Demo gegen Papstbesuch und religionsfreie Zone in Erfurt

Ernsthafte Kritik mit Witz: Das Bündnis "Heidenspaß statt Höllenangst" organisiert für Freitag eine Demo und Samstag die religionsfreie Anger-Zone in Erfurt.

Kabarettist Daniel Ebert aus Suhl verteilte als Papst verkleidet in Erfurt Kondome und fragte die Leute nach ihrer Vorfreude auf den Papstbesuch. Foto: Frank Karmeyer

Kabarettist Daniel Ebert aus Suhl verteilte als Papst verkleidet in Erfurt Kondome und fragte die Leute nach ihrer Vorfreude auf den Papstbesuch. Foto: Frank Karmeyer

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Erfurt. Sie verteilen Kondome mit der Aufschrift "Heidenspaß statt Höllenangst" und habenam Dienstag ganz unerwartet in dem Kabarettisten Daniel Ebert aus Suhl einen Unterstützer gefunden. Der nämlich verteilte auf dem Domplatz als Papst verkleidet ebenfalls Kondome.

Mehr Gemeinsamkeiten gibt es zwischen dem Bündnis "Heidenspaß statt Höllenangst" allerdings nicht, der Kabarettist ist wieder nach Hause gefahren. Die Frauen und Männer des Bündnisses hingegen bereiten die papstkritische Demonstration am Freitagabend 18 Uhr ab Hauptbahnhof vor. Man werde über den Juri-Gagarin-Ring, die Neuwerk- und Regierungsstraße bis zur Staatskanzlei ziehen und dort erstmals stoppen, um Reden zu halten. Zwei weitere Stopps wird es auf dem Anger und dem Wenigemarkt geben.

Am Samstag wird der Anger vom Bündnis zur religionsfreien Zone erklärt. Hier gibt es ab 7.30 Uhr bis mittags Sitzgelegenheiten, Live-Musik und die Möglichkeit der Diskussion über das Mikrofon.

"Unser Wohlbefinden hängt nicht davon ab, ob Erfurt weltweit bekannt ist oder nicht", reagieren die Thüringer Bündnisvertreter auf den Vorwurf, derlei Aktionen könnten dem Ruf der Stadt schaden. Auch die Vertreter der Stadt haben keine Bedenken, dass der Protest falsch verstanden werden könnte. Jedenfalls gab es kein Problem, Demonstration und Straßendebatte anzumelden.

Die Veranstalter rechnen mit etwa 300 Teilnehmern am Freitag. Sicher sei man nicht, vielleicht würden es auch mehr. Man wolle ein Signal gegen möglichen Antisemitismus in der katholischen Kirche, die Verteufelung von Schwulen und Lesben und die Annäherung an die Pius-Bruderschaft setzen. "Dieses Riesenspektakel für Christen und auch Atheisten sollte nicht kritiklos hingenommen werden", so die Bündnisvertreter.

Den Aktionen am Freitag und Samstag vorausgegangen waren in den vergangenen Wochen religionskritische Diskussionen sowie Veranstaltungen beispielsweise zur Rolle der katholischen Kirche in Lateinamerika und die kritische Auseinandersetzung mit der bestehenden Sexualmoral. Die Mitglieder des Bündnisses leben überwiegend in Erfurt und Jena. Derzeit halten sie Kontakt zu den Organisatoren der Papstkritik in Berlin. Im Bündnis arbeiten sowohl Gruppen als auch Einzelpersonen mit.

Die Kritik des Bündnisses an dem Besuch des Papstes in Erfurt richtet sich nicht vordergründig gegen die Kosten, die teilweise auch von der Stadt getragen werden müssen. Vielmehr sei die konservative Haltung des Oberhauptes der katholischen Kirche menschenverachtend. Das Geld, das dieser Besuch koste, würde ansonsten für andere Dinge ausgegeben, über die manche sicher streiten würden.

"Heidenspaß statt Höllenangst" geht davon aus, dass die Proteste friedlich bleiben.

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