Erfurter „Buchbar“ erlebte bisher nur den Lockdown

Kathleen Kröger
| Lesedauer: 4 Minuten
Auf dem Bild von links nach rechts: Britta Werner, Ulrike Brandt, Sybille Oschmann und Olaf Nocke im Laden "buchbar" am Benediktsplatz.

Auf dem Bild von links nach rechts: Britta Werner, Ulrike Brandt, Sybille Oschmann und Olaf Nocke im Laden "buchbar" am Benediktsplatz.

Foto: Kathleen Kröger

Erfurt.  Die Buchhandlung am Benediksplatz hält aber optimistisch am Konzept eines reise-kulturellen Treffpunkts fest

Einzeln präsentierte Bücher, helles Holz aus See-Kiefer und ein internes Reisebüro – vor einem Jahr sorgte der frisch eröffnete Buchladen am Benediktsplatz mit seinem untypischen Konzept für Aufsehen unter Branchenkollegen und Buchfreunden. Kurze Zeit nach dem Start der „buchbar“ kam der erste Lockdown und bedrohte nicht nur den Buchhandel, sondern vor allem die Reisesparte, die das hervorgehobene Alleinstellungsmerkmal des Ladens bildet.

Ladenmitarbeiter blicken positiv in die Zukunft

Nach der Zeit großer Ungewissheiten blicken die Inhaber dennoch zuversichtlich in die Zukunft: „Am Glücklichsten sind wir darüber, wie deutlich wir spüren, dass die Erfurter uns ins Herz geschlossen haben. Wir haben treue Kunden und fühlen, dass wir hier wirklich angekommen sind“, wie Olaf Nocke sagt. Der Mitinhaber ist sich sicher, das Niveau und die Kundschaft halten zu können: „Ich habe das Gefühl, dass wir bei vielen Menschen einen festen Platz haben, den wir auch behalten, wenn wir durchhalten“.

Trotz der Widrigkeiten hat sich gute Routine

Die Betonung der Beharrlichkeit kommt nicht von ungefähr. So ist seit Frühjahr 2020 ans Verreisen kaum zu denken. Das integrierte Reisebüro ist zwar aktiv da, jedoch muss der Verkauf von Fahrten oder Flügen auf bessere Zeiten warten. Dennoch steht Nocke, der elf Jahre lang ein Reisebüro leitete, für Nachfragen bereit, die es trotz der pandemiebedingten Unwägbarkeiten immer wieder gebe. Auch Co-Inhaberin Ulrike Brandt denkt eher an die guten Entwicklungen: „Trotz der Widrigkeiten durch Corona hat sich eine gute Routine etabliert. Gerade am Anfang gab es ja auch Unsicherheiten, da wir alle aus anderen Berufen kommen und keine ausgebildeten Buchhändler sind. Und am bemerkenswertesten ist, dass die Einsatzbereitschaft in unserem Vier-Leute-Team über die ganze Zeit geblieben ist“, so Ulrike Brandt.

Zweit-Jobs rettenden Fortbestand des Buchladens

Ohne die festen Jobs in den anderen Branchen wäre es allerdings nicht gegangen, wie die beiden Geschäftsführer sagen. So kam es vor allem in den Phasen des harten Lockdowns und der erzwungenen Verkaufspause auf die Nebentätigkeiten an. So sorgten Olaf Nockes Webseitenfirma und Ulrike Brandts Arbeit als Kinderkrankenschwester nebenbei – aber doch elementar – für das Überleben des „buchbar“-Projekts.

Zu Reisebüchern gesellt sich feministische Literatur

„Vor allem in der Zeit des Abhol-Verkaufs waren die Leute sehr dankbar, dass wir zwei Tage die Woche die Bestellungen herausgegeben und bei den Literaturwünschen beraten haben“, findet auch Sybille Oschmann, die ebenfalls im Laden verkauft. Die sogenannten „Non-Book“-Waren wie die Produkte der Designerin Britta Werner oder Keramik aus Skandinavien haben sich laut Sybille Oschmann konstant gehalten.

Lediglich im Buchsortiment lassen sich leichte Veränderungen wahrnehmen: „Wir sind ja als Reisebuchladen gestartet und haben auch immer noch den Schwerpunkt auf Literatur, die sich auf verschiedenen Weise mit diesem Themenbereich auseinandersetzt. Was aber hinzugekommen ist, sind Bücher mit feministischen Themen. Vielleicht, weil wir viele junge und weibliche Kunden haben, die ihre Lektürewünsche zu uns tragen. Aber das Schöne ist, dass uns auch viele ältere Leute sagen, dass sie moderne Konzept gut finden.“

Kaffee und Kulturveranstaltungen müssen noch warten

Das Ziel, auch ein Ort zum Kaffeetrinken zu sein, konnte zumindest in den Sommerwochen des vergangenen Jahres verwirklicht werden und wurde laut den Mitarbeitern gut angenommen. Was noch warten muss, ist das geplante Vorhaben, städtischen Kulturakteuren mit dem Buchladen einen Veranstaltungsraum zu bieten. Als nächstes würde sich das Team freuen, wenn als erster Schritt zurück in die Normalität die vom Laden organisierten Stadtführungen zum Buch „Erfurt die Verwandlung“ wieder weitergehen könnten. „Die Führungen sollen wieder wöchentlich stattfinden, sobald es möglich ist“, hofft Ulrike Brandt.