Erfurt bekommt bis zur Buga kein Baumhotel

Erfurt  Wo sich früher die Freilichtbühne auf der Ega befand, soll ein Baumhotel entstehen. Das Projekt scheitert aber vorerst am Bebauungsplan. Aber im Luisenpark wird gebaut: eine Mokka-Milch-Eisbar.

Uwe Kintscher, Architektin Sabine Hauschild und Projektmanager Holger Rost im Dendrologischen Garten

Uwe Kintscher, Architektin Sabine Hauschild und Projektmanager Holger Rost im Dendrologischen Garten

Foto: Marco Schmidt

Ein ungewöhnliches Hotel sollte es werden, das Baumhotel auf der Ega, dort, wo sich früher die Freilichtbühne befand. Die Lebenshilfe Service GmbH wollte das Projekt bis zur Bundesgartenschau (Buga) für rund sechs Millionen Euro als besondere Attraktion bauen. Daraus wird nun nichts. Zumindest muss die Buga ohne diesen Gästemagneten auskommen. Denn jetzt ist ein Bebauungsplan notwendig, und so ein Vorgang braucht in Erfurt erfahrungsgemäß viel Zeit. Sehr viel Zeit. Mitunter bis zu fünf Jahre.

Ein B-Plan kann in Erfurt lange dauern. Sehr lange.

Ein B-Plan regelt, wo gebaut werden darf. Das war geklärt. Schon vor Jahresfrist hatte Lebenshilfe-Chef Uwe Kintscher das Projekt stolz gemeinsam mit Ega-Chefin Kathrin Weiß vorgestellt (wir berichteten). Der B-Plan klärt die Art und Weise der Bebauung. Auch das ist damals deutlich erörtert worden. Auch kann man am B-Plan erkennen, ob sich ein Grundstück in einem reinen Wohngebiet oder in einem Gewerbegebiet befindet. Und da wird es undeutlich. Was ist die Ega nun eigentlich?, fragt der Lebenshilfe-Chef.

Noch bis vor vier Monaten sei alles in Ordnung gewesen. Man befand sich in der Vorphase der Planung mit den Ämtern. „Dem Projekt sollte aus unserer Sicht nichts im Wege stehen“, war Kintscher sicher. Und man sei sich bei der Lebenshilfe darüber im Klaren gewesen, dass es sich um einen sensiblen Bereich handle. Daher habe man schon im Januar dieses Jahres zu einer Einwohnerversammlung eingeladen. 20 bis 25 Gäste seien der auch gefolgt und hätten ihre Bedenken und Ängste vorgetragen. Die da lauten: Lärm und Natureinschnitte. Eine ablehnende Rigorosität habe er nicht feststellen könne. Es habe Ablehnung und Zustimmung gleichermaßen gegeben. Man halte die Anwohner auf dem Laufenden.

Lebenshilfe will sechs Millionen Euro in Projekt investieren

Vorsichtshalber, da man ja weiß, welche Tierchen einem in Erfurt so alles beim Bauen begegnen könnten, hat Kintscher auch diverse Gutachten einholen lassen: Fledermäuse, Käfer, Hamster. Alle bescheinigten dem Projekt Unbedenklichkeit. Da war noch keine Rede von einem B-Plan. Dann kamen mehrere Gespräche mit dem Bauamt. „Und da wurde deutlich, das wird nix bis zur Buga“, sagt Kintscher. Und schiebt nach, sich auf einen Beitrag dieser Zeitung beziehend: „Die Zahl der Siebe war uns nicht klar.“ Gemeint ist die Vielzahl der Gesetze, Verordnungen und Vorschriften, die wie Siebe übereinander liegen, in die man ein Projekt gibt und wo am Ende unten die Baugenehmigung herauskommen soll.

Kintscher bekräftigt aber, die Lebenshilfe wolle und werde diese sechs Millionen Euro in das Projekt investieren. „Aber erst, wenn wir rechtlich auf der sicheren Seite sind.“ Man habe keine Lust, Millionen in den Sand zu setzen und eine Investruine bauen zu lassen, weil plötzlich irgendwer ein Haar in der Suppe suche und auch finde. Eben den fehlenden B-Plan. Warum aber im Erfurter Bauamt nicht schon vor einem Jahr, als das Projekt öffentlichkeitswirksam vorgestellt wurde, aufgefallen ist, das ein B-Plan nötig wird, auf diese Frage hat der Lebenshilfe-Chef keine erschöpfende Antwort. Der Baustart erfolge nach jetzigen Planungen nun erst 2023.

Mokka-Milch-Eisbar im Luisenpark

Kintscher ist aber kein Typ, der der Vergangenheit hinterher jammert. Er beschäftigt sich lieber mit Gegenwart und Zukunft. Und da kommt einiges auf die Lebenshilfe zu. Zum Beispiel wird das neue Gästehaus auf dem Ega-Gelände fertig. Zur Zeit läuft der Innenausbau. Im März 2020 soll das Haus eröffnet werden. Und noch einen Trumpf spielt Kintscher aus: eine Mokka-Milch-Eisbar. Da klingelt es beim Ossi sofort. Gab mal einen naiv-netten Schlager von Gerd Natschinski, der so hieß. Diese Mokka-Milch-Eisbar will die Lebenshilfe im Dendrologischen Garten auferstehen lassen. Das ist jenes Areal im Luisenpark am ehemaligen Ega-Südeingang. Die Pläne sind nicht neu. Die gab es in den 60er-Jahren schon mal. Nun will man sie erneut beleben. 2020 geht‘s los. Hoffentlich. Gaststube (20 bis 25 Plätze), Außenbewirtschaftung (50 bis 70), öffentliche Toiletten. „Das belebt die Gegend. Und das Bauprojekt ist garantiert B-Plan-frei“, sagt Kintscher und lacht. Die Ämter gingen jedenfalls von „erheblichem Optimismus“ aus.

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