Ein Jahr im Camper durch Südamerika: Reiseabenteuer eines Erfurters im Film

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Ein Hund hat fünf Tage lang die Reise von Tin Brendel und seiner Freundin Ariane begleitet. Danach schloss sich das Tier anderen Wanderern an – für den Weg zurück.  

Ein Hund hat fünf Tage lang die Reise von Tin Brendel und seiner Freundin Ariane begleitet. Danach schloss sich das Tier anderen Wanderern an – für den Weg zurück.  

Foto: Tin Brendel

Erfurt  Tin Brendel ist mit seiner Freundin durch Südamerika gereist. Über die Reiseabenteuer der beiden hat er einen Film produziert, den er durch ein Kickstarter-Projekt auch fürs Streaming anbieten will.

Neuseeland mit dem Wohnmobil zu durchqueren – das haben Tin Brendel aus Erfurt und seine Freundin Ariane Figueiredo aus Brasilien monatelang akribisch geplant. Der 21-Jährige ist vorgeflogen und schon drei Tage in Christchurch, kauft dort einen Camper und wartet nur noch auf seine Freundin und deren Flieger aus Sao Paulo – doch da soll alles ganz anders kommen. Ariane wird bei der Zwischenlandung in Chile aus dem Flieger geholt, das Visum wird wegen eines Formfehlers abgelehnt, die Einreise nach Neuseeland wird ihr verweigert. Alle Reisepläne sind innerhalb von Sekunden ein Scherbenhaufen, ein Traum scheint zerstört. Und doch ist es der Beginn eines vielleicht noch verrückteren Abenteuers, mit dem so niemand hat rechnen können...

Was wie die Beschreibung für den Beginn eines abenteuerlichen Reisefilms klingt, ist auch eine: Ohnehin hatte Tin Brendel vor, die Reise auf der anderen Seite der Erde mit Drohne und Foto-Film-Kamera zu dokumentieren.

Ein Jahr im Camper durch Südamerika: Reiseabenteuer eines Erfurters im Film

Reise muss komplett neu organisiert werden

Dass er und seine Freundin nun gezwungen sind, die für ein Jahr geplante Reise spontan komplett neu zu organisieren, verleiht ihrem Filmprojekt einen ganz unvorhersehbaren Aspekt. Beide verlagern ihre Reise kurzentschlossen nach Südamerika.

„Uns blieb einfach gar nichts anderes übrig“, sagt Tin Brendel. Zwei Jahre lebte er zuvor mit seiner Freundin in einer Fernbeziehung. Kennengelernt hatten sich beide bei einem Austauschprogramm in Florida, da ging Tin Brendel noch in die elfte Klasse. Die Reise sei eine „eindringliche Erfahrung“ geworden. Nicht allein der holprige Start hat beide nur noch mehr zusammengeschweißt. Dazu beigetragen hat neben dem allzu oft defekten Camper auch die besondere Naturschönheit Südamerikas. Hier haben beide Müll gesammelt in der Hitze der Wüste Perus, starteten zum Höhlentauchen im brasilianischen Dorf Bonito oder stiegen um 4 Uhr in der Frühe auf, um die Ruinenstadt Machu Picchu noch fast für sich allein zu haben. 92 Minuten lang ist ihr Film geworden, getauft auf den Titel „White-Spot“.

Kickstarter-Projekt gestartet

Um ihn auf DVD brennen und in Streamingdiensten zeigen zu können, haben Tin und Ariane ein Kickstarter-Projekt gestartet, das noch neun Tage läuft. Heißt, wer ihre Reise im Nachhinein finanziell unterstützt, bekommt je nach Spender-Summe den Film als DVD, ein signiertes Fotobuch mit beeindruckenden Aufnahmen von der Reise oder Premierentickets als Dankeschön dafür zurück.

Zwei Jahre hatten beide für die Reise gespart, Tin hatte auf dem Bau gearbeitet und Imagefilme produziert, viel Unterstützung erfuhren sie von ihren Familien. Nun wollen sie etwas zurückgeben und Menschen teilhaben lassen an ihren speziellen Erlebnissen, die sie in elf Ländern Südamerikas von Herbst 2017 bis Herbst 2018 gemacht haben.

Tin Brendel, der schon für Schlagzeilen als „jüngster Falkner Deutschlands“ sorgte, ist seinem Traumberuf Filmemacher inzwischen ein gutes Stück näher. Die Reise hat nach allen Startschwierigkeiten ein Happy End: Er wird ab September in London studieren, seine Freundin hat ein Studien-Stipendium in Amsterdam bekommen. Es bleibt für beide bei einer Fernbeziehung – die Entfernung indes ist geschrumpft.

https://www.kickstarter.com/projects/tinbrendel/white-spot-places-you-never-thought-exist