Eine Frau leitet künftig das Seelsorgeamt im Bistum Erfurt

Die Theologin Anne Rademacher wird das Seelsorgeamt im Bistum Erfurt übernehmen. Die 37-Jährige will vor allem Ehrenamtliche unterstützen.

Auf Anne Rademacher wartet eine Menge Arbeit. Sie ist künftig unter anderem für die Seelsorge in Krankenhäusern zuständig. Foto: Marco Schmidt

Auf Anne Rademacher wartet eine Menge Arbeit. Sie ist künftig unter anderem für die Seelsorge in Krankenhäusern zuständig. Foto: Marco Schmidt

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Erfurt. Sie macht große Schritte in ihren Jeans, lacht und ordnet die blonden Haare. Begegnete man ihr auf dem Anger oder in einem Straßencafé, käme wohl kaum jemand auf den Gedanken: Dr. Anne Rademacher wird ab 22. April das Seelsorgeamt im Bistum Erfurt leiten.

Erstmals wird es damit mit einer Frau besetzt. Außer in Erfurt gibt es das in Deutschland nur noch einmal, und zwar in Osnabrück. Und nimmt man den gesamten deutschsprachigen Raum, so ist nur das Bistum Innsbruck in Österreich noch dabei. In der Hierarchie steht die 37-Jährige damit direkt hinter Bischof Joachim Wanke.

Sie wurde in Ilmenau geboren, erlebte ihre Kindheit aber in Frankfurt/Oder. Die Eltern, beide Mathematiker, sahen in ihr ein mathematisch-naturwissenschaftliches Talent und schickten sie auf eine Spezialschule. "Als ich in der 9. Klasse war, kam die Wende", erzählt sie. "Bis dahin war ich die einzige bekennende Christin in meiner Klasse. Plötzlich wollten alle etwas darüber wissen."

Sie hielt Vorträge und machte sich mehr Gedanken darüber, was dran ist an dem Christ-Sein. Schließlich kehrte sie nach Thüringen zurück, um in Erfurt katholische Theologie zu studieren und zu promovieren. "Wir waren zwölf Männer und zwei Frauen in meinem Studienjahr", lacht sie und beteuert, es sei gar nicht schwer gewesen, sich zu behaupten. "Es kommt doch darauf an, dass man etwas mit ganzem Herzen tut - und dann wird's auch gut."

Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Gemeindeassistentin in Bad Langensalza. Später übernahm sie das Referat Kinderseelsorge im Erfurter Seelsorgeamt. Wie viel Spaß ihr diese Arbeit gemacht hat, sieht man in ihrem Büro noch heute: Kinderbilder, Grüße von den Kleinen aus dem Urlaub, Gemaltes... 2007 wurde sie dann Referentin des Seelsorgeamtes. Und nun der nächste Schritt.

Auf sie wartet eine Menge Arbeit. Sie ist für die Ehrenamtlichen, für Wallfahrten, Seelsorge in Krankenhäusern und Gefängnissen zuständig und soll auch helfen, die neue Struktur der Gemeinden bis 2020 im Bistum Erfurt durchzusetzen.

Bereits ab 1. Juli soll eine neue katholische Gemeinde gebildet werden, die von Artern, Roßleben, Bad Frankenhausen bis nach Greußen und Sömmerda reicht. Dieses Modell soll dann 33 Mal im Bistum Erfurt greifen, auf diese Zahl von Gemeinden will man bis 2020 reduzieren - derzeit gibt es noch 72 Gemeinden. Dann wird es auch nur noch 40 katholische Priester für die Gemeinden geben, derzeit sind es noch 101. Viele der Pfarrer gehen in den kommenden Jahren in Rente.

Dr. Anne Rademacher sieht die Dinge realistisch: "Wir müssen überlegen: Wie leben wir künftig in Thüringen? Wie schätzen wir die älteren Menschen? Wie können wir die Arbeit Ehrenamtlicher nutzen?"

Wie man derlei Probleme löst? "Zuerst, indem man auf die Menschen zugeht, einen guten Draht zu Pfarrern und Gläubigen hat", sagt sie.

Die Ehrenamtlichen, ist sie optimistisch, werden die Gemeinden tragen und man müsse sehen, wie sich Haupt- und Ehrenamtliche ergänzen und einander stützen können.