Das Erfurter Renau-Mosaik ist zurück

Mit einem Volksfest feiern die Einwohner des Moskauer Platzes und die Kunstwelt die Restaurierung des von Josep Renau geschaffenen Wandbildes

Feierliche und erneute Einweihung des Wandbildes von Josep Renau im Erfurter Neubaugebiet Moskauer Platz.

Feierliche und erneute Einweihung des Wandbildes von Josep Renau im Erfurter Neubaugebiet Moskauer Platz.

Foto: Marco Schmidt

Erfurt. Rund 500 Menschen stehen zusammen und es riecht nach Glühwein. Es ist kein Weihnachtsmarkt – der Erfurter Norden feiert die Kunst. Scheinwerfer müssen an diesem Dienstagabend die Sonne ersetzen, die noch das Mosaik „Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik“ des spanischen Künstlers Josep Renau erleuchtete, als es nach der Restaurierung vor wenigen Tagen an einer Betonkonstruktion am angestammten Ort angebracht wurde.

Einwohner des Plattenbaugebietes feiern die Kunst

„Ich finde das Bild wunderbar“, sagt Sigrid Felke, die schon am Nachmittag hier vorbei kommt. „Viele Leute wissen es gar nicht zu schätzen, dass es so etwas hier gibt.“ Und fragt sich aber, warum das Mosaik nicht direkt an der runden Fassade des Einkaufszentrums befestigt wurde?

Philip Kurz, Geschäftsführer der Wüstenrot-Stiftung, der es maßgeblich zu verdanken ist, dass das Wandbild wieder an den Moskauer Platz zurückkehrte, gibt die Antwort: Es soll dem Bild nicht ein zweites Mal passieren, dass es von einem maroden Bauwerk abgenommen werden muss und in Containern eingelagert wird.

Betonträgerwand soll Kunstwerk dauerhaft retten

Denn aus solchen wurde es gerettet und restauriert und nun ein zweites Mal am gleichen Ort eingeweiht. Die Betonträgerwand hat noch weitere Vorteile. So konnte das Bild in gleicher Höhe und Position wie früher angebracht werden. Was ja, wie Philip Kurz bemerkte, bei Kunst im öffentlichen Raum eine wichtige Größe sei. Die Beziehung zur Umgebung mit ihren Gebäuden.

Neues Verständnis für DDR-Kunst

„Es ist ein neues Verständnis für DDR-Kunst gewachsen“, meint Erfurts Kulturdezernent Tobias Knoblich. Dass aber Erfurt mit der Sanierung des Renau-Mosaiks und der Rückkehr an den alten Ort auch international in der Kunstwelt für Aufmerksamkeit sorgt, das sei für ihn und die Stadt ein Grund stolz zu sein.

Diesen Wert können die Anwohner auch darin spüren, dass Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zur Einweihung gekommen ist und auch Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) nach seiner Israel-Reise direkt vom Flughafen in den Norden der Stadt fuhr. Sie erinnern sich an eine Zeit, in der sie hier wohnten (Ramelow) und Schwierigkeiten auf dem Weg, der beschritten werden musste, um das Kunstwerk wieder neu präsentieren zu können.

Förderverein trommelte über sechs Jahre für das Projekt

Vor sechs Jahren haben er und Mitstreiter den Förderverein gegründet, sagt Ortsteilbürgermeister Torsten Haß. Im Glauben, dass alles schneller ginge. Haß erwähnt nur ein Beispiel, wie der Verein das Interesse an Renau geweckt oder wachgehalten habe. Allein 5000 Karten seien gedruckt und zum Teil verkauft worden, um einen kleinen Anteil an der Sanierung zu leisten. „Ich habe heute ganz viele glückliche Menschen gesehen, das ist ein großer Moment“, so Haß.

Die Finanzierung war tatsächlich die große Herausforderung. Aus den ursprünglich veranschlagten 400.000 Euro wurde die doppelte Summe. Genau 815.000 Euro listet Philip Kurz von der Wüstenrot-Stiftung auf. Selbige übernahm 675.000 Euro. Die Stadt steuerte 100.000 Euro bei. Wobei Tobias Knoblich hervorhob, dass die Stadt zuletzt deutlich aufgestockt hatte. Das Land schließlich steckte 40.000 Euro in die Renau-Kasse.

Wüstenrot-Stiftung machte Finanzierung erst möglich

Wüstenrot-Stiftungschef Kurz genießt die gute Stimmung und auch die Resonanz bei den Anwohnern sichtlich. Und erwähnt, dass die Stiftung ein Programm auflegt, um gefährdete, verschwundene oder versteckte DDR-Kunst wieder ans Licht zu holen. Der Renau habe sich aber auch angeboten, hier einen Leuchtturm zu schaffen. Das Motiv sei ja auch keine ideologisch aufgeladene Kunst.

Das meint auch Klaus Oettel, der aus der Sofioter Straße mit seiner Frau zur Einweihungsfeier herübergelaufen ist. „Es ist ein schönes Bild. Und die Aussage! Natur, Wissenschaft und Technik gehören zusammen. Das müssten sich die Regierungschefs von der Weltklimakonferenz mal ansehen. Es kann nicht immer nur um Profit gehen.“

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