Elisabeth Pähtz: "Schach rentiert sich einfach nicht"

Elisabeth Pähtz ist die beste deutsche Schachspielerin. Mit der 25-jährigen Erfurterin sprach unsere Zeitung über die bisherige Saison, ihre Ziele bei der am Donnerstag beginnenden Weltmeisterschaft in der Türkei und die Entwicklung des Schachs in Deutschland.

Elisabeth Pähtz muss bei der Schach-Weltmeisterschaft, die im K.o.-System ausgetragen wird,  von Spiel zu Spiel denken. Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Die Schach-Olympiade im Oktober verlief enttäuschend. Die Männer traten wegen Honorarstreitigkeiten mit einer B-Mannschaft an, die Frauen blieben hinter den Erwartungen zurück. Geht es mit dem Schach in Deutschland bergab?

Die Mitgliederzahlen sinken und damit auch die Einnahmen. Der Schachverband kürzt die Förderung für das Spitzenschach und konzentriert sich mehr auf den Breitensport. Ich halte das für keine gute Entwicklung.

Was tun?

Es ist schwierig, weil sich Schach schwer vermarkten lässt. Den Fernsehzuschauern fehlt das Interesse, dem Verband das Geld...

... also muss ein Mäzen wie der russische Multimilliardär und Chelsea London-Besitzer Abramowitsch her?

Ich glaube, das würde nicht funktionieren. Diese Leute wollen ja in den Medien präsent sein und ihre Investition gewürdigt sehen. Schach rentiert sich einfach nicht. Hier kann nur die Weltspitze wirklich Geld verdienen.

Neidisch?

Nicht wirklich. Ich finde nur ungerecht, dass beispielsweise Golfer zu den reichsten Sportlern zählen. Golf finde ich furchtbar langweilig. Da schalte ich sofort ab.

Sie mögen wohl das Abenteuer? Zur Frauen-WM 2008 flogen Sie trotz Reisewarnung nach Naltschik in den Nordkaukasus.

Ich habe den Veranstaltern vertraut, dass sie alles tun, um die Sicherheit zu gewährleisten. Als sonderlich mutig würde ich mich aber nicht bezeichnen. Manchmal eher etwas hysterisch – aber nur wenn ich hungrig oder müde werde.

Was tun Sie persönlich zur Förderung des Schachs?

Ich unterstütze meinen Vater (Großmeister Thomas Pähtz, d. R.) einmal im Jahr bei einem Kinderlehrgang in der Schachschule Kerspleben. Außerdem beteilige ich mich in meinem derzeitigen Wohnort Berlin zweimal wöchentlich an Schach-Arbeitsgemeinschaften an Schulen mit hohem Migrantenanteil.

Ihr Ziel waren die Top-10 der Frauen - gegenwärtig liegen Sie auf Rang 27. Ist der Zenit schon erreicht?

Nein, das glaube ich nicht. Im letzten halben Jahr habe ich wegen meiner Ausbildung zur Fremdsprachen-Korrespondentin kaum Turniere gespielt. Falls ich aber die Top-10-Platzierungen wirklich nicht mehr schaffen sollte, würde das Leben für mich trotzdem weitergehen. Ich sehe Schach jetzt längst nicht mehr so verbissen.

Was haben Sie sich für die WM vorgenommen?

In der ersten Runde treffe ich auf Jolanta Zawadzka aus Polen. Meine Siegchancen liegen bei 60 Prozent.

Wie haben Sie sich auf das Match vorbereitet?

Am vergangenen Wochenende bin ich mit meinem Vater einige Angriffsvarianten durchgegangen. Außerdem habe ich mir Zawadzkas letzte Spiele nochmal genau angesehen.

Im Falle eines Sieges...

... treffe ich vermutlich auf Viktorija Cmilyte aus Lettland. Ein harter Brocken, aber sie ist nicht unschlagbar.

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