Erfurter Stadtring: Jetzt geht es am „Juri“ in die Tiefe

Erfurt.  Jetzt ist der gefährliche Weg über den Juri-Gagarin-Ring gekappt: An der Kreuzung Bahnhofstraße wird ein sechs Meter tiefes Loch ausgehoben.

Die Bögen der einstigen Augustusbrücke sind an der Kreuzung Bahnhofsstraße/ Juri-Gagarin-Ring nur kurze Zeit sichtbar. Der Abriss startet - trotz der Telekomkabel, die im Weg hängen.

Die Bögen der einstigen Augustusbrücke sind an der Kreuzung Bahnhofsstraße/ Juri-Gagarin-Ring nur kurze Zeit sichtbar. Der Abriss startet - trotz der Telekomkabel, die im Weg hängen.

Foto: Marco Schmidt

Seit Mitternacht geht an der Kreuzung Bahnhofstraße/Juri-Gagarin-Ring nichts mehr: Mit Start von Bauabschnitt Nummer 3 kommt hier nun auch der Straßenbahnverkehr zum Erliegen. Außerdem fällt die trotz Verbotsschildern stark frequentierte Passage über den Ring weg und Zäune versperren auch den uneinsichtigsten Fußgängern und Radfahrern endgültig den Weg. Spätestens ab Wochenmitte fielen sie hier auch in ein bis zu sechs Meter tiefes Loch.

Mit dem neuen Bauabschnitt könnte dann endlich auch die Kamera brauchbare Bilder liefern, die an einem Oberleitungsmast angebracht und auf die Baustelle im Kreuzungsbereich gerichtet wurde: Die dazugehörige Software verpixelt nämlich aus Datenschutzgründen die Gesichter der Gefilmten, hieß es gestern zum Baustellentermin vor Ort. Das führe allerdings angesichts der Masse der Passanten bisher dazu, dass am Ende keinerlei brauchbaren Bilder vom Baugeschehen entstünden und nur Verpixeltes zu sehen sei.

Um das Jahr 1910 altes Flussbett verfüllt

Damit sollte nun Schluss sein. Hinter den Bauzäunen werden nun seit der Nacht die Straßenbahngleise ausgebaut, die durch den nachgebenden Untergrund schon seit einigen Jahren in zunehmender und damit gefährlicher werdender Schieflage sind. Auf einer Seite der Kreuzung sind die Verbaue schon fertig, die die Grube sichern sollen, die andere Seite folgt.

Dann gehe es in die Tiefe und die beiden gut neun Meter in der Länge messenden Bögen der einstigen Augustbrücke, die hier einst das Flussbett der Wilden Gera überspannte, werden beseitigt, wie Tiefbauamtsleiter Alexander Reintjes erläutert. Um 1910 wurde das Flussbett verfüllt, damit verschwand auch die Brücke im Untergrund. Brückenbögen und Hohlräume blieben.

Bauherr ist die Evag, die Stadt habe die Baustelle lange ausgesessen, sich nun drangehängt an die Verkehrsbetriebe, um die Kreuzung „in einem Abwasch“ für alle Verkehrsteilnehmer und Versorgungsträger in Ordnung zu bringen. Fördermittel indes fließen dafür keine: 800.000 Euro bringt die Stadt aus eigenem Haushalt auf.

Die halbe Altstadt wird über die Leitungen versorgt

Aller Schutt muss raus um mit künftig einheitlichem Material einen frostsicheren Untergrund für Straße und Schiene zu schaffen und auch die hier verlaufenden Rohe sicher zu betten. Die alten Trinkwasserrohre lagen schon gestern frei und wurden gekappt, das Trinkwasser umgeleitet, die Versorgung so gesichert. Lösungen wurden auch für Gas und Abwasser gefunden.

Besonders vorsichtig müssen die Bauleute sein, kündigt Bauleiter Gunnar Schulze leicht verstimmt an, weil die Telekom sich anders entschieden habe. Eine Handvoll Kabelstränge soll nun, anders als besprochen, doch in der Bauphase an Ort und Stelle verbleiben. Die halbe Altstadt werde über die Leitungen versorgt, da wäre eine Durchtrennung mit der Baggerschaufel folgenreich.

Gesperrt ist ab heute auch ein Teil der Angerkreuzung, wenn zwischen Anger 1 und Hugendubel die Weichen erneuert werden. Auch in der Bahnhofstraße werden die Gleise und Gleisbereiche saniert. Folge ist eine Teilsperrung der Angerkreuzung bis zum 11. August. Danach geht es dort mit einer Vollsperrung weiter – bis zum Finale am 16. August.