Erfurter dürfen moderne Helden nominieren

Erfurt.  Wer verteidigt seine Überzeugung so wie einst Martin Luther in Worms? Nur die Einwohner der 16 Lutherstädte sind zu Vorschlägen berechtigt.

Dezernent Tobias J. Knoblich hofft auf zahlreiche Vorschläge für den „Lutherpreis“.

Dezernent Tobias J. Knoblich hofft auf zahlreiche Vorschläge für den „Lutherpreis“.

Foto: Marco Schmidt

„Hier stehe ich und kann nicht anders.“ Manche Wissenschaftler bezweifeln, dass Martin Luther 1521 auf dem Reichstag in Worms tatsächlich diese Worte gesagt hat. Aber in einem Punkt sind sich alle Forscher einig: Er hat es so gemeint.

500 Jahre später soll am 24. April 2021 in Worms ein Mensch geehrt werden, der im Geiste des Reformators zu seiner Überzeugung steht, eine Person, „die wie Martin Luther fest und unbeirrt für eine bestimmte Meinung eintritt und dabei in Kauf nimmt, an Grenzen zu stoßen und Unbillen zu ertragen.“ Diese Worte stammen von Erfurts Kulturdezernenten Tobias Knoblich (parteilos). Denn Erfurt hat ein Wörtchen mitzureden bei der Entscheidung, wer diese Person sein wird.

Die Rede ist nämlich vom Preis der Lutherstädte „Das unerschrockene Wort“, der alle zwei Jahre vergeben wird. Nur Einwohner der 16 Städte dürfen jeweils einen Menschen nominieren.

„Die Erfurter sind privilegiert“, sagt Tobias Knoblich.

Nominierte dürfen aus der ganzen Welt stammen und müssen nicht berühmt sein. Doch die Geschichte hinter dem Vorschlag sollte laut Knoblich so sein, „dass man daraus lernen kann“. Individuelle Größe und eine humanitäre Dimension seien weitere Eigenschaften, die auch schon die bisherigen 12 Preisträger auszeichneten. „Sie haben sich eines wichtigen Themas angenommen, haben viel auf sich genommen und sind in ihrer Aufgabe so aufgegangen, dass sie zu heldenhafter Statur aufgewachsen sind“, schildert Knoblich, der mit in der Jury sitzen wird.

2019 war die Preisträgern zum Beispiel die Rechtsanwältin, Autorin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş. Die Berlinerin mit türkisch-kurdischen Wurzeln kämpft für die Rechte muslimischer Frauen, für einen liberalen Islam und gegen politisch-religiösen Extremismus in Deutschland und Europa.

2005 erhielt der aus Thüringen stammende Liedermacher und Bürgerrechtler Stephan Krawczyk den Preis, der mit 10.000 Euro dotiert ist.

Der religiöse Aspekt wie bei Luther ist keine Bedingung. Knoblich sieht die „Geschichte als Folie, über die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft und über die moralische Verpflichtung nachzudenken“.

Der Hauptausschuss soll im Herbst aus den Vorschlägen über die Erfurter Nominierung entscheiden. Jeder Erfurter kann seinen Vorschlag mit Begründung bis Ende August per Post an das Kulturdezernat schicken.

Kontakt: Dezernat Kultur und Stadtentwicklung; 99111 Erfurt) oder per Mail: dezernat06@erfurt.de