Wie der Trick mit dem Denkmalschutz die iga in Erfurt rettete

Erfurt.  Ein engagiertes Trio verhinderte 1992 in Erfurt die Abwicklung und den Verkauf des Geländes der iga. Wie sie das machten, erzählten sie dieser Zeitung.

Historische Bilder Erfurter Ega Iga Gartenbauausstellung Rettung Gartenausstellung Gartenbau Rettungega im Bild: Aufbau 1961

Historische Bilder Erfurter Ega Iga Gartenbauausstellung Rettung Gartenausstellung Gartenbau Rettungega im Bild: Aufbau 1961

Foto: Peter Grimm

Die Jahre nach 1990 waren geprägt von großen Veränderungen. Vieles wurde abgewickelt, verschwand. Und um ein Haar hätte es auch die Internationale Gartenbauausstellung (iga) erwischt. Wäre es nach der Politik gegangen, so erinnert sich Sylvia Otto, wäre ihr Schicksal besiegelt gewesen.

Der MDR hegte Ambitionen für das Gelände und hatte Unterstützung aus der Politik. Wo die Zentralgaststätte stand, dort sollte das Funkhaus hin. Otto kannte die Pläne, weil sie selbst Stadträtin war. Bei einem Empfang mit dem damaligen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel wollte sie die Gelegenheit nutzen, mit ihm zu reden. Vogel, der wusste, wer diese Frau ist, versuchte, sich vor dem Gespräch zu drücken, erinnert sie sich. Drei Runden habe sie ihn ums Buffet verfolgt, dann war er weg.

Dann hatte Vogel Geburtstag und Otto einen Plan. Sie erinnerte sich, wie der MP sie im Fernsehen bloßgestellt hatte, in dem er ihr empfahl, es wie der Frosch zu machen, der in der Fabel in einen Milchkrug fiel. Er strampelte, bis die Milch zu Butter wurde und war gerettet. „Strampeln Sie, machen Sie es wie der Frosch“, sagte Vogel vor laufenden Fernsehkameras zu Otto. Als Sylvia Otto zu Vogels Geburtstag im Gästehaus der Landesregierung in der Cyriakstraße uneingeladen anrückte, hatte sie ein besonderes Präsent dabei: ein kleines Aquarium mit Wasser und drei lebenden Fröschen darin. Sie platzierte es auf dem Geburtstagstisch. Am nächsten Tag rief Vogel an und bedankte sich. Später hat er es an ein Kinderheim verschenkt.

Sylvia Otto versuchte bei Magarete Schreinemakers im Fernsehen Gehör zu finden mit ihrem Anliegen. „Keine politischen Sachen im Osten“ hieß es. Aufgeben angesichts der prominenten Polit-Gegnerschaft ? Keineswegs. Otto holte sich Roland Fischer, den Abteilungsleiter Wissenschaft und Technik, und Gunnar Franke, einen Gartenbauarchitekten, ins Boot. Das listige Trio stellte im Oktober 1992 eigentlich mehr als Verzweiflungsakt, wie sie heute zugeben, einen Antrag auf Denkmalschutz für die iga, so, wie sie Landschaftsarchitekt Reinhold Lingner einst entwarf.

„Das wird nie was“, hieß es von Seiten des damaligen Geschäftsführers, der die Ausstellungshallen auch gern despektierlich als „Bretterbuden“ bezeichnete. Sechs Wochen später ein Anruf vom Denkmalamt: Antrag stattgegeben. Aber nur für die Hälfte des Geländes, vom Gothaer Platz bis zu der Stelle, an dem heute das MDR-Areal beginnt. Der große Rosengarten sei leider nicht mit drin gewesen, sagt Otto etwas wehmütig.

Was die damalige Betriebsratschefin dann aber auf dem falschen Fuß erwischte, sei die für die unerwartete Reaktion des Erfurter Oberbürgermeisters Manfred Ruge gewesen, der ihr vorwarf, sie habe mit ihrer Einmischerei 50 Millionen D-Mark Schaden für die Stadt verursacht. Denn der Verkauf der iga war durch den Denkmalschutzstatus definitiv vom Tisch.