Corona-Streifen sind in Erfurt auch am Sonntag unterwegs

Erfurt.  Der Stadtordnungsdienst wird aufgestockt, die Sonntagsöffnung wird zurückgenommen. Und die Straßen sind leer wie selten

Rolf Neubert und Carsten Scheler vom Stadtordnungsdienst werden auf einer Corona-Streife von Oberbürgermeister Andreas Bausewein und Ordnungsdezernent Andreas Horn (von links) begleitet.

Rolf Neubert und Carsten Scheler vom Stadtordnungsdienst werden auf einer Corona-Streife von Oberbürgermeister Andreas Bausewein und Ordnungsdezernent Andreas Horn (von links) begleitet.

Foto: Marco Schmidt

Es ist Corona, es ist wohl aber auch das kühle Wetter, das die Erfurter am Freitag auseinander treibt. Die Innenstadt scheint so ausgestorben wie sonst nur an den langweiligsten Sonntagen, und im Brühler Garten sitzen gerade mal drei Jugendliche auf einer Bank. So eng, wie sie sitzen, ist das einer zu viel. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Carsten Scheler und Rolf Neubert haben gerade ihre Corona-Streife in dem Park begonnen. Sie werden von Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) und Ordnungsdezernent Andreas Horn (CDU) begleitet, die sich einen Überblick verschaffen wollen. Die Streife des Stadtordnungsdienstes soll Menschenansammlungen auflösen und landet unweigerlich bei den Jugendlichen.

Andreas Horn gibt sich alle Mühe, ihnen den Sinn der Kontrolle zu erklären. Die Jugendlichen hören zu, blicken aber skeptisch. Auch die Strafandrohung für den Fall, dass sie noch einmal in einer Gruppe ohne Abstand angetroffen werden, scheint sie wenig zu beeindrucken.

„Es gibt doch auch andere ansteckende Krankheiten, zum Beispiel Aids“

„Ich finde das ein bisschen sinnlos“, sagt ein Mädchen, als die Männer weitergezogen sind. „Es gibt doch auch andere ansteckende Krankheiten, zum Beispiel Aids.“

Der Oberbürgermeister hat den Kommentar nicht mehr gehört. „Die nächsten Stunden und Tage sind entscheidend“, sagt er später in seinem Büro. „Wenn die Leute die Vorgaben befolgen und wir die Infektionsverbreitung verringern, kommen wir um die Ausgangssperre herum, und wer glaubt, dass wir übertreiben, soll sich die Bilder aus Italien anschauen.“

Er hat die Bilder vor sich: Sein Tablet zeigt, wie ein Armee-Konvoi in Bergamo Corona-Leichen durch die Nacht kutschiert. Die Statistik, nach denen knapp die Hälfte der Erfurter Corona-Infizierten sich im Skiort Ischgl ansteckte, spricht ebenfalls Bände über die Verbreitungsgeschwindigkeit des Viruses.

Die meisten Erfurter haben das offenbar begriffen. Das zeigen die positiven Reaktionen auf die strikten Maßnahmen, und das zeigt auch ein Gang durch die Innenstadt.

Spielgeräte wurden mit Absperrbändern unbrauchbar gemacht

Menschen sind durchaus noch unterwegs, aber nicht in Gruppen. Alle Geschäfte, die nicht Waren des täglichen Bedarfs verkaufen, sind geschlossen. Eine große Drogerie an der Schlösserstraße hat ihre Parfüm-Abteilung mit rot-weißem Absperrband zugeklebt.

Die Spielplätze wurden über Nacht nicht nur als gesperrt gekennzeichnet. Hinter der Krämerbrücke sind sogar die Spielgeräte mit Absperrbändern unbrauchbar gemacht. Ein einsamer Fotograf knipst in aller Ruhe die menschenleere Krämerbrücke.

In den geöffneten Läden tragen die Verkäufer Handschuhe. Schilder weisen die Kunden darauf hin, mindestens 1,50 Meter Abstand voneinander zu halten. Es geht geordnet zu. „Die Leute befolgen die Verordnung und bleiben zu Hause“, wird Bausewein später sagen. „In den letzten Tagen waren auch viele Ältere noch auf den Straßen unterwegs – das hat sich heute geändert.“

Geöffnet sind auch manche Optiker. So hatte es die Stadtspitze bereits am Donnerstag angekündigt. Eine neue Allgemeinverfügung, die am Samstag veröffentlicht wird, soll das noch präzisieren.

Sonntag bleiben alle Geschäfte nun doch geschlossen

„Im Sinne der Einheitlichkeit in ganz Thüringen passen wir die Regeln noch einmal an“, erläutert Bausewein. Vor allem handele es sich um Präzisierungen, die Antworten auf die meisten Fragen geben sollen. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass die Blutspende weiter erlaubt bleibt.

Und dass die erlaubten Geschäfte nun doch am Sonntag geschlossen bleiben. Das hätten sich vor allem die Supermärkte so gewünscht, deren Mitarbeiter auch einmal Luft holen müssten, sagt Bausewein.

Stadtordnungsdienst auf 40 Mitarbeiter aufgestockt

Hingegen arbeiten am Sonntag aber Menschen, bei denen das bisher nicht vorgesehen war: der Stadtordnungsdienst. „Wir haben die Mannschaft noch einmal aufgestockt auf jetzt 40 Mitarbeiter“, bestätigt Ordnungsdezernent Horn. „Auch am Sonntag werden wir in zwei Schichten unterwegs sein.“

Die neuen Streifen wurden im Rahmen einer Umorganisation der Stadtverwaltung aus anderen Bereichen abgezogen. Wie das praktisch funktioniert, ist in der Schlösserstraße zu beobachten: Ein regulärer Mitarbeiter des Stadtordnungsdienstes in Uniform wird von einem neuen Kollegen begleitet, der eine gelbe Weste trägt.