Erfurter Kita-Planspiel mit vielen Unbekannten

Erfurt.  Die CDU in Erfurt kritisiert die Stadt: „Verantwortung einfach durchgereicht“. Es gibt Unklarheit bei möglichen Neu-Corona-Fällen in den Kindereinrichtungen.

Noch warten die Gummistiefel in den Kindergärten auf ihren Einsatz in der Matschecke oder im Sandkasten.

Noch warten die Gummistiefel in den Kindergärten auf ihren Einsatz in der Matschecke oder im Sandkasten.

Foto: Alexander Volkmann

Es ist ein Planspiel mit vielen Unbekannten, das dieser Tage die Leitungen von Kindertagesstätten vor sich liegen haben. Ziel: Allen Kindern soll ab Montag bis Mitte Juni nach und nach wieder eine Betreuung angeboten werden. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Das ist die Ausgangsposition. Die Liste der Unbekannten aber ist lang: Wie viele Tage kann jedes Kind betreut werden? Vormittags, nachmittags, über wie viele Stunden oder nur alle zwei Wochen? Das alles ließen die Vorgaben von Land und Stadt offen.

CDU-Stadträtin Fischer: Verantwortung wird nach unten gereicht

„Man reicht die Verantwortung also immer weiter runter und nach drei Tagen fällt der Stadt ein, dass sie lieber nichts machen wollen. Sollen Kindergärten jetzt über das Wochenende hinweg plötzlich umfängliche Konzepte entwickeln? Das ist utopisch.“, kritisiert Stadträtin Lilli Fischer (CDU) nach der Ankündigung von Sozialdezernentin Anke Hofmann-Domke (Linke) vor vier Tagen, dass sich die Einrichtungen selbstständig um die Umsetzung der Wiederaufnahme des Betriebes kümmern sollen.

Dezernentin: Vielzahl der Konzepte ermöglicht keine Baupause

Darauf angesprochen wirbt die Dezernentin um Verständnis: „Jede Einrichtung in Erfurt ist räumlich anders aufgestellt, jede arbeitet nach einem genehmigten pädagogischen Konzept auf der Grundlage einer Betriebserlaubnis. Diese gilt immer nur für die jeweilige Einrichtung. Es gibt keine Blaupause.“

Allein lasse man die Kindertagesstätten aber nicht, so Dezernentin Hofmann-Domke. Über die Fachberatung des Jugendamtes würden die Einrichtungen seit vielen Wochen sowohl während der Notbetreuung als auch jetzt beim Übergang zum eingeschränkten Regelbetrieb fachlich begleitet. Das habe nochmals deutlich zugenommen, seitdem die Landesverordnung und die Hygienebedingungen in der vergangenen Woche veröffentlicht wurden, schreibt die Linken-Politikerin auf Nachfrage unserer Zeitung. Das Bildungsministerium habe nun auch festgelegt, dass im eingeschränkten Regelbetrieb zwar keine Gruppengröße mehr definiert ist, aber, dass für jede Gruppe jeweils ein separater Gruppenraum zur Verfügung stehen muss.

Leitungen der Kindereinrichtungen in der Pflicht

Am Ende bestätigt sie aber doch, dass die Leitungen der Kitas die Last tragen, alles zu organisieren. „Für die Schutz- und Hygienekonzepte sind jene verantwortlich, die auch die rechtliche Verantwortung tragen. Diese Verantwortung wurde mit der Landesverordnung weder auf die freien Träger der Einrichtung noch die Träger der Jugendhilfe (Jugendamt) übertragen“, so Anke Hofmann-Domke. So seien die Einrichtungsleitungen rechtlich zuständig und würden fachlich durch das Jugendamt und das Gesundheitsamt unterstützt. Was nicht angesprochen wird, aber den Leiterinnen und Leitern der Kitas wohl das meiste Kopfzerbrechen bereiten wird, ist die Frage, wie man den Eltern gegenübertritt. Was sagt man jenen, deren Urlaub in den vergangenen Wochen bereits aufgebraucht wurde? Etwa, wenn die Notbetreuung durch den eingeschränkten Regelbetrieb endet, aber letzterer nur einen halben Tag abdeckt? Oder nur jede zweite Woche?

Was wird bei Covid19-Fällen in den Kindergärten?

„Stadt und Land fehlt der Plan und mit dieser Planlosigkeit lässt man nun die Kindergärten allein. Damit macht man die Kleinsten unserer Gesellschaft zum größten Verlierer der Krise. Traurig“, legt Lilli Fischer mit ihrer Kritik noch nach und verweist nicht überraschend auf das CDU-geführte Sachsen, was aus ihrer Sicht einiges besser mache.

Eine Frage kam seit der Ankündigung voriger Woche aber noch gar nicht vor: Was passiert, wenn ein Kind, Eltern oder Erzieher mit Corona infiziert sind? Das lässt die Stadt offenbar auf sich zukommen und will dann reagieren. „Umgehend muss mit dem Gesundheitsamt eine Gefährdungsanalyse, Quarantäne und Isolierung der Kontaktpersonen abgesprochen und konsequent umgesetzt werden. Im schlimmsten Fall muss die komplette Einrichtung geschlossen werden.“ Und was dann? Darauf erhielten wir keine Antwort.

Thüringer Kindergärten dürfen öffnen: Nicht alle Kommunen machen mit

So ändert sich Betreuung in Erfurter Kitas