Erfurter Krankenhäuser verbieten Patientenbesuche

Erfurt.  Am Mittwoch wurden in Erfurt 72 Neuinfektionen gemeldet. KKH und Helios sind auf den Anstieg von Patienten vorbereitet.

Die Erfurter Corona-Lage aus medizinischer Sicht erläuterten Michael Sakriß, Winnie Melzer, Jörg Pertschy und Thomas Steiner (von links).

Die Erfurter Corona-Lage aus medizinischer Sicht erläuterten Michael Sakriß, Winnie Melzer, Jörg Pertschy und Thomas Steiner (von links).

Foto: Marco Schmidt

Die Erfurter Corona-Kurve steigt weiter an. In den 24 Stunden bis Mittwochmorgen meldete das Gesundheitsamt 72 weitere positive Tests. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 85,5 Fälle pro Woche und 100.000 Einwohner. Die beiden Erfurter Krankenhäuser lassen ab Donnerstag keine Patientenbesuche mehr zu. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Unter den Neuinfizierten sind auch wieder Bewohner und Mitarbeiter des Deutschordens-Seniorenhauses. Laut der amtierenden Amtsärztin Winnie Melzer ist dort inzwischen eine dritte Wohngruppe betroffen.

Seit dem Ausbruch wurden 67 Bewohner und 13 Mitarbeiter positiv auf Corona getestet. 13 Bewohner werden im Krankenhaus behandelt. Die Tests sind abgeschlossen, aber einige Ergebnisse stehen noch aus.

Alle Bewohner des Seniorenheims müssen sich in ihren Wohnbereichen aufhalten und sollen das Haus nicht verlassen. Seit Freitag gilt zudem ein Besuchsverbot.

Zwei Erfurter Kindergärten verzeichnen Corona-Fälle

Nach Vieselbach ist mit der Kita „Marienkäfer“ vom Ringelberg auch ein zweiter Kindergarten betroffen. In beiden Einrichtungen befinden sich die positiv getesteten Mitarbeiter in Quarantäne und sind die betroffenen Gruppen geschlossen, bestätigt Winnie Melzer.

Die anderen neuen Fälle seien zum Teil Reiserückkehrer ohne bestimmte Schwerpunktregion sowie Kontaktpersonen bereits Infizierter. Corona-Fälle, deren Ursprung nicht bekannt ist, nähmen aber zu, sagt der Hausarzt Michael Sakriß von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die sich an der Abstrichstelle im Haus der sozialen Dienste beteiligt. Die Abstrichstelle werde fortan täglich, auch am Wochenende, geöffnet sein.

Patienten mit leichten Krankheitsverläufen, auch in Altenheimen, würden von den Hausärzten behandelt. Ziel sei es, möglichst wenige Patienten ins Krankenhaus einzuweisen. Es gebe aber auch Patienten, die nicht eingewiesen werden möchten. „Uns Ärzten stellen sich zunehmend ethische Fragen“, meint Sakriß.

KKH und Helios behandeln so viele Covid-Patienten wie noch nie

18 Erfurter und damit einer mehr als am Dienstag wurden am Mittwoch in Krankenhäusern betreut. Da das Einzugsgebiet der Erfurter Kliniken über die Stadtgrenzen hinausreicht, werden aktuell 37 Covid-Patienten in Erfurt stationär behandelt – acht im Katholischen Krankenhaus (KKH) und 29 im Helios Klinikum. Fünf Personen bedürfen einer Intensivbehandlung.

„Wir haben so viele Covid-Patienten wie noch nie“, sagt Jörg Pertschy, Ärztlicher Direktor des KKH. Doch seien beide Krankenhäuser nach den Erfahrungen aus dem Frühjahr gut auf die Situation vorbereitet, betont Thomas Steiner, der Ärztliche Direktor des Helios.

„Wir stehen vor der Herausforderung, die steigende Zahl der Covid-Patienten mit ihrem erhöhten Hygienebedarf zu versorgen und zugleich den Normalbetrieb in möglichst uneingeschränktem Maße aufrecht zu erhalten“, sagt Steiner. Dieser Herausforderung würden die Krankenhäuser aktuell gerecht.

Alle geplanten Behandlungen werden durchgeführt

„Weder Vorgaben von Behörden noch interne Festlegungen sehen vor, auf irgendetwas zu verzichten“, bestätigt Jörg Pertschy. „Alle aktuellen geplanten, regulären Behandlungen können nach jetzigem Stand auch so erbracht werden“, sagt Thomas Steiner.

Dank eines Stufenprogramms können die Krankenhäuser flexibel auf weiter steigende Einweisungen reagieren. Innerhalb von Stunden könne die nächste Infektionsstation eingerichtet werden, heißt es.

Krankenbesuche sind allerdings nicht mehr erlaubt. „Die Gefahr steigt, dass Infektionen ins Krankenhaus gebracht werden“, begründet Thomas Steiner. Durch das Verbot, für das nur wenige Ausnahmen gelten, soll diese Gefahr auf ein Minimum reduziert werden. Die Ausnahmen betreffen laut Jörg Pertschy „besondere medizinische und ethische Situationen“ und müssen vom behandelnden Arzt genehmigt werden.

Bausewein: Schulen und Kitas so lange wie möglich am Netz halten

„Wir hoffen, dass die Bevölkerung Einsicht zeigt und die Maßnahme für einen bestimmten Zeitraum mitträgt“, meint Michael Sakriß von der KV. „Niemandem ist geholfen, wenn ein Krankenhaus nicht arbeitsfähig ist."

Laut Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) werde die seit Dienstag geltende Allgemeinverfügung wohl noch einmal nachjustiert. Das sei auch abhängig davon, welche Vorgaben Bund und Land machten. Schulen und Kitas sollten aber so lange wie möglich am Netz gehalten werden.