Ein Provisorium, das so nicht bleiben soll

Bischleben  Die Zukunft der Sportlerklause in Bischleben ist nach dem verheerenden Brand 2016 weiterhin ungewiss

Conny Preissler im Biergarten in der Sportlerklause in Bischleben.

Conny Preissler im Biergarten in der Sportlerklause in Bischleben.

Foto: Gerald Müller

Conny Preissler hat auf dem linken Oberarm 13 Wörter stehen: Nur wer den Mut hat zum Träumen, hat auch die Kraft zum Kämpfen. Sie hat sich diesen Spruch in diesem Jahr tätowieren lassen, er ist so eine Art Leitsatz für sie.

Seit zwei Jahren betreibt Conny Preissler als Pächterin die Sportlerklause in Erfurt-Bischleben, die unter Obhut des Sportbetriebs steht. Der Standort in idyllischer Lage ist die erste gastronomische Station für die 43-Jährige, die einst als Physiotherapeutin und in der Insolvenz-Verwaltung tätig war. Den Schritt aus dem Büro hat sie nie bereut, eigentlich habe sie erst hinter dem Tresen richtigen Spaß an diesem Job gefunden.

Das sagt sie milde lächelnd, obwohl die derzeitige Situation sehr kompliziert ist, sie und die Gäste mit Provisorien auskommen müssen, die den beruflichen Alltag schwer machen.

Durch einen Kabeldefekt brannte am 9. Januar 2016 das Vereinsheim einschließlich des Lokals fast komplett ab. Der Gesamtschaden betrug rund 300 000 Euro. „Früh am Morgen wurde ich aus dem Bett geklingelt“. Doch erst als sie über die etwa hundert Meter vom Sportplatz entfernte Brücke ging, „sah und spürte ich, welche verheerenden Auswirkungen der Brand hatte“. Auch persönlich.

Denn in den nächsten Tagen wurde Conny Preissler bewusst, dass möglicherweise die gerade mit viel Enthusiasmus aufgebaute neue Existenz gefährdet ist und damit auch die von ihren zwei Angestellten: der taubstummen Giang mit vietnamesischer Herkunft und John aus Amerika.

Denn der Brand vernichtete fast alles. Für den Verein blieb kaum etwas, für sie auch nicht. Kein Löffel, kein Tisch, nichts war mehr da bzw. zu gebrauchen. Wochen des Hoffens und Bangens folgten, immer wieder lautete die Frage für Conny Preissler: wie geht es weiter?

Während die Fußballer sich fortan in Containern umzogen und für den Spielbetrieb einige Monate „Asyl“ bei den Nachbarn in Möbisburg fanden, kämpfte sie für die schnelle Wiedereröffnung. Sie jammerte nicht, sondern handelte, konnte dabei auf tatkräftige Unterstützung bauen: die Fußballer halfen, die Männer vom Stammtisch, die Handwerker aus dem Ort, die Familie. Ein Provisorium mit kleinem Bierwagen und winzigem Zelt entstand. „Arbeiten war die vielleicht beste Ablenkung“.

Benefizspiel mit dem FC Rot-Weiß am 23. Juni

Conny Preissler, Mutter von drei Kindern, rackerte und investierte. Schon am 25. März 2016, zu Ostern, konnte sie wieder öffnen. „Schlicht und einfach zwar, doch es kamen viele Gäste, die mir damit auch Kraft gaben“.

Mittlerweile hat sich das Provisorium verändert, sowohl Schankwagen, beheizbares Zelt als auch der gemütliche Biergarten haben größere Ausmaße. Doch es ist weiterhin eben nur ein Provisorium. Das funktioniert im Sommer durchaus gut, in den kälteren Monaten stellt es keine Lösung dar.

Inzwischen ist der Bau eines neuen Sportlerheims in einer Größe von circa 160 Quadratmetern für die Fußballer und Volleyballer geplant und auch genehmigt. Im Vergleich zum alten Gebäude soll es wegen des Hochwasserschutzes um einige Meter in Richtung Straße verlegt und mit Kabinen, Duschen und Toiletten sowie einem Vereinszimmer ausgestattet sein. Ein Benefizspiel zwischen dem Bischlebener SV und Fußball-Drittligist FC Rot-Weiß am 23. Juni um 18.30 Uhr soll das Vorhaben finanziell unterstützen. Alles gut und schön.

Doch ein Lokal ist seitlich vom beliebten Rad- sowie Wanderweg nicht vorgesehen, weder ein Ausschank – noch ein Gastraum. „Leider wurde ich zu keinem Gespräch zur Zukunft des Geländes eingeladen“, stellt Conny Preissler fest. „Dabei geht es doch um eine gemeinsame Lösung“.

Sie spürt viel Rückendeckung, hat sich durch ihre Art reichlich Sympathien erworben. Hans-Joachim Schau, wohnhaft am nahen Bachstelzenweg, sagt: „Es ist enttäuschend für mich, dass der Ersatzneubau ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Belange eines Sportvereines und unter Wegfall eines angemessenen Gastronomiebereiches geplant ist“. Denn die Sportlerklause sei eine „stark frequentierte und beliebte Einkehr für Ausflügler des Gera-Rad- sowie Wanderweges“. Und er ergänzt: „Bischleben verfügt sonst nur noch über das Cafe Bachstelzenweg als Gaststätte, das aber die Bedürfnisse einer einfachen preisgünstigen Versorgung von Ausflüglern nicht erfüllt“. Er und andere wünschen sich eine Neuplanung des Objektes am Sportplatzes.

Conny Preissler freut sich über die Fürsprache. Sie sehnt sich nahc einer gastronomischen Zukunft. Auf ihrer roten Weste prangt ein Logo. Auf diesem ist zu lesen: Sportlerklause Bischleben. Sie zeigt mit dem Finger auf den Kreis, wirkt trotz aller Ungewissheit stolz. Und sie hat Mut zum Träumen und Kraft zum Kämpfen.

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