Erfurter Libera hat Volleyball im Blut

Erfurt  Mia Stauß steht wie einst ihre Eltern am Netz – und erlebt bei Schwarz-Weiß Erfurt als 17-Jährige ihre erste Bundesligasaison.

Mia Stauß kehrte im Sommer vom VC Dresden nach Erfurt zurück.

Mia Stauß kehrte im Sommer vom VC Dresden nach Erfurt zurück.

Foto: Steffen Prößdorf/Imago

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Er steht beim 2:3 gegen Vilsbiburg ganz oben auf dem Rang. Im äußersten Eck der Riethsporthalle. Und lächelt. Wie immer und seit Jahr und Tag. Stefan Stauß, Ex-Mittelblocker mit Volleyball-Allroundtalent des damaligen Zweitligisten Post Erfurt. Und Vater der Neu-Libera vom Erstbundesligisten Schwarz-Weiß Erfurt, der erst 17-jährigen Mia.

Die hatte soeben beim Stande von 25:24 in Satz zwei einen unglaublichen Angriffshieb vom Parkettboden gekratzt und Angriffs-Ass Danielle Brisbois den Ball auch noch perfekt zum 26:24 und Tiebreak serviert. Die blutjunge, gebürtige Erfurterin lebt über diese Feldabwehr-Befähigung hinaus mit zwei weiteren – naturgegebenen – Superlativen: Sie ist die Jüngste und mit 1,73 m die Kleinste im Team. Und als wäre ihre Top-Aktion das Normalste der Welt, geht sie mit ihren Mitspielerinnen zum Seitenwechsel. Und motiviert, was das Zeug hält.

„Das macht sie für uns so wichtig. Sie ist immer positiv. Ganz egal, ob wir vorn oder hinten liegen“, lobt ihr Coach Florian Völker, der sie vom Nachwuchs des VC Olympia Dresden zu den Schwarz-Weißen gelotst hatte. Bei der Frage, ob sie denn mit dem Job der zweiten Libera leben könne, strahlt sie: „Ich konnte nicht nur, ich wollte. Erste Bundesliga und in meiner Heimatstadt. Mehr geht in meinem Alter wohl nicht.“

Mia ist trotz ihrer Jugend ein echter Teamplayer und bei ihren Mitspielerinnen voll anerkannt. „Aufgeben, bevor ein Spiel zu Ende ist, geht nicht“, ist ihr Credo aus Überzeugung. Ihr ist das Volleyball-Gen implantiert, denn auch Mama Marit war Volleyballerin, ist nunmehr Trainerin mit Leib und Seele.

Die 17-Jährige sinniert: „Seit ich denken kann, ist Volleyball. „In jungen Jahren“, das sagt sie doch tatsächlich, „gab‘s im Urlaub an der Ostsee nichts als ran ans Netz. Und das stundenlang.“ Und dann mit hintergründigem Lächeln: „Ich bin nicht schuld. Aber ich glaube, ich hab‘ deshalb Volleyball im Blut.“ Mia, bis dato Juniorenauswahlspielerin, die nächstes Jahr ihr Abi baut, teilt sich mit dem zweiten Erfurter Eigengewächs Paula Reinisch einen Job auf dem Parkett. Der Grund: Die als Nummer eins auf dieser Position verpflichtete Michelle Petter fällt verletzt länger aus. Mia ist bei eigenem Aufschlag für die Feldabwehr zuständig, Paula, die für Außenangriff/Annahme prädestiniert ist und vorgesehen war, eben für die Annahme, wenn der Gegner aufschlägt.

Reicht ihr dieses Jobsharing? Mia zumindest meint: „Ich bin froh, das machen zu dürfen. So kann ich mir in meiner ersten Saison auf diesem Niveau viel Erfahrung holen und Erstligaluft schnuppern.“ Sie holt tief Luft: „Jetzt kommt etwas, was wohl schon hundert Mal gesagt wurde. Aber es ist bei mir tatsächlich so und kommt vom Herzen: Ich will mich mit jedem Training verbessern. Und vor allem helfen, dass wir endlich sportlich die Klasse halten.“

Natürlich weiß sie, welch harte Auswärts-Nuss morgen mit SSC Palmberg Schwerin auf sie und ihre Schwarz-Weißen wartet. Der Vizemeister hat sich am Sonntag mit einer formidablen Vorstellung gegen Meister Stuttgart den Supercup geholt.

Mia wäre nicht Mia, wenn sie nicht positiv bliebe: „Vielleicht sind die noch ein bisschen kaputt. Oder nehmen uns nicht so ernst. Lernen werde ich von denen auf jeden Fall.“

SSC Schwerin – SW Erfurt, Mittwoch, 19 Uhr

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