Eishockey-Verein gibt nicht auf

Erfurt  Demo und Petition für Sanierung und Erweiterung der kleinen Eishalle. Verwaltungs-Antrag auf Verschiebung der Mittel lässt Fragen offen

Die Halle wird auch für die Kinder- und Jugendmannschaften gebraucht.

Die Halle wird auch für die Kinder- und Jugendmannschaften gebraucht.

Foto: Sascha Fromm

Der EHC gibt den Kampf um die mit dem Haushalt beschlossene Erweiterung der Eishockeyhalle nicht auf. Wie der Vereins-Präsident Hans-Peter Meinhardt bestätigt, sollen eine Internet-Petition, ein offener Fan-Brief und eine Demonstration am Mittwoch auf dem Fischmarkt den Stadrat überzeugen, einem Antrag der Stadtverwaltung nicht zuzustimmen.

Dieser Antrag sieht vor, Gelder aus der geplanten Hallenerweiterung für die Sanierung von zwei Freibädern abzuzweigen. In der Eishockey-Halle sollen dagegen nur noch Erhaltungsmaßnahmen stattfinden.

„Erfurt hat mehrere Bäder und viele Fußballplätze“, sagt Meinhardt. „Aber für Eishockey gibt es nur die eine kleine Halle.“

Die Erweiterung um eine Tribüne sollte der Profimannschaft der „Tecart Black Dragons“ annehmbare Spiel- und Vermarktungsbedingungen verschaffen und damit ihre Existenz sichern. Der Profibereich diene als Ansporn für die 180 Kinder und Jugendlichen, die beim EHC trainieren, sagt Meinhardt.

Die Internet-Petition auf der Seite „openpetition.de“ wurde am Mittwoch gestartet. Bis Freitag unterschrieben 1251 Bürger, darunter 560 aus Erfurt, für die „Sanierung und Erweiterung der kleinen Eishalle“.

Auch aus der Stadtpolitik sind dem Verein Unterstützungsbotschaften zugegangen. Die CDU setzt sich dafür ein, dass Geldquellen für einen Abriss und Neubau der Halle geprüft werden sollen. Linke und FDP sehen den Oberbürgermeister in der Pflicht. Andreas Bausewein (SPD) hatte dem Verein öffentlich und ohne jedes Wenn und Aber versprochen, dass die Sanierung und Erweiterung der Halle umgesetzt werde.

Doch auch der Antrag der Verwaltung lässt einige Fragen unbeantwortet. Er zeichnet vier Szenarien für die Zukunft des Eishockeys in Erfurt auf. In diesem bunten Spiel der Möglichkeiten wird der Begründung, warum die bereits beschlossene Variante nicht umsetzbar sein soll, eher wenig Raum eingeräumt.

Die Stadt und der Verein hatten sich nach jahrelangen Gesprächen gemeinsam auf diese Variante verständigt. An ihrer Erarbeitung waren auch Architekten und Ingenieure beteiligt. Nun verweist die Stadt auf ein „hohes (Kosten-) Risiko hinsichtlich einer brandschutztechnischen Bewertung eines architektonischen Entwurfes“.

Lapidar soll das wohl heißen: Die Halle ist alt und wird nicht ohne Grund Kartoffelhalle genannt. Nach den Erfahrungen mit der Stadion-Westtribüne ist zudem extra Vorsicht geboten.

Die Verwaltung begründet das Risiko offiziell mit „im Vorfeld der Sanierung angestellten Untersuchungen zur Baustatik der kleinen Eishalle sowie einer Sorgfaltsüberprüfung Brandschutz“. Von diesen Untersuchungen hat aber zumindest der Verein nichts mitbekommen und ist auch nicht darüber informiert worden. Was konkret die Untersuchungen ergeben haben, wird nicht mitgeteilt.

Neues Finanzrisiko bei der Bädersanierung

Das zweite Argument der Verwaltung sind die gestiegenen Kosten. Im Haushalt mit 6,9 Millionen Euro eingeplant, sollen Sanierung und Erweiterung nun 8,923 Millionen Euro betragen.

Doch da auch keine Vorplanung vorliegt, scheint diese Summe etwas aus der Luft gegriffen. Laut der Verwaltung ergibt sie sich durch die „jährliche Anpassung“ der ursprünglichen Kosten. Das würde bedeuten, dass die im Haushalt eingestellte Summe entweder zu niedrig angesetzt war oder dass sich die Kosten in einem halben Jahr um ein Drittel erhöht haben.

„Das Kostenvolumen hat auch damit zu tun, dass die Verwaltung jahrelang nichts in der Halle gemacht hat“, sagt Vereinspräsident Meinhardt. Vieles hätte schon längst erledigt sein müssen. Der Verein zahle seine Miete und führe zudem 15 Prozent der Werbeeinnahmen ab.

Schließlich verwies der Sport- und Finanzdezernent Steffen Linnert (SPD) noch auf den Fördermittelvorbehalt: Es sei bekannt, dass die Maßnahme nur umgesetzt werde, wenn Fördermittel fließen, hatte er betont.

Aber auch dieses Argument zweifelt der Verein an. Er beruft sich dabei nicht nur auf die eindeutige Zusage des Oberbürgermeisters. Dass keine Fördermittel genehmigt wurden, sei auch vom Stadtrat mitverschuldet, meint Meinhardt. Dieser habe es versäumt, Schwerpunkte zu setzen, und zu viele Maßnahmen für die Förderung angemeldet.

Zudem habe der Verein immer wieder Fördertöpfe vorgeschlagen, die für Einzelmaßnahmen wie eine LED-Beleuchtung angezapft werden könnten. Die Vorschläge seien aber nicht angenommen worden.

Für die nun vom Bund geförderte Sanierung von Dreienbrunnenbad und Freibad Möbisburg fehlen der Stadt Eigenmittel. Knapp 1,5 Millionen Euro der Mehrkosten sollen aus dem Budget der Eishockeyhalle zur Verfügung gestellt werden.

Zugleich tut sich bei den Bädern ein weiteres Finanzrisiko auf: Weil die Bäder GmbH und nicht die Stadt baut, könnte bei der Weiterreichung der Fördermittel eine Umsatzsteuer fällig werden. Die Entscheidungen dazu würden im Bund gefällt, heißt es von der Verwaltung.

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