Czentarra: „Man muss hartnäckig sein“

Erfurt  Ortsteilbürgermeister vorgestellt: Hans-Jürgen Czentarra kämpft auf dem Herrenberg für eine Bibliothek

Hans-Jürgen Czentarra, wiedergewählter Ortsteilbürgermeister.

Hans-Jürgen Czentarra, wiedergewählter Ortsteilbürgermeister.

Foto: Michael Keller

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Übernächste Woche wird er 70. Kein Grund für Hans-Jürgen Czentarra, als Ortsteilbürgermeister am Herrenberg im Bemühen nachzulassen. Im Bemühen um eine Bibliothek, die ihm vor acht Jahren dicht gemacht wurde. Czentarras wichtigstes Anliegen. Deswegen hat er sich mit der früheren Bürgermeisterin Tamara Thierbach überworfen, die die Schließung mitgetragen hatte. Und wegen dieser Schließung ist er aus der gemeinsamen Partei ausgetreten. Aus Protest.

Vor acht Jahren bei den Linken ausgetreten

Czentarra ist am 26. Mai mit zwei Dritteln der Stimmen am Herrenberg im Amt zum zweiten Mal bestätigt worden. Das restliche Drittel holte „Der III. Weg“, eine Kleinpartei, deren rechtsgesinnte Agenda es dem gebürtigen Erfurter in seiner Amtsführung nicht leicht macht.

Nach der Wiedervereinigung ging Czentarra nach Bielefeld, arbeitete 15 Jahre als Abteilungsleiter bei Thyssen Krupp. Dann zog es ihn in die alte Heimat zurück. „Weil ich mich dort nie richtig wohlgefühlt habe“, sagt er. 2004 war das. Er hatte aber keine Chance, hier wieder in einen geregelten Job zu kommen. Also wandte er sich der Politik zu, organisierte Hartz-IV-­Demonstrationen auf dem Anger. 2009 wurde am Herrenberg ein Ortsteilbürgermeister gesucht. Czentarra bewarb sich für die Linken. Und siegte.

Nun ist seine dritte Wahlperiode angebrochen. Was er erreicht habe in den ersten fünf Jahren? Darauf kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Die Wiedereröffnung der ‚Urne‘ als Stadtteilzentrum“. Die sei drei Jahre dicht gewesen, dann sei es ihm gelungen, den Oberbürgermeister und andere Entscheidungsträger auf seine Seite zu ziehen und 200.000 Euro lockerzumachen für die Sanierung des Gebäudes.

Die ihn kennen, werden mit den Augen rollen, wenn Hans-Jürgen Czentarra wieder und wieder auf die Schließung der Bibliothek vor acht Jahren zu sprechen kommt. Das hat ihn tief in seinem Selbstverständnis getroffen. Und das war der Grund für den Parteiaustritt. „Ich höre erst auf zu bohren, wenn die Bibliothek wieder offen ist“, sagt er. Sehr wohl wissend, dass sich das zum Kampf gegen Windmühlen auswachsen kann. Ein zweites Stadtteilzentrum, wie stattdessen vorgesehen, brauche es nicht. Nicht mal das erste, bestehende, sei ausgelastet. Die Stadt wolle doch nur Personalkosten einsparen.

Czentarras Vision ist die eines Bildungszentrums. Mit Bibliothek, Lesecafé, vorschulischer Ausbildung. Es gebe am Herrenberg genug Menschen mit Bildungswillen – Studenten, Schüler, Senioren. Der Bedarf sei da. „Man muss etwas für die Abgehängten hier tun“, sagt er trotzig. Der Ortsteilrat stehe bei diesen Bemühungen hinter ihm, versichert Hans-Jürgen Czentarra.

8000 Einwohner am Herrenberg, davon 100 Rechte, das ist Czentarras Rechnung. Die Kammwegklause und das Einkaufszentrum sollen in seiner dritten Wahlperiode nazifrei werden, sagt er bestimmt. Auch wenn man ihn dafür massiv anfeinde. Und er fügt an: „Man muss hartnäckig sein“.

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