Corona-Lage: Stadt Erfurt sagt den Weihnachtsmarkt ab

Erfurt.  Die Stadt Erfurt zieht Konsequenzen aus der Einstufung zum Risikogebiet. Sie betreffen die Maskenpflicht, eine Sperrstunde und den Weihnachtsmarkt.

Erfurt hat seinen Weihnachtsmarkt abgesagt (Archivfoto).

Erfurt hat seinen Weihnachtsmarkt abgesagt (Archivfoto).

Foto: Marco Schmidt

55 neue Corona-Fälle über das Wochenende haben Erfurt zum Risikogebiet werden lassen. Der Krisenstab der Stadtverwaltung hat am Sonntag Konsequenzen gezogen und Beschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen, die am Dienstag in Kraft treten sollen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Dazu gehören die Absage des Weihnachtsmarktes und eine Sperrstunde zwischen 23 und 5 Uhr, in der das öffentliche Leben eingestellt und auch keine alkoholischen Getränke etwa an Tankstellen verkauft werden dürfen.

„Ich weiß, die Beschränkungen sind heftig“, sagte Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) am Sonntagabend. Besonders mit dem Weihnachtsmarkt habe sich der Krisenstab die Entscheidung nicht einfach gemacht. „Aber entscheidend ist das, was für die Bevölkerung das beste ist.“

Allgemeinverfügung soll am Dienstag in Kraft treten

Details sollen bis Montagmorgen mit dem Land abgestimmt werden. Ziel sei es, noch am Montag eine Allgemeinverfügung zu veröffentlichen, die dann am Dienstag in Kraft treten würde.

Die Absage des Weihnachtsmarktes ergibt sich aus der neuen Regel, dass zwar noch Messen, Ausstellungen und Spezialmärkte stattfinden dürfen, aber ohne Speise- und Getränkeangebot. Der Weihnachtsmarkt sollte am 24. November eröffnet werden und ist ohne Leckereien und Glühwein kaum denkbar.

Zudem ist eine Kontaktbeschränkung im öffentlichen Raum auf maximal zehn Personen geplant, die auch für private Feiern gelten soll. Öffentliche Veranstaltungen in geschlossenen Räumen, egal welcher Größe, sind auf 25 Teilnehmer begrenzt. Das betreffe auch Einrichtungen wie das Theater, bestätigte Rathaus-Sprecher Daniel Baumbach. Unter freiem Himmel werden 100 Teilnehmer bei Veranstaltungen gestattet.

Sportveranstaltungen dürfen nur ohne Publikum stattfinden

Ausgenommen sind allerdings Sportveranstaltungen. Ob in Hallen, auf Sportplätzen oder im Stadion, dürfen sie nur noch gänzlich ohne Publikum stattfinden. Sport-Training sei weiterhin möglich, so Baumbach.

Ab Dienstag wird zugleich die Maskenpflicht auf Freiluft-Bereiche ausgeweitet. Sie soll überall dort gelten, wo Mindestabstände nicht gesichert sind. In jedem Fall neu betroffen seien Innenstadtbereiche wie Fußgängerzonen, Haltestellen und Parkhäuser. Sämtliche Wartezimmer von Arzt- und therapeutischen Praxen können ebenfalls nur noch mit Mund-Nase-Schutz betreten werden.

Sperrstunde ab 23 Uhr geplant

Die Sperrstunde ab 23 Uhr gelte für jede Art von öffentlichem Leben. Zugleich werde verstärkt darauf geachtet, dass Hygienekonzepte von Gaststätten und Bars durchgesetzt werden und das Personal immer einen Mund-Nase-Schutz trägt.

Weil Alkohol dafür bekannt ist, den Drang nach Geselligkeit zu Lasten der Abstandsdisziplin zu verstärken, sollen ab der Sperrstunde auch Trinkhallen oder Tankstellen keine Alternative bieten. Ein Alkoholverkauf nach draußen wird deshalb auch in diesen Einrichtungen untersagt.

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Bereits Ende letzter Woche hatte sich auch das Ordnungsamt auf neue Regeln vorbereitet. Durch die personelle Verstärkung des Stadtordnungsdienstes sollen wie im Frühjahr Corona-Streifen die Einhaltung der Maßnahmen überprüfen.

Rekordanstieg um 40 Fälle am Samstag

Zum Risikogebiet wurde Erfurt am Samstag. Der Rekordanstieg von 40 neuen Positiv-Tests bedeutete, dass die Sieben-Tage-Inzidenz auf 54 und damit zugleich über den Wert von 50 Fällen pro Woche und 100.000 Einwohner steigen ließ, der die Schwelle zum Risikogebiet darstellt. Die Zahl der aktiven Fälle betrug am Sonntag in Erfurt 161.

Besonders stark betroffen ist das Deutschordens-Seniorenheim im Stadtteil Rieth. Bis Sonntag waren 29 Bewohner und ein Mitglied des Personals positiv auf das Virus getestet.

Zwölf Bewohner zeigen typische Corona-Symptome. Zehn von ihnen werden im Krankenhaus behandelt. Insgesamt versorgen die Erfurter Krankenhäuser Stand Sonntag 14 Corona-Patienten.

Im Kindergarten Vieselbach stehen weitere Testergebnisse aus

Im Kindergarten Vieselbach, in dem eine Mitarbeiterin positiv getestet und eine Gruppe geschlossen worden waren, stehen weitere Testergebnisse aus, heißt es aus dem Rathaus.

Der Krisenstab trat am Sonntagmittag im Rathaus zusammen und tagte noch am Abend. Vorgespräche soll es am Samstag gegeben haben. Neben Oberbürgermeister Bausewein nahmen die Dezernentenriege sowie die Spitzen des Gesundheits- und des Rechtsamtes an der Krisensitzung teil.

Details und offene Fragen sollen bekanntgegeben werden, wenn die Allgemeinverfügung mit dem Land abgestimmt ist. Die Veröffentlichung ist zuerst auf der Internetseite der Stadt geplant.