Erfurt: Sport sorgt bei Lymphödem nicht für Figurkorrektur

Erfurt.  Lipodem ist nicht Adipositas. Beim Lymphödem verhelfen weder Diät noch Sport zur Figur-Korrektur.

Auch 2020 soll es einen wieder Venen- und Lymphtag der Selbsthilfe im Helios-Klinikum geben.

Auch 2020 soll es einen wieder Venen- und Lymphtag der Selbsthilfe im Helios-Klinikum geben.

Foto: Iris Pelny

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Wenn sich ein Dutzend Frauen kurz nach den üppigen Festtagen treffen, ist es nicht unüblich über Gewichtszunahme und eng gewordene Hosenbünde zu reden. Doch die langjährige und am Samstag wieder gewählte Landesvorsitzende der Lymphselbsthilfe Thüringen, Gerda Bredehorn, sagt deutlich: „Lipodem ist nicht Adipositas“. Auch helfen beim Lymphödem weder Diät noch intensiver Sport zur Figur-Korrektur.

Leiden unter massiver Stigmatisierung

Die Lymphselbsthilfe Thüringen e.V. vertritt Patienten mit einem wenig bekannten, aber weit verzweigten Krankheitsbild. „Das Lymphsystem ist neben dem Blutkreislauf das zweite Transportsystem“, heißt es in der Patienteninformation. Trotzdem ist die wissenschaftliche Aufarbeitung bisher ungenügend, gibt es kaum Fachärzte Lymphologie. Seit 20 Jahren gibt es jedoch die Selbsthilfe für Betroffene, denn diese leiden zudem unter massiver Stigmatisierung: Allgemein sind Betroffene einfach nur dick, markantes Beispiel sind Elefantitis-Beine.

Treff für die Lymphselbsthilfe Thüringen ist – wie für die monatlichen Veranstaltungen – unterm Dach des Senioren-Schutzbundes am Juri-Gagarin-Ring 56a. „Uns fehlt ein eigener Raum, auch für geschützte Beratungen“, sagt Gerda Bredehorn. Samstag kamen ein Dutzend Frauen zur thüringenweiten Gesamtmitgliederversammlung in Erfurt, vertraten die zurzeit 150 Landes-Mitglieder. Nordhausen und Sondershausen haben keine eigenen Gruppen mehr, aber nicht jeder könne bis Erfurt fahren, ins Zentrum ihre Selbsthilfebewegung, auch aus Krankheitsgründen.

Operationen und Chemotherapie gelten mit als Auslöser

Zunächst informierte Gerda Bredehorn über Neuregelungen für Physiotherapie/Lymphdrainage seitens der Krankenkassen. Therapeuten müssen nun eine Zertifizierung haben, es wird bürokratischer. Im Rechenschaftsbericht beeindruckt die „Reisetätigkeit“ zur Netzwerkpflege und zum Erfahrungsaustausch. Die Erfurter besuchten bundesweit Krebsveranstaltungen, stellten das von ihnen vertretene Krankheitsbild mit vor. Operationen und Chemotherapie gelten mit als Auslöser für die schmerzhaften Lympherkrankungen. Gespräche gab es mit Onkologen, Gesundheitspolitikern, Vertretern der Krankenkassen, besonders aktiv sei die AOK vor Ort.

Die Lymphselbsthilfe Thüringen selbst pflegt einen engen Kontakt zur Selbsthilfegruppe Frauen nach Krebs in Erfurt, dankte Gerda Bredehorn deren Leiterin Christa Seebold.

Zum Erfahrungsaustausch war Gerda Bredehorn unter anderem in Österreich, Schwerin, an der Uni Leipzig. Patientin Dagmar Wagner war beim Lymphologischen Kongress im Erfurter Stadion. Um Lobbyarbeit und Vorschläge zu Leistungsübernahmen der Krankenkassen ging es bei Gesprächen mit dem Patientenbeauftragten und im gemeinsamen Bundesausschuss für Selbstverwaltung im Ministerium von Jens Spahn. Zäh sei noch immer die Kommunikation mit den Haus-, aber auch Zahnärzten. Öffentlichkeitsarbeit leisten die Vereins-Ehrenamtlichen an den Ständen der Lymphselbsthilfe bei Gesundheitsmessen wie im TEC. Insgesamt konnten sie 4961 Euro Fördergelder einsetzen.

Entschlacken und entgiften

Im Kalender 2020 steht die nächste Gesundheitsmesse für März auf der Messe an. Fortgeführt werden die bewährten Wildkräuterwanderungen mit Nicole Schütz. Bärlauch hilft Entschlacken und Entgiften, ayurvedischen Gewürze stärken das Immunsystem. Ein zentrales Thema ist die Kompressionsversorgung durch Fachfirmen. Und bei geselligen Veranstaltungen geht es um den Zusammenhalt, die Gespräche mit Gleichgesinnten, nicht die Gewichtszunahme.

Kontakt: 0172/3 64 90 36

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