Erfurter Schüler ein Jahr am anderen Ende der Welt

Kapstadt  Marek Teichler ist für die 11. Klasse an eine High School in Kapstadt gewechselt

Marek Teichler verbringt das kommende Schuljahr in Kapstadt. Mit ihm seine „Schwester auf Zeit“ Viola aus Mailand. Hier beide mit ihrer Gastmutter Debbie.

Marek Teichler verbringt das kommende Schuljahr in Kapstadt. Mit ihm seine „Schwester auf Zeit“ Viola aus Mailand. Hier beide mit ihrer Gastmutter Debbie.

Foto: Marek Teichler

Angekommen. Es ist Sonntag und ich schreibe diesen Text in meinem neuen Zimmer bei Ferdy und Debbie in Kapstadt, die für die nächsten zwölf Monate meine Gasteltern sein werden. Ich kann noch gar nicht richtig glauben, dass ich jetzt wirklich hier bin. Als ich vor zwei Jahren den Entschluss fasste, für ein Jahr ins Ausland zu gehen, erschien mir 2019 noch in unerreichbarer Zukunft.

Als eine Klassenkameradin von den tollen Erlebnissen ihrer großen Schwester beim High School Jahr in Südafrika erzählte, wurde ich neugierig und auf der Jugendbildungsmesse, die jedes Jahr in Erfurt stattfindet, informierte ich mich näher. Wenige Wochen später kam eine Mitarbeiterin von „International Experience“ zu mir nach Hause und schwärmte von ihrem Auslandsjahr in Kapstadt.

Also stand bald für mich fest: Es soll mit dieser Austauschorganisation ans andere Ende der Welt gehen. Aber erst musste ich mich bewerben und tausend Fragen beantworten, damit es Regina, der Mitarbeiterin vor Ort, leicht fallen würde, die perfekte Gastfamilie für mich zu finden. Dann hieß es warten . . .

Im März bekam ich die Zusage, dass eine Gastfamilie für mich gefunden wurde, Debbie und Ferdy, die selbst erwachsene Kinder haben und ca. 20 km südlich von Kapstadt wohnen. Einen Tag nach der Zusage skypte ich mit meinen ,,neuen Eltern“. Ich war aufgeregt, aber wir hatten uns so viel zu erzählen, dass wir mehr als anderthalb Stunden miteinander redeten.

Für die nächsten vier Monate bis zu meiner Abreise gab es einen straffen Zeitplan: Es mussten ärztliche Atteste eingeholt, Impfungen aufgefrischt, Passkopien beglaubigt werden und und und. Um mein Visum zu beantragen, musste ich sogar mit meinen Eltern nach Berlin in die Botschaft fahren, um dort den gefühlt 100-seitigen Antrag mit unzähligen Dokumenten persönlich abzugeben. Nach langem Warten standen wir endlich vor der Botschaftsmitarbeiterin. Wir waren uns absolut sicher, alles richtig ausgefüllt zu haben und was mussten wir hören? ,,Your application is totally incomplete.“ Der ganze Stress, die Fahrt nach Berlin – alles umsonst. Doch zum Glück konnten wir die fehlenden Unterlagen nachreichen und wenig später kam mein Reisepass mit dem Visum für ein Jahr an einer High School in Kapstadt.

Die ganze Zeit stand meine Austauschorganisation mir und meiner Familie dabei zur Seite. Besonders hilfreich war das Vorbereitungsseminar im Mai. Wenige Tage vor der Abreise wurde es nochmal stressig: Der Koffer musste gepackt, fehlende Dinge besorgt, wichtige Dokumente kopiert und verstaut, die Flugbestimmungen gecheckt werden. Dann der Abschied von der Schulklasse, von Freunden und Verwandten, vom Sportverein, vom Theaterclub . . . Da mischte sich schon auch ein bisschen Wehmut in die Vorfreude.

Dann ging es endlich zum Flughafen. Der Flug dauerte die ganze Nacht, glücklicherweise konnte ich trotz aller Aufregung ein bisschen schlafen. Regina erwartete mich und die anderen 14 deutschen Austauschschüler auf dem Flughafen in Kapstadt. Zur Eingewöhnung verbrachten wir alle gemeinsam die erste Nacht in einer Jugendherberge, erste Besorgungen wurden erledigt, eine südafrikanische SIM-Karte für das Handy organisiert.

Am nächsten Morgen wurden wir dann von unseren Gastfamilien abgeholt. In ihrem Haus, das für das nächste Jahr auch mein zu Hause sein wird, lernte ich dann auch Viola aus Mailand kennen, eine italienische Austauschschülerin, die bis Dezember meine Gastschwester sein wird. Sie geht auf die gleiche Schule wie ich und wir verstehen uns schon jetzt prima und werden sicherlich eine spannende Zeit zusammen erleben.

Nun werde ich gemeinsam mit Ferdy und Debbie das erste Mal mit meinen Eltern in Deutschland skypen und dann sitze ich auf der anderen Seite. Mal sehen, wie das wohl wird.

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