Erfurter Krankenhaus darf Notdienst nicht öffnen

Erfurt  Das KKH wollte im Oktober starten, doch die KV Thüringen macht Rückzieher wegen Berliner Pläne.

Das Katholisches Krankenhaus ist Anlaufstelle im Erfurter Südosten.

Das Katholisches Krankenhaus ist Anlaufstelle im Erfurter Südosten.

Foto: Marco Schmidt

Beinahe hätte es geklappt: Ab 1. Oktober sollte am Katholischen Krankenhaus in Erfurt ein kassenärztlicher Bereitschaftsdienst wie am Helios-Klinikum installiert werden. Hier könnten Kranke an den Abenden, Wochenenden und Feiertagen medizinische Hilfe bekommen, auch wenn sie keine Notfälle sind. Die Tinte unter dem Vertrag zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung, den Krankenkassen und dem Katholischen Krankenhaus ist längst getrocknet.

Doch gestern kam das Stopp von der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringens. „Wir müssen vorsorglich von unserem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch machen“, bestätigt Pressesprecher Veit Malolepsy. Gesundheitsminister Jens Spahn habe von Veränderungen in der Notfallversorgung gesprochen und man müsse nun abwarten, was damit gemeint sei. „Grundsätzlich halten wir aber an der Idee von der zweiten Bereitschaftspraxis fest und sind uns da mit dem Katholischen Krankenhaus einig“, versichert Malolepsy.

Was aus Berlin sich so trocken anhört, ist ein Verlust für die Erfurt. Denn ab 1. Oktober hätten Kranke in Erfurt wählen können, ob sie außerhalb üblicher Sprechzeiten und an Wochenenden sowie Feiertagen ins Helios-Klinikum im Norden oder aber ins Katholische Krankenhaus gehen, um sich helfen zu lassen. Bislang war und ist nur der Standort am Helios-Klinikum dafür zuständig.

Auch dort ist man sehr einverstanden mit der ursprünglich geplanten zweiten Bereitschaftspraxis. „Wir begrüßen alle Maßnahmen, die zu einer Verbesserung der Gesundheitsversor-gung beitragen“, heißt es von dort. Denn inzwischen ist es kein Geheimnis mehr, dass längst nicht nur Notfallpatienten in die Notaufnahme kommen.

Das gilt auch für die Notfallzentrale im Katholischen Krankenhaus. Dorthin kommen durchschnittlich 6000 Kranke pro Jahr, die nicht zu den Notfällen gerechnet werden, bestätigt die Kassenärztliche Vereinigung. Insgesamt werden in Erfurt rund 19.000 Patientinnen und Patienten medizinisch während der Bereitschaftszeiten versorgt. Das sind nahezu viermal mehr Kranke als durchschnittlich im Land Thüringen. Der bundesweite Streit um die beste medizinische Versorgung geht damit zu Lasten der Erfurter. Zwar werden sie nun nicht schlechter als bisher gestellt, doch der Plan einer zweiten Bereitschaftsdienstpraxis ist derzeit nicht umsetzbar.

„Damit haben wir nicht rechnen können“, ist KKH-Geschäftsführer Stefan Rösch schockiert. Alles ist für den Start am 1. Oktober vorbereitet – einschließlich der Einstellung der Arzthelferinnen. „Wir wollen mit dieser Bereitschaftspraxis zudem erreichen, dass die Situation in der eigentlichen Notaufnahme entzerrt wird“, ergänzt Dr. Jörg Pertschy, der Ärztliche Direktor. Beide gehen davon aus, dass das Miteinander zwischen dem Krankenhaus und der Kassenärztlichen Vereinigung nicht vom politischen Durcheinander dauerhaft gestört wird.

Vom Tisch ist die zweite Bereitschaftspraxis noch nicht. Es bleibt die Frage, wann sie nun tatsächlich eröffnet wird. Für die Niedergelassenen, zur Erfurter Regionalstelle gehören um die 500 Ärztinnen und Ärzte, hätte die neue Bereitschaftspraxis etwa einen zusätzlichen Dienst im Quartal erfordert. Die entsprechende Vollversammlung hatte den Plänen für die Bereitschaftspraxis bereits zugestimmt. Im Interesse der Kranken.

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