Buga 2026 in Erfurt: Riesenchance oder kaum zu bewältigende Mammutaufgabe?

Friedemann Mertin
| Lesedauer: 5 Minuten
1,5 Millionen Menschen besuchten die Bundesgartenschau in Erfurt – wie hier den Petersberg. Ob das wiederholbar ist und was von einer neuerlichen Buga bleiben könnte, wird in der Stadt diskutiert (Archivfoto).

1,5 Millionen Menschen besuchten die Bundesgartenschau in Erfurt – wie hier den Petersberg. Ob das wiederholbar ist und was von einer neuerlichen Buga bleiben könnte, wird in der Stadt diskutiert (Archivfoto).

Foto: Marco Schmidt

Erfurt.  Bei einer Diskussionsrunde in der Zentralheize dominieren die Befürworter einer neuen Buga und kritisieren den Stadtrat deutlich.

Eine Riesenchance für Erfurt, ein Silberstreif am Horizont in schwierigen Zeiten – oder eine kaum zu bewältigende Mammutaufgabe, neben der viele andere Projekte in der Stadt zu kurz kommen werden? Zwischen diesen Polen pendelte die Diskussion zu einer Neuauflage der Bundesgartenschau in Erfurt. Wobei die Befürworter einer Buga 2026 bei der Veranstaltung in der Zentralheize am Donnerstagmorgen deutlich in der Überzahl waren. Die Debatte endete ohne Ergebnis. Argumente wurden ausgetauscht. Nun gilt es abzuwarten, ob aus Politik, Wirtschaft oder Bürgerschaft weitere Initiativen angestoßen werden oder ob die Ablehnung der Buga durch den Stadtrat das letzte Wort bleibt.

Eingeladen hatten der Verein City-Management, die Industrie- und Handelskammer und der Hotel- und Gaststättenverband. Entsprechend viele Vertreter aus Wirtschaft und Tourismus waren vor Ort. Dass die Buga 2021 mitten in der Pandemie für viele Gewerbetreibende ein Segen war, Einheimische und Besucher gleichermaßen aus der Corona-Lethargie holte, wurde von niemandem in Frage gestellt. Erfurts Tourismuschefin Carmen Hildebrandt bestätigte das ebenso wie Breuninger-Geschäftsführer Lukas Lindemann, die Immobilienmaklerin Iris Thorwirth, Gastronom Benjamin Steinbrenner und diverse andere.

Buga als flüchtiges Disneyland auf dem Petersberg?

Flammend für eine Buga-Wiederholung sprach sich Andreas Krey aus, Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaft. „Der Anlass dieser Runde ist ein beredter Ausdruck für die Kultur politischer Entscheidungslosigkeit in Erfurt. Ich appelliere an die Abgeordneten, ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Es gibt viele Probleme in der Stadt. Aber eine Buga-Wiederholung ist verhältnismäßig einfach. Wir sind doch alle Praktiker und haben es schon einmal gemacht. Es wäre ein Signal, um die nächsten Jahre mit Optimismus anzugehen.“

Christine Beckert, Designerin aus Erfurt, war eine der wenigen, die sich öffentlich gegen die Buga 2026 aussprach. Sie bezeichnete die Ablehnung durch den Stadtrat als verantwortungsvoll. „Ich mache mir als Bürgerin Sorgen, wenn wir in der Verwaltung zu wenig Personal haben. Viele Maßnahmen bleiben liegen“, sagte sie. Zudem werde der Eindruck erweckt, allein wirtschaftliche Interessen seien ausschlaggebend. Sie befürchtet eine Buga auf die Schnelle, eine Art zeitweises Disneyland auf dem Petersberg, ohne bleibenden Nutzen für die Stadt oder gar mit negativen Effekten für die Natur.

Der Aspekt der Nachhaltigkeit zog sich wie ein roter Faden durch die Debatte. Frank Sonnabend, Investor an der Defensionskaserne, sagte, er sehe täglich Besucher auf dem Petersberg, die von der vergangenen Buga-Pracht schwärmten. „Wenn wir das Thema neu anschieben, dann muss es Bestand haben, etwas mit Mehrwert für die Stadt dabei herauskommen“, sagte er, nicht nur mit Blick auf die Festung.

CDU signalisiert Gesprächsbereitschaft

CDU-Stadtrat Niklas Waßmann begründete seine Ablehnung mit den beiden Fragezeichen beim Geld und beim Personal. „Welche belastbaren Zusagen für die Finanzierung gibt es denn? Gar keine. Das Land hat nichts fest versprochen, der Bund hat nichts fest versprochen. Gerade gibt es Verhandlungen zum Landesetat 2023 – dort steht nichts drin für eine Buga“, sagte er. Unter dem Personalmangel in der Stadt litten schon jetzt der Wohn- und Schulbau. „Und dann wollen wir in größerer Dimension weitere Kapazitäten binden“, fragte er. Niklas Waßmann signalisierte Gesprächsbereitschaft, wenn deutlich gemacht werde, wo Geld und Personal herkommen könnten.

Mit der Belastung für die Verwaltung begründete auch Birgit Meusel, Geschäftsführerin der Fraktion Mehrwertstadt, die Ablehnung im Stadtrat. Bei so einem Mammutprojekt sei die Meinung der Mitarbeiter relevant, diese sollten befragt werden.

Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) sprach sich strikt gegen die Befragung aus. Man müsse die Beamten begeistern und mitnehmen, aber letztlich hätten sie Arbeitsverträge. Durch eine neuerliche Buga würde die Bauverwaltung sehr viel weniger in Beschlag genommen. Schulen und Kitas hätten Vorrang. „Im vom Stadtrat abgelehnten Antrag steht, dass geplante Projekte durch eine weitere Buga nicht negativ berührt werden dürfen und dass die Finanzfrage zu klären ist. Es sollte ein Konzept vorgelegt und erst dann entschieden werden.“

Buga 2026 – was bisher geschah

Im Juni 2022 sagt Rostock die für 2025 geplante Bundesgartenschau in der Hansestadt ab. Preissteigerungen und Verzögerungen wurden als Gründe genannt. Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) hatte bereits im Oktober 2021 signalisiert, dass Erfurt als Ersatz-Austragungsort einspringen könnte.

Im Juli wird das Ergebnis einer Telefonbefragung unter Erfurtern bekannt. Eine deutliche Mehrheit der Befragten begrüßen demnach eine Buga-Wiederholung. Laut Stadtverwaltung gibt es zudem mündliche Zusagen von Bund und Land zur finanziellen Unterstützung

Ende September lehnt es der Stadtrat denkbar knapp ab, die Verwaltung mit der Konzeptionierung einer Buga 2026 zu beauftragen.