Unfreundlichkeit am Bratwurstrost – Erfurt-Besucherin ist der Appetit vergangen

Erfurt  Was eine Touristin mit Freunden am Bratwurstrost im Biergarten am Dom in Erfurt erlebte, macht sie fassungslos.

Im Biergarten am Dom geht es zuweilen wenig kundenfreundlich zu.

Im Biergarten am Dom geht es zuweilen wenig kundenfreundlich zu.

Foto: Michael Keller

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Es liest sich mal eben wie das Drehbuch zu einem schlechten Film, was Kerstin Schnabel-Macloud am Anfang dieser Woche in Erfurt widerfahren ist. Die 61-Jährige aus Treuen im Vogtland hatte mit einem befreundeten Ehepaar (76 und 78 Jahre alt) aus Bayern ihre neue Liebe – Erfurt – besucht. Und wie das so ist, wenn man in Thüringen auf der Suche nach Gaumenfreuden ist, kommt man an einer Rostbratwurst nicht vorbei. Und wenn man auf dem Domplatz vor den Domstufen steht, lockt rechter Hand ein Schild mit Thüringer Rostbratwurst aus Aschara. Also nichts wie rein ins Vergnügen.

Ein Vergnügen wurde es dann für Frau Schnabel-Macloud und ihre Gäste aber nicht. Eher ein Albtraum. Wie aus ihrer Schilderung hervorgeht, wurde das Trio Zeuge eines unschönen verbalen Streits zwischen zwei Männern am Grill. Der deutlich Jüngere und der Ältere stritten lautstark. Und das vor den Gästen. „Macht man doch nicht“, sagt die Vogtländerin. Sie hatte die drei Rostbratwürste bereits bezahlt und wartete darauf, die Köstlichkeit vom Grill zu bekommen. Und sie bat angesichts des Vorfalls, bei dem man unfreiwillig Zeuge wurde, den Älteren der beiden doch um etwas mehr Freundlichkeit. Das habe der mit dem Verweigern der drei Bratwürste gekontert. Und habe das Tablett mit den drei darauf befindlichen Brötchen in einen Abfallbehälter mit einem blauen Sack geworfen.

Nun aber sei die ganze Situation aber noch getoppt worden, schreibt Frau Schnabel-Macloud. Der jüngere der beiden Brater habe kurz darauf in den Sack gegriffen, die Brötchen aus dem Abfall gefischt und dem nächsten Kunden verkauft. „Ich dachte, ich kann meinen Augen nicht trauen“, schreibt die Dame. Als sie den nächsten Kunden auf diesen ungeheuerlichen Vorgang hingewiesen habe, sei der Ältere, der sich als der Chef ausgegeben habe, noch aggressiver geworden und habe mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gedroht, wenn man nicht sofort gehen würde. „Es war unglaublich, was wir erleben mussten. Wir waren geschockt ob dieser Behandlung. Ich kann nur davon abraten, dort etwas zu essen oder zu trinken“, endet das Schreiben.

Nicht ein Wort der Entschuldigung

„Erfurt gehört zu meinen Lieblingsstädten“, sagt Kerstin Schnabel-Macloud. Sie sei nach 26 Jahren USA wieder nach Deutschland zurückgekehrt und erschließe sich das Land nun neu. In Erfurt sei sie schon mehrfach gewesen, aber noch nie so unfreundlich abgekanzelt worden. „Das passt überhaupt nicht zu dieser wunderschönen Stadt“, sagt sie. Der unschöne Vorfall werde sie aber nicht davon abhalten, wieder nach Erfurt zu kommen. Und eine Bratwurst zu essen. Denn die sei lecker. Aber ganz bestimmt nicht mehr im Biergarten am Dom.

Und was sagt der Brater, der Ältere, Name: Andy Quiet, der sich als Chef ausgegeben hat? Nichts. Das einzige, was dem geschätzten Endfünfziger breit grinsend zu entlocken ist, geht so: „Keine Auskunft. Sie müssen dann bitte weiter gehen.“ Kein Wort der Erklärung, keine Entschuldigung, nichts.

Frau Schnabel-Macloud hatte sich in ihrer Empörung an die Tourist-Information gewandt, um sich über den Bratwurst-Rüpel zu beschweren. Dort bekam sie die Auskunft, dass sie sich an Weihbischof Reinhard Hauke wenden solle, weil die Katholische Kirche das Areal des Biergartens am Dom besitze und es verpachte. Sie kontaktiert den Geistlichen. Der teilte ihr mit, es habe 20 Jahre lang keine Beschwerden gegeben und er werde mit Quiet reden. Was er auch tat. Denn es sei im Interesse der Kirche, dass es gut laufe. Gradestehen müsse aber der Pächter.

„Mir gegenüber hat er den Vorfall aus seiner Sicht dargestellt“, sagt der Weihbischof. Die Kundin habe nur die blauen Säcke gesehen. Davon gebe es aber zwei. Einen für Abfall, einen für die Brötchen, damit sie nicht austrocknen. Da habe sie wohl die falschen Schlüsse gezogen. Eine optische Täuschung sozusagen. Auf die Vorgeschichte, die Anschreierei mit dem Kollegen und die Drohung mit der Anzeige ist Quiet überhaupt nicht eingegangen. Eine Entschuldigung? Fehlanzeige.

Hauke meint, er hätte es der Dame durchaus in aller Ruhe erklären können und auch ein Wort der Entschuldigung für den Auftritt sei wünschenswert gewesen. „Aber er hatte wohl keine Lust dazu“, so der Weihbischof. Dann verrät er noch, dass die Hygiene dem Bratwurststand einen Besuch abgestattet und angewiesen habe, für Brötchen künftig einen andersfarbigen Sack zu verwenden, um Verwechslungen auszuschließen.

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