Der linke Fuß ist zum Streicheln da

Dachwig  Fußball-Thüringenliga: Auch im Spitzenspiel gegen Ehrenhain ist Carlo Preller für Fahner Höhe der entscheidende Mann

Schreckmoment: Fahner Höhes Kapitän und Abwehrchef Artur Machts, hier noch aufrecht, wurde in der zweiten Halbzeit am Knie behandelt, konnte das Spiel aber beenden.

Schreckmoment: Fahner Höhes Kapitän und Abwehrchef Artur Machts, hier noch aufrecht, wurde in der zweiten Halbzeit am Knie behandelt, konnte das Spiel aber beenden.

Das weiße Nike-Zeichen auf dem linken Schuh von Carlo Preller strahlte mit der Spätsommersonne um die Wette. So, als wäre selbst der Schuh stolz auf das, was der darin steckende Fuß des bulligen Angreifers des FC An der Fahner Höhe erneut vollbracht hatte. Schon beim 3:1 in Sondershausen war Preller mit drei Toren der Matchwinner für den Tabellenführer der Fußball-Thüringenliga. Diesmal, gegen die bis dato nur einen Zähler schlechteren Gäste aus Ehrenhain, brachte er den 4:1-Heimsieg mit zwei weiteren Treffern auf den Weg. „Carlo ist für uns derzeit unersetzlich. Wenn er im Kopf frei ist, macht er solche Tore“, huldigte Fahner-Coach Tobias Busse seinem Sieggaranten.

Solche Tore – damit meinte Busse das 1:0 nach neun Minuten. Preller, gebaut wie ein Kühlschrank, zeigte sich diesmal von seiner ganz filigranen Seite. Nach einem abgeblockten Klärungsversuch der Gäste den Ball mit dem Rücken zum Tor an seinem Gegenspieler vorbei und über den Torhüter hinweg gefühlvoll zum 1:0 ins Netz hob – nein, eigentlich zärtlich streichelte.

Die Busse-Elf war nun tonangebend. Hinten giftig-gallig immer wieder mit Ballgewinnen, vorn mit vielen guten Ideen, denen es bis auf das Preller-Highlight noch an der finalen Veredlung fehlte. So auch, als Baumgart freigespielt wurde und den Ball unbedrängt rechts vorbei schob (22.). Zwei Minuten später die erste Halbchance für die Ostthüringer, als Bresemann einen Schuss aus spitzem Winkel entschärfte.

Dass er seinen linken Fuß nicht nur zum Streicheln hat, bewies Torschütze Preller kurz darauf, als er einen Freistoß aus 25 Metern per Kanonenschlag Richtung Tor feuerte, aber einen knappen Meter zu hoch ansetzte.

Doch dieser linke Fuß hatte am gestrigen Sonntagnachmittag noch lange nicht Feierabend. Als Aliyev Bresemanns langen Abschlag erst verloren, sich aber dann doch zurückerkämpft hatte und sein Pass durch die Schnittstelle Fahners Nummer neun fand, war seine Haxe inklusive Nike-Schuh wieder richtig justiert – Preller schob das Streitobjekt am herausstürzenden Keeper Sittel vorbei zum 2:0 in die Maschen (37.).

Es dauerte bis zur 43. Minute, ehe es mit Korent ein Ehrenhainer zum ersten Mal hinter die bärenstarke Deckungsreihe der Gastgeber schaffte. Seine gefährliche Hereingabe fand jedoch keinen Abnehmer. Auf der Gegenseite verpasste Baumgart freistehend den 3:0-Halbzeitstand – selbst dieser wäre nicht unverdient gewesen.

Seine bis dato größte Chance hatte der Tabellenvierte direkt nach Wiederbeginn, als Peuker über links durchkam und auf Lehmann flankte, der freistehend vorbeiköpfte.

Dass „Goldfuß“ Preller seinen Rechten eher zum Aufstehen hat, bewies er kurz darauf bei seiner Nachschuss-Rückgabe mit ebenjenem schwächeren Bein.

Nun pegelten sich Tempo und Spielgeschehen zunehmend im Mittelfeld ein. Ehrenhain erkämpfte sich Gleichwertigkeit, weil Fahner etwas gelassener agierte. Harte Zweikämpfe gab es trotzdem, wie den von Aliyev gegen Rentzsch, als sowohl für Rentzschs übles Foul als auch für Aliyevs Nachtreten Rot möglich gewesen wäre. Es gab nur Gelb für den Foulenden.

Die Gäste waren Mitte der zweiten Hälfte sogar das etwas aktivere Team, doch ihre Vorstöße waren so lauwarm wie das Wetter. Nur nach einem Freistoß aus dem Halbfeld ging ein Raunen durch die Reihen, weil der Ball nach einem Kopfballduell an den Querbalken von Bresemanns Kasten klatschte (61.).

Der Anschlusstreffer des Tabellenvierten fiel dennoch gefühlt aus dem Nichts: Mit herrlichem Angriff spielten sich die Gäste von rechts nach links durch, von dort wurde eine Flanke auf der anderen Seite durch Zerrenner noch einmal direkt zurückgelegt und von Schmidt wuchtig eingenetzt (78.).

So wenig Zugriff die Fahnerschen beim Gegentor hatten, so schnell – nämlich binnen Sekunden – reagierten sie auf den Rückschlag: Der eingewechselte Walter tanzte seinen Gegner auf dem rechten Flügel auf dem berühmten Bierdeckel aus und flankte butterweich an den zweiten Pfosten, wo Winge direkt zum 3:1 versenkte (78.). „Diese schnell Reaktion war ganz wichtig und hat gezeigt, wie sehr wir heute bereit waren“, lobte Busse die Teamleistung seiner Mannen.

Als sich Lischke in den Strafraum gespielt hatte, verhinderte Sittels Fußparade einen weiteren Treffer der Busse-Elf, die den Weckruf gehört zu haben schien. So waren die Schlussminuten ein Schaulaufen. Und das sehenswert: Herrlich kombinierte sich der Spitzenreiter seiner Tabellenposition würdig in den Strafraum, wieder war es Walter, der auflegte – diesmal für Einwechsler Martin. Sein Treffer zum 4:1 (88.) war der Endstand.

Preller, der immer ein bisschen mürrisch guckt, war zu diesem Zeitpunkt schon draußen. Als der Schlusspfiff ertönte, strahlte auch er. Wie sein linker Schuh.

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