Erfurter Künstlerin gründet „Club zur Rettung der Handschrift“

Die Künstlerin Gabriele Trillhase meint, auch Liebesbriefe zum Fest retten die Handschrift.

Gabriele Trillhase gründete Club zur Rettung der Handschrift. Foto: Casjen Carl

Gabriele Trillhase gründete Club zur Rettung der Handschrift. Foto: Casjen Carl

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„Ein handgeschriebener Brief ist das schönste Weihnachtsgeschenk.“ Das ist ein Satz, den ich sofort unterschreiben würde. So ein Brief ist preiswert und pünktlich, wenn man das – allerdings schöne – Wagnis der Postzustellung ausspart. Er kann noch auf den letzten Drücker entstehen, wenn Heiligabend alle Geschäfte geschlossen sind und der Postmann sein letztes Paket schon abgeliefert hat. Ich stimme dem Satz auch zu, weil ich selbst schon diesen Trumpf gezogen habe, als mir noch das passende, ganz persönliche Geschenk fehlte.

Gabriele Trillhase, die die romantische These aufgestellt hat, will das Briefeschreiben aber längst nicht auf Weihnachten beschränkt sehen. So gründete sie den „Club zur Rettung der Handschrift“. Mit inzwischen rund 7000 Mitgliedern. Denn so viele Mitgliedskarten hat sie drucken lassen.

Im Jahr 2009, da sei ihr bewusst geworden, wie selten Menschen zum Griffel greifen. Und da sie niemanden fand, der es vor ihr tat, gründete sie den Retter-Club. Ein geistiger Club, wie sie betont. Ohne Monatsbeitrag oder andere Pflichten. „Wer nicht mehr schreibt, fliegt allerdings automatisch raus.“

Gabriele Trillhase ist gegen einen solchen Verdacht erhaben. Nachdem sie sich noch zu späten DDR-Zeiten als Schmuckgestalterin selbstständig machte, wechselte die Künstlerin kurz darauf zum Bemalen und Gestalten von Leder. „Das ist ja so ein sonst kaum beachtetes Material.“ In ihrem Stübchen in der Augustinerstraße, das ihr Wohnung und Atelier zugleich ist, verknüpft sie also ihre künstlerischen Leidenschaften und schreibt – vor allem auf Leder. Aber sie gestaltet auch Kunst-Postkarten mit Bildern und Sprüchen - sowie Platz zum Schreiben auf der Rückseite.

Aber ja, Weihnachten ist tatsächlich der schönste Moment, einen Füller wieder hervorzukramen, den Bleistift zu spitzen oder auch einfach zum Fineliner zu greifen. „Wenn ein Mann einer Frau einen Liebesbrief schreibt, hat das eine durchschlagende Wirkung“, ist sich Gabriele Trillhase sicher. Das gilt erst recht für den ersten Brief seit zehn Jahren. Ihn auch zuzukleben und abzuschicken ist aich ein bewusster Vorgang. Im Gegensatz zum Senden einer SMS, die man im schlimmsten Fall am nächsten Morgen wieder bereut.

Jedoch hat die Künstlerin noch andere Adressaten als Verliebte besonders im Blick: Kinder und Jugendliche. Eltern, schreibt Euren Kindern einen Brief! – lautet denn auch ihre Botschaft und Aufforderung zugleich. Viele junge Leute, so ist sich Gabriele Trillhase sicher, haben noch nie einen erhalten. Wie aber sollen sie dann selbst darauf kommen, einen zu schreiben? „Wenn ein Kind noch nie an einem schön gedeckten Tisch vor einen Braten saß, weiß es ja auch nicht, was essen ist.“

Wer sich dann tatsächlich aufrafft, einen Brief aufzusetzen, sollte es sich nicht so schwer machen. Einfach so schreiben wie es wird, dann erlebe der Empfänger die pure Handschrift des Schreibers. Wenn nötig als Übersetzungshilfe noch den Text als Computerausdruck beilegen. Also, die Hände nicht verkrampfen. Einfach die Schrift rauslaufen lassen.

Das ist leicht gesagt, Frau Trillhase!

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