Bismarckturm im Steiger ehrt nationale Symbolfigur

Den monumentalsten unter mehreren Erinnerungsorten an den Reichsgründer und Eisernen Kanzler Otto von Bismarck (1815-1898) stellt der 1901 errichtete Bismarckturm im Steiger dar.

Der Bismarckturm im Steigerwald wurde am 1. September 1901 feierlich eingeweiht. Foto: Marco Kneise

Der Bismarckturm im Steigerwald wurde am 1. September 1901 feierlich eingeweiht. Foto: Marco Kneise

Foto: zgt

Erfurt. Noch im Todesjahr 1898 hatte die Deutsche Studentenschaft dazu aufgerufen, überall "Bismarcksäulen" zu errichten. Sie sollten zu besonderen Anlässen mit großen Leuchtfeuern alle Gebiete des Reiches miteinander verbinden.

Am 23. März 1900 wurde auch in Erfurt ein solcher "Bismarcksäulen-Verein" gegründet. Unterzeichnet von dem Oberbürgermeister Hermann Schmidt und zahlreichen Honoratioren verkündete ein Aufruf: "In allen Gauen des Vaterlandes sollen auf ragender Höhe granitene Säulen zum Himmel streben, dem Gewaltigsten zum Gedächtnis, dem Größten aller Großen einer großen Zeit, Otto von Bismarck."

Dank Spenden aus der überwiegend national gesinnten Bürgerschaft konnte schon am 1. September 1901 die Einweihungsfeier am heutigen "Tannenwäldchen" stattfinden. Der durch Maurermeister Carl Haddenbrock errichtete 22 Meter hohe begehbare Turm folgte dem meistgebauten Modell "Götterdämmerung" von Architekt Wilhelm Kreis. Er war nur mit einer Feuerschale und dem Familienwappen Bismarcks auf einem Reichsadler versehen. So sollte der Kalksteinbau deutsch-germanische Wehrhaftigkeit und Eintracht ausdrücken. Hinzu kam ein Eichenhain. In Erfurt stand der Turm gewissermaßen auf "geheiligtem Boden", hatten Spaziergänge den jungen Unionsparlamentarier Bismarck doch 1850 in den Steiger geführt.

In der DDR-Zeit fiel Bismarck als historische Persönlichkeit in Ungnade. Das Denkmal wurde vernachlässigt, entging aber als "Friedensturm" zumindest seiner Zerstörung. Heute bemüht sich der 1999 gegründete "Bismarckturm-Verein Erfurt 1900 e.V." um seine Erhaltung.

Enorme Sanierungsanstrengungen haben den Turm gesichert, in dessen Nachbarschaft sich seit 1902 das Restaurant "Zum Bismarckturm" großer Beliebtheit erfreut. Allerdings hat der Bismarckturm-Verein vor einiger Zeit auch negative Schlagzeilen durch Verbindungen zur rechtsextremen Szene gemacht. Er wurde zum Ziel von vielfältigen Versuchen, durch die Unterwanderung gutbürgerlicher Traditionsvereine weit in die Gesellschaft hinein zu wirken. So stand der Erfurter NPD-Funktionär Kai-Uwe Trinkaus 2006/07 sogar an der Spitze des Vereins.

Dies trägt nicht dazu bei, in differenzierter Weise an den großen Staatsmann und seine Verbindungen zu Erfurt zu erinnern. Weder der Rückfall in nationalistische Verherrlichung, noch die Verdammung des "reaktionären Junkers" wie zu DDR-Zeit werden dem gerecht.

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