Erfurt „erobert“ ersten Platz bei Crystal-Meth-Spuren im Abwasser

Erfurt  In Erfurt wurden 2018 laut einer Studie pro Tag 211,3 Milligramm der synthetisch hergestellten Droge Crystal-Meth ins Abwasser ausgeschieden. Damit verdrängte die Thüringer Landeshauptstadt im europaweitem Vergleich nun sogar Chemnitz vom ersten Rang.

Crystal-Meth ist ein synthetisch hergestelltes Methamphetamin.

Foto: Matthias Hieckel/dpa

Erfurt hat im europäischen Vergleich nun einen traurigen Spitzenplatz beim Konsum der synthetischen Droge Crystal-Meth eingenommen. Nach der Auswertung der vom European Centre For Drugs And Drug Addiction durchgeführten Untersuchungen, hat die Thüringer Landeshauptstadt nun sogar den Vorjahresspitzenreiter, die Stadt Chemnitz, vom ersten Platz verdrängt.

Demnach wurden im Jahr 2018 in Erfurt pro Tag und pro 1000 Menschen 211,3 mg Crystal-Meth nach dem Konsum ins Abwasser ausgeschieden. Im Vergleich zu 2017 war die Menge mit 211,2 mg nahezu gleich hoch. Das Chemnitz nun überholt wurde, liegt aber hauptsächlich daran, dass in Chemnitz im Vergleich zu 2017 die ausgeschiedene Menge von 240,6 mg um 44,4 Milligramm auf 196,2 mg zurückging.

Einen Satz nach vorn (von Platz 5 auf Platz 3) machte eine andere sächsische Stadt. Trotz des Aufstieges im Ranking, wurden aber in Dresden im Jahr 2018 mit 174,6 mg insgesamt weniger Crystal ausgeschieden als noch in 2017 (180,2 mg).

Das europäische Top-10-Ranking der Crystal-Meth-Ausscheidungen 2018 (mg/1.000 Menschen/Tag)

  • 1. Erfurt: 211,3 (211,2 mg im Jahr 2017)
  • 2. Chemnitz: 196,2 (240,6)
  • 3. Dresden: 174,6 (180,2)
  • 4. Bratislava (Slowakei): 138,2 (149,2)
  • 5. Brno (Tschechische Republik): 114,7 (185,7)
  • 6. Budweis (Tschechische Republik): 111,2 (200,2)
  • 7. Piestany (Slowakei): 81,9 (78)
  • 8. Kaunas (Litauen): 56,5 (-)
  • 9. Barcelona (Spanien): 47,9 (-)
  • 10. Jyväskylä (Finnland): 46,1 (-)

Über die aktuelle Studie hatte der MDR zuerst berichtet.

Mess-Methode unverfälschter als Umfragen

Das Prinzip der Untersuchungen ist einfach. Es beruht darauf, dass jeder Mensch auf die Toilette muss. Und wer Drogen genommen hat, scheidet die Rückstände, die sich mit dem Abwasser in der Kanalisation sammeln, aus.

Chemiker, wie jene im Labor der TU in Dresden , können sie herausfiltern und die Konzentration bestimmen. Anhand der Einwohnerzahl und der Abwassermenge, welche die Kläranlage erreicht, errechnen die Wissenschaftler, wie viel Amphetamin, Kokain, Methamphetamin und Ecstasy in einer Stadt konsumiert wird. Für andere Stoffe, wie Cannabis, ist das sehr unsicher, weil nur ein geringer Teil wieder ausgeschieden wird.

Crystal Meth und seine Wirkungen

  • Bei Crystal Meth handelt es sich um ein Methamphetamin, das der Gruppe der Stimulanzien zugehörig ist. Verkauft wird es gewöhnlich als kristallines, weißes oder eingefärbtes Pulver.
  • Crystalnutzer geben der Substanz unterschiedliche Bezeichnungen: Crystal, Kristall C, Vitamin C, Hohes C, Crystal- Meth , Meph, Yaba, Pervitin, Pernik , Piko, Ice, Glass, Vint, Crank.
  • Der Wirkungseintritt ist unterschiedlich: beim Sniefen nach wenigen Minuten, beim Rauchen innerhalb weniger Sekunden, beim Spritzen unmittelbar nach der Injektion, beim Schlucken nach etwa 30 Minuten. Je nach Dosis wirkt Crystal 4 bis 12 Stunden, teilweise einen ganzen Tag.
  • Erwünschte Wirkungen: Erhöhung von Selbstbewusstsein, mehr gefühlte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, Wohlbefinden, gesteigertes sexuelles Verlangen, Euphorie, Unterdrückung von Hungergefühl, vermindertes Schlafbedürfnis, höhere Kommunikationsbereitschaft.
  • Die unerwünschten Wirkungen: Größenwahn, Gefährdung durch Risikobereitschaft, gestörtes Zeitempfinden, Nervosität, Angstzustände, Verfolgungswahn, Depressionen, Haarausfall, Kreislaufstörungen, Hautentzündungen, Schwächung des Immunsystems, beschleunigter Alterungsprozess, Potenzstörungen, Zahnausfall, verschiedene Organstörungen, Zwangsgedanken, aggressives Verhalten, Angstzustände, Schlafprobleme, hoher Suchtdruck.

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