Erfurt Ladenbesitzerin will sich gegen Ordnungsamt wehren

Weil sie ein Schaf vor ihrem Laden aufgestellt hat muss eine Ladenbesitzerin in Erfurt jetzt Strafe Zahlen.

Das Schaf ist unverkäuflich: Händlerin Barbara-Kristina Saitz will sich gegen ein Schreiben vom Bürgeramt wehren. Foto: Maik Ehrlich

Das Schaf ist unverkäuflich: Händlerin Barbara-Kristina Saitz will sich gegen ein Schreiben vom Bürgeramt wehren. Foto: Maik Ehrlich

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Erfurt. Barbara-Kristina Saitz ist eine freundliche Frau, an der sämtliche Unbill abzuprallen scheint. Als sie dieser Tage von der Bußgeldstelle des Bürgeramtes der Stadt Erfurt Post erhält, ist sie auch nicht verbittert, eher ernüchtert.

Die Töpfermeisterin Barbara-Kristina Saitz ist seit gut einem Vierteljahrhundert Händlerin in Erfurt. Neben dem Stamm-Geschäft in der Magdeburger Allee hat sie seit fünf Jahren eine Filiale in der Neuwerkstraße und soll ebenda folgende Ordnungswidrigkeit begangen haben: Sie habe "eine öffentliche Straße über den Gemeingebrauch hinaus benutzt ohne im Besitz einer dafür erforderlichen Sondernutzungserlaubnis" zu sein.

Das Amt setzt in dem Schreiben Barbara-Kristina Saitz über die angewendeten Vorschriften in Kenntnis und fügt an: "Konkret haben Sie am 12.09.2012 zwei Blumenkübel, ein Schaf und einen Kartenständer ohne Sondernutzungserlaubnis auf öffentlicher Fläche platziert."

Barbara-Kristina Saitz lächelt noch immer, doch das Thema ist ihr nicht neu. Ja, sie habe in den vergangenen Jahren immer eine Sondernutzungserlaubnis beantragt und bezahlt. Nur in diesem Jahr, der Zeit der starken Bauarbeiten im Zuge der Anger-Umgestaltung, habe sie es einfach vergessen. Rückblickend betrachtet sie die Sondernutzungserlaubnis auch nicht als nötig. "Durch die Bauarbeiten vor dem Laden in der Neuwerkstraße hätte ich sowieso nicht jeden Tag etwas vor den Laden stellen können."

Und an dem Tag, wo sie mal ein Fleckchen fand, kam das Bürgeramt vorbei. "Die Bezeichnung Waren trifft nur auf den Kartenständer zu. Die Blumenkübel und das Schaf verkaufe ich nicht", sagt die gebürtige Stralsunderin, die seit 46 Jahren in Erfurt lebt, zum Schreiben vom Bürgeramt.

Sie habe die Möglichkeit, sich zum Sachverhalt zu äußern, war gestern auf Anfrage der Zeitung aus dem Bürgeramt zu hören. Ebenso, dass Blumenkübel, Kartenständer und Schaf den ohnehin engen Platz für Fußgänger an diesem besagten Tag sehr eingeschränkt hätten.

Barbara-Kristina Saitz wird sich auch gegenüber dem Amt dazu äußern. Doch diesen Mehraufwand hätte sie sich gern erspart. Denn richtig Sorgen bereiten ihr die starken Umsatzeinbußen durch die städtischen Baumaßnahme. "Ich hätte mir gewünscht, dass in der Zeit, in der kaum ein Mensch in meinen Laden gekommen ist, die Stadt mich mal gefragt hätte, wie man helfen könne – und nicht, dass sie noch mit Paragrafen draufhaut."