Familie und den vielen Fußballfreunden pudelwohl.

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