Braucht der FC Rot-Weiß Erfurt kein Geld? Spenden nur zum Teil abgerufen

Erfurt  Fast 50.000 Euro haben die Fans von Rot-Weiß Erfurt im Herbst 2018 für den Nachwuchs gespendet. Bisher wurde allerdings erst ein Viertel davon abgerufen.

Sie war der Lichtblick im vergangenen Herbst, als der FC Rot-Weiß schwere Zeiten durchlebte. Die vom Fanrat initiierte Crowdfunding-Kampagne „#reinballerNLZ“, mit der Geld für den Nachwuchs des Vereins gesammelt werden sollte. Doch nun wirft ein Blog-Eintrag im Internet die Frage auf: Braucht der RWE die gesammelten Gelder nicht?

Die Aktion wurde ein voller Erfolg: 349 Unterstützer gaben insgesamt 47.600,66 Euro - eine stolze Summe, mit der sich beim finanziell klammen Verein einiges bewegen lässt. Rund 11.000 Euro davon wurden bis jetzt für verschiedenste Sachen wie Trainingsmaterial, Scouting oder medizinische Vorkehrungen verwendet. Doch es hätte schon viel mehr passieren können, wenn die Kommunikation mit den Verantwortlichen des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) besser gewesen wäre. Diese Auffassung vertritt Markus Hirche, der Gesamtkoordinator der Fanrat-Kampagne.

In einem ausführlichen Online-Artikel kritisiert er fehlenden Austausch mit dem Fanrat, wirft den Verantwortlichen des NLZ gar Desinteresse, Unvermögen und Nichteinhaltung von Absprachen vor. Er wolle die kritischen Zeilen zwar nicht als Abrechnung verstanden wissen. „Aber wir hatten ein gutes halbes Jahr von der Leitung gar nichts mehr gehört. Dabei werden wir regelmäßig von Unterstützern angeschrieben, was mit den Geldern passiert und wieso manche Sachen nicht umgesetzt werden“, sagt Hirche.

Bei einer engeren gemeinsamen Planung hätte man schon viel weiter sein können. In einem mit Insolvenzverwalter Volker Reinhardt im vergangenen Herbst geschlossenen Kooperationsvertrag hatte man eigentlich eine zeitliche Begrenzung von einem Jahr als Ziel gesetzt. „Wir wollten schon zeitnah die Situation verbessern. Die Unterstützer möchten ja auch wissen und sehen, dass es mit den Einnahmen vorwärtsgeht“, sagt Hirche.

Henri Fuchs, Sportlicher Leiter des NLZ, bedauert die Schärfe des Eintrags. „Es ist schade, dass der Eindruck entsteht, wir hätten kein Interesse. Dass wir nicht gesprächsbereit sind, stimmt so nicht. Wir haben auch in der Vergangenheit dem Fanrat Ideen und Konzepte vorgelegt, leider konnten nicht alle umgesetzt werden“, sagt er.

Augenscheinlich waren beide Parteien wohl von einer unterschiedlichen Zeit-Definition ausgegangen. Fuchs betont, dass keine feste Zeitvorgabe vorliegt, wann die Gelder eingesetzt werden müssten. Schließlich könnte man den Vertrag auch verlängern - ein sehr wahrscheinlicher Fall; Fanrat und Insolvenzverwalter werden sich darüber zeitnah austauschen. „Wir wollen sie sachlich und sauber einsetzen. Von vielen Sachen können unsere Spieler im Laufe der nächsten Saison partizipieren“, wirft Fuchs ein.

Beide Seiten betonen jedoch, trotz der Unstimmigkeiten in der Vergangenheit die gesteckten Ziele und Vorhaben gemeinsam umsetzen zu wollen. „Ich fand die Sache mit der Crowdfunding-Aktion total klasse und hoffe, dass wir die Gelder in der Zukunft gemeinsam bestmöglich einsetzen können“, sagt Fuchs.

Seit sich der Nachwuchstrainer und pädagogische Leiter Manuel Rost des Themas annahm und den Kontakt zum Fanrat intensivierte, ist mehr Bewegung in die Sache gekommen. „Wir sind immer offen für Ideen, es muss ja auch weitergehen. Ich habe bei Herrn Rost ein gutes Gefühl. Schließlich geht es uns allen doch darum, die Situation für den Nachwuchs zu verbessern“, sagt Hirche.

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