Corona-Freitag legt öffentliches Leben in Erfurt lahm

Erfurt.  Erfurt hat seit Freitag drei Corona-Fälle – und mit einer Ausnahme kaum noch öffentliches Leben. Not-Kitas werden geprüft.

Viele Schüler gingen am Freitag mit ungewissen Zukunftsaussichten nach Hause. Ab Dienstag sind die Schulen in Erfurt geschlossen.

Viele Schüler gingen am Freitag mit ungewissen Zukunftsaussichten nach Hause. Ab Dienstag sind die Schulen in Erfurt geschlossen.

Foto: Marco Schmidt

Freitag, der 13., war der Tag, an dem in Erfurt der dritte Corona-Fall bestätigt wurde. Es war auch der Tag, an dem das öffentliche Leben zum Erliegen kam.

Jegliche Veranstaltungen wurden durch eine neue Allgemeinverfügung des Oberbürgermeisters untersagt. Dazu gehören nicht nur Konzerte und Lesungen, sondern auch Stadtführungen, Disco-Abende und Kinobesuche.

Egapark, Theater und Zoo sind geschlossen. Alle Museen lassen ab Samstag ihre Türen zu. Sämtliche Sportveranstaltungen sind abgesagt. Auch Training darf nicht mehr stattfinden. Restaurants und Bars dürfen weiter öffnen, vorausgesetzt, es legt kein DJ auf.

Keine evangelischen Gottesdienste am Sonntag

Am Sonntag werden auch keine evangelischen Gottesdienste abgehalten. Die Kirchen sollen zu den Gottesdienst-Zeiten aber geöffnet und frei zugänglich sein.

„Jede und jeder ist eingeladen, in die Kirchen zu kommen, Stille zu halten, ein Gebet zu sprechen oder individuell Andacht zu feiern“, sagt Senior Matthias Rein. Er rief die Bürger auf, sich gegenseitig zu unterstützen. Die katholische Kirche hatten den Gläubigern bereits am Donnerstag die Teilnahme am Gottesdienst frei gestellt und besonders älteren Menschen geraten, dies genau abzuwägen.

Erfurter Bäder bleiben als einzige Einrichtung geöffnet

Das gallische Dorf in der Welt der verschwundenen Aktivitäten stellen die Erfurter Bäder dar. Zwar sind die Saunen geschlossen, doch bleiben die Bäder selbst Stand Freitagabend geöffnet. Wie es mit Verweis auf die Deutsche Gesellschaft für Badewesen heißt, werden durch den Chlorgehalt mögliche Corona-oder Grippeviren im Badewasser nicht übertragen.

Laut Stadtwerke-Sprecher Henry Köhlert sind die Hygiene-Maßnahmen noch einmal verstärkt worden. Die Service-Mitarbeiter desinfizieren demnach in kurzen Abständen Türklinken, Haltegriffe, Waschbecken und Toilettenbecken.

Zu Spitzenzeiten zählt etwa die Südschwimmhalle gewöhnlich 250 Besucher. Ab 500 Besuchern trete ein Einlassschluss in Kraft, sagt Henry Köhlert.

Schulen ab Dienstag dicht, Not-Kitas werden geprüft

Die Schulen und Kitas haben, ebenfalls Stand Freitag, noch den Montag, um sich auf eine Pause einzustellen, deren Dauer niemand vorherzusagen weiß. Die Stadt Erfurt hält sich dabei an die Vorgabe vom Land, nach der Schulen und Kitas ab Dienstag geschlossen werden.

Zugleich werden laut Rathaus-Sprecher Daniel Baumbach Not-Kitas geprüft. Dort sollen Kinder unterkommen, deren Eltern als Ärzte oder Feuerwehrleute arbeiten oder auf andere Art für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens unersetzlich sind.

Bisher wenig bekannt über dritten Erfurter Corona-Fall

Details zum dritten Erfurter Corona-Fall, der am Freitagvormittag bestätigt wurde, blieben bis zum Abend rar. Es soll sich aber um einen Familienvater handeln, der stationär behandelt wird. Zudem würden Kontaktpersonen ausfindig gemacht, sagt Stadt-Sprecher Daniel Baumbach.

Seit der Nacht zu Samstag ist die Quarantäne-Pflicht für Reiserückkehrer aus Risiko-Gebieten amtlich. Wer in den letzten 14 Tagen Italien oder einen anderen Corona-Schwerpunkt besucht hat, muss sich demnach in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne begeben.

Bereits am Freitag meldete sich rund ein Dutzend Betroffener bei der Corona-Hotline der Stadt. Teils riefen sie noch aus dem Urlaub an. „Sie waren alle gut informiert, unaufgeregt, hatten die Allgemeinverfügung schon im Netz gelesen und wollten nur wissen, wie es nun praktisch läuft mit der häuslichen Isolation“, schildert Daniel Baumbach.

Corona-Hotline der Stadt am Wochenende nicht besetzt

Die Hotline erlebte am Freitag eine Rekordzahl von 214 Anrufern. An diesem Wochenende, wenn die Quarantäne-Pflicht in Kraft tritt, bleibt sie allerdings wegen der fehlenden personellen Ressourcen in der Stadtverwaltung einmal mehr unbesetzt.

Stadt-Sprecher Baumbach rief daher die Reiserückkehrer auf, sich am Wochenende zu Hause aufzuhalten und Kontakte mit Mitmenschen unbedingt zu vermeiden. Ab Montag werde für die Betroffenen eine Telefonnummer im Gesundheitsamt reserviert, unter der sie sich melden sollen (Tel.: 0361 655 4290).

Live-Blog Coronavirus: Jetzt Veranstaltungen über 50 Personen verboten - Schulen und Kindergärten ab Dienstag zu

Stadtverwaltung drei Tage lang nur telefonisch zu erreichen

Für Erfurter mit Anliegen ist ab Montag die gesamte Stadtverwaltung nicht persönlich zu erreichen. Eine dreitägige Pause bis Mittwoch soll Luft verschaffen, um den Besucherverkehr neu zu organisieren und ihn auf möglichst nur eine Begegnungsstelle zwischen Bürgern und Behörden zu konzentrieren.

Nur in dringenden Ausnahmefällen werde es in den drei Tagen einen Bürgerkontakt geben, sagt Sprecherin Heike Dobenecker. „Telefonisch sind die Ämter aber weiterhin erreichbar“, fügt sie hinzu.

Ab sofort ist auch das Rathaus für Besucher gesperrt. Touristen oder Besuchergruppen werden bis zum 10. April nicht mehr eingelassen. Veranstaltungen im Festsaal fallen wie alle anderen Veranstaltungen mit sofortiger Wirkung aus.

Keine Volkshochschule, keine Treffen von Selbsthilfegruppen

Die Volkshochschule sagt ab sofort alle Kurse ab. Die Teilnehmenden werden separat informiert. Die Angebote sollen verschoben beziehungsweise unterbrochen werden.

Selbsthilfegruppen werden sich bis mindestens 30. April nicht mehr im Haus der sozialen Dienste treffen können. Das hat das Sozialamt bestätigt.

Helios-Klinikum passt Besuchsregeln an

Das Helios-Klinikum hat angesichts der Corona-Krise seine Besuchsregelungen angepasst. Demnach sollten Personen, bei denen Infektionskrankheiten im häuslichen Umfeld bekannt sind, keine Krankenbesuche machen. „Schon eine Erkältung oder Symptome wie Husten oder Schnupfen sowie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen der Besucher können für viele Kranke eine Gefährdung bedeuten“, heißt es.

Kinder unter zehn Jahren dürfen die Intensivstationen und die Kliniken Geriatrie, Pneumologie und 2. Medizinische Klinik vorübergehend nicht besuchen. Besuche der Patienten auf Station 25 (MED4-1 Hämatologie und Onkologie) sind bis auf weiteres nicht möglich. „Ausnahmeregelungen besprechen Sie bitte mit dem Stationspersonal“, heißt es weiter. Vorgeschlagen wird statt dessen ein Kontakt übers Telefon oder Internet.