Defensionskaserne in Erfurt öffnet länger als nur zur Buga

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Erfurt.  Erlebnisportal am Erfurter Petersberg sind für Ramelow „Einstieg in die dauerhafte Geschichte des Landes“.

Petersberg – der Platz vor der Defensionskaserne nimmt Gestalt an

Petersberg – der Platz vor der Defensionskaserne nimmt Gestalt an

Foto: Michael Keller

Die Defensionskaserne auf dem Petersberg soll auch nach der Bundesgartenschau (Buga) genutzt werden. Das hat Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) bestätigt. Er wisse nicht, warum ein am Montag vorgestelltes Erlebnisportal - eine multimediale Präsentation Thüringer Touristik-Destinationen in drei Räumen der Kaserne - nach der Buga aufgegeben werden solle, sagte er.

Damit überraschte Ramelow sogar Franz Hofmann. Der neue Chef der Thüringer Tourismus GmbH hatte die Bausatz-Konstruktion des Erlebnisportals betont und den Verbleib in der „roh sanierten“ Kaserne zunächst nur vom 23. April bis zum Ende der Buga im Oktober angekündigt. Später erklärte er sich „offen für sämtliche Nachnutzungen“, auch in der Kaserne.

Laut Ramelow wird darüber hinaus die für die Buga installierte Toilettenanlage im Untergeschoss der Kaserne über 2021 hinweg Bestand haben. Die Toiletten würden später für große Kulturveranstaltungen genutzt, die auf dem Berg geplant seien.

Stadt prüft offenbar längerfristigen Gastronomievertrag

Die Besucher-Versorgung in der Defensionskaserne könnte ebenfalls die Buga überdauern. „Warten wir ab, wie die Gastronomie einschlägt“, sagte Ramelow. Die Stadt Erfurt überlege, ob sie einen Gastronomievertrag ermöglicht.

Ziel sei es, die Kaserne wie den gesamten Petersberg Stück für Stück kulturell immer weiter nutzbar und so „endlich zur Stadtkrone von Erfurt“ zu machen. „Da oben werden X Millionen verbaut, darunter viele Millionen vom Land“, meinte Ramelow. „Damit wird deutlich, dass unser Bekenntnis zum Petersberg ein eindeutiges ist.“

2017 hatte sich Ramelow dafür eingesetzt, dass die Defensionskaserne zu einem modernen Landesmuseum umgebaut wird. Mit Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) unterzeichnete er eine entsprechende Absichtserklärung.

Im vergangenen Juni ruderte die Staatskanzlei jedoch endgültig zurück und signalisierte, dass die Pläne auf Eis liegen. Schätzungen gehen davon aus, dass es bis zu 100 Millionen Euro bräuchte, das Gebäude zu sanieren und umzubauen. Alle jetzt genannten Nutzungen können nur eine Zwischenlösung sein.

Nächste Kehrtwende beim Landesmuseum?

Am Montag sprach der Ministerpräsident Worte, die als ein Zurückrudern vom Zurückrudern interpretiert werden können: „Ich freue mich darauf, dass das, was wir jetzt mit der Präsentation der Erlebnisportale mit dem Petersberg verbinden, ein guter Einstieg in die dauerhafte Geschichte des Landes Thüringen ist.“

Es werde deutlich, „dass wir dort Geschichte anders erzählen wollen“, sagte Ramelow. Damit meinte er wohl, dass die emotionale und multimedial geprägte Art der Präsentation im Erlebnisportal vergleichbar mit einem Landesmuseum nach seinen Vorstellungen ist.

Derweil hatte die Stadt bereits auf die Passivität des Landes reagiert. Wie Kulturdezernent Tobias Knoblich (parteilos) im Dezember bestätigte, wird die Defensionskaserne in einem neuen Museumskonzept als möglicher Standort für ein Erfurter „Supermuseum“ untersucht. Die Aufgabenstellung für das Konzept sieht zugleich eine „Verzahnung mit einem (möglichen) Landesmuseum“ vor.