Der Nachtflohmarkt in der Messehalle zog 4000 Besucher an

Es ist Samstag 16 Uhr. Rund um das Messegelände ballt sich der Verkehr. Wer hier einen Parkplatz sucht, der will nicht zu Roland Kaiser, dessen Konzert beginnt erst 20 Uhr. Er strebt zum Nachtflohmarkt. Und er muss anstehen, die Messehalle 3 ist schon kurz nach der Eröffnung proppevoll.

Trödel auf 7000 Quadratmetern lockt. Zehn Euro Standmiete kostet der laufende Meter. Foto: Marco Schmidt

Trödel auf 7000 Quadratmetern lockt. Zehn Euro Standmiete kostet der laufende Meter. Foto: Marco Schmidt

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Erfurt. "Wir sind ausgebucht", sagt Veranstalter Gerald Wagner, der mit seiner Frau Petra und der gesamten Familie seit Jahren die Nachtflohmärkte in der Messe organisiert und betreut.

Gustav Rudatis aus Halle kommt regelmäßig - mit Abzeichen aus DDR-Zeiten und mit Münzen. Sein Stand ist dicht umringt. Einer, der hier kundig nach Jahreszahlen fragt, ist der Erfurter Thomas Schmidt. "Als Kind habe ich bei meinem Vater eine Schachtel mit Abzeichen gefunden, so ging es los", erinnert er sich. "'Für gute Arbeit in der Schule' - das gab es in 40 Varianten. Wenn man einmal angefangen hat, will man alle haben", sagt er.

Schmidt haben es besonders Pionier- und FDJ-Abzeichen angetan. Seine Sammelleidenschaft brauche ziemlich viel Platz in der Wohnung. "Zum Leidwesen meiner Frau." Nebenan frönt der Enkel von Herrn Rudatis seinem Hobby, er präsentiert Modelleisenbahnen und beantwortet neugierige Fragen von Vätern und Söhnen zu Modellreihen und Preisen.

Die Halle ist gefüllt mit etwa 300 Ständen. Es gibt buchstäblich alles, von alten Puppenhäusern über Lampen aus den 60er Jahren über edlen Schmuck bis zu Eimern aus Emaille und Uromas gestickten Handtüchern. Verhinderte Großwildjäger können alte Geweihe und sogar Trophäen von Springböcken erwerben.

Reich ist hier kaum einer, die meisten Anbieter sind Freizeitsammler. Richard Jungk aus Hessen zum Beispiel. "Ich habe Freude an alten Sachen", sagt er und zeigt auf ein Schmuckstück, ein altes Eierschränkchen im Art-deco-Stil.

Ebenfalls aus Hessen ist Hans-Jürgen Rother gekommen, mit Taschenuhren, Regulatoren, Geschirr. "Für mich ist das hier der schönste Flohmarkt", sagt er. "Die Organisation ist top, das Publikum zahlreich und freundlich." Er ist längst Rentner, hat daheim Grundstück und Garage mit alten Sachen vollgepackt.

"Es sollte nicht alles im Müllcontainer landen", findet er. Wenn Flohmarkt ist, juckt es ihn in den Fingern. Anmelden, Anfahrt, Stand aufbauen, Auto ausräumen - das Ganze weit nach Mitternacht in umgekehrter Reihenfolge. "Es macht Spaß", sagt der ältere Herr vergnügt, er freut sich auch auf die Fachsimpeleien mit Kunden.

"Wir fahren nie mit leeren Händen heim", erzählen die Vogels aus Großbrüchter im Kyffhäuserkreis. Sie nehmen gern die 70-Kilometer-Tour auf sich, bleiben, drei, vier Stunden, inklusive Imbiss und Musik, die diesmal das Duo Pötsch und Postel beisteuert. "Wir schauen nach Produkten aus der ehemaligen DDR. So vieles ist weggeworfen worden. Wir finden es schön, wenn manches noch ein zweites Leben bekommt."

Der Sonntag ist schon ein paar Stunden alt und Roland Kaiser längst wieder im Hotel, als der letzte in Messehalle 3 das Licht ausmacht.

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