Erfurter Tierpräparator Marco Fischer ist Europameister

Präparator ist Marco Fischers Traumberuf - und er ist darin sensationell erfolgreich. Anfang Mai versetzte er die Fachwelt in Staunen. Bei den Meisterschaften in Italien errang er den "Master Award" und ist nun Europas bester Tierpräparator.

Marco Fischer mit preiswürdigen Präparaten: Bachstelze, Kookaburra und Käuze (von links). Foto: Jens König

Foto: zgt

Erfurt. Das Federkleid sitzt akkurat. Der massive Schnabel wirkt beeindruckend. Die Füße umkrallen sicher einen Zweig. Die Augen spähen hellwach. Dennoch wird dieses Exemplar eines Kookaburra aus der Familie der Eisvögel nie mehr fliegen und Beute jagen. Sein Platz ist im Naturkundemuseum in der Großen Arche, hier zieht es staunende Blicke auf sich. Tierpräparator Marco Fischer verlieh ihm Schönheit und Würde für die Ewigkeit.

Der Lieblingsvogel der Australier, auch Lachender Hans genannt, ist nur ein Meisterwerk Fischers, das ihm im italienischen Longarone den Titel Europas bester zoologischer Präparator einbrachte. Vizeweltmeister darf er sich bereits nennen. Sein Wissen ist global gefragt. An der Universität in Rajshahi/Bangladesh hob er im März ein Ausbildungsprogramm für Präparatoren mit aus der Taufe.

Mit einer ganzen "Vogelschar" reiste Marco Fischer zum Wettbewerb nahe Verona an. 70 Kollegen aus ganz Europa zeigten insgesamt 360 Präparate, darunter 200 Vögel. Mit Lupe, Taschenlampe und Pinzette prüften Juroren jedes Detail der Präparate, achteten auf Anatomie, natürliche Farbgebung und Ausstrahlung. Fischers Bachstelze, Sperlings- und Brahmakauz sowie der Lachende Hans räumten in den Kategorien kleine und mittlere Vögel jeweils erste und zweite Plätze ab, sein Wickelbär kam in der Kategorie kleine Säugetiere auf Platz drei. Der "Master Award" für das Gesamtwerk machte Marco Fischer zum erfolgreichsten Teilnehmer dieser Europameisterschaft; zu der er beinahe nicht hätte reisen können, denn die Erfurter Stadtverwaltung tat sich schwer, die Finanzierung zu übernehmen.

Als Kind wollte Marco Fischer Veterinär oder Förster werden. "Irgend etwas mit Tieren sollte es sein", sagt er. In der Schulzeit nahm er Ferienjobs bei Präparatoren an und fand dabei seinen Traumberuf. "Von allem, was mich interessiert, ist ein Stück dabei. Ich bin Maler, Biologe, Designer, Zoologe." Fischer versteht sich als Naturschützer. "Ich will Tiere so natürlich wie möglich zeigen. Das hat nichts zu tun mit ekligen oder verstaubten ausgestopften Kreaturen. Meine Präparate sollen Sympathien wecken, vor allem bei Kindern und Jugendlichen." Marco Fischer präpariert nicht nur für das Erfurter Naturkundemuseum, er nimmt Auftragsarbeiten für andere Museen und für die Heinz-Sielmann-Stiftung an. Nur für Jäger ist er nicht tätig. "Ich möchte keine Trophäen anfertigen, das hat für mich einen unschönen Beigeschmack."

Tiere, die an Fischers Arbeitsplatz landen, sind mitunter grausam aus dem Leben geschieden. "Ein Auto hat sie erwischt oder sie sind vor eine der vielen Glasscheiben von Bushaltestellen oder Bürohochhäusern geflogen." Geht Fischer ans Werk, schaut er sich Fotos oder Filme der jeweiligen Tierart an, studiert Bewegungsabläufe und Anatomie. "Geht man ins Detail, wird selbst das Einfache schwierig", sagt Fischer. Unverzichtbare Kritiker findet er in seinen Kollegen aus Berlin, Potsdam, Leipzig und Magdeburg. "Die Truppe trifft sich, fachsimpelt und zeigt Fehler auf. Wer nur im stillen Kämmerlein Techniken entwickelt, kommt nicht weit", ist Marco Fischer überzeugt. Der Erfolg gibt ihm und der ostdeutschen Präparatoren-Riege recht. Sie machten die ersten fünf Plätze bei der Europameisterschaft unter sich aus. So viel Ruhm freut auch Fischers Chef. Matthias Hartmann, Direktor des Naturkundemuseums, ist stolz auf den Präparator des Hauses und setzte eine Sonderschau der Sieger-Tiere an, vom 22. bis 24. Mai.

An der nächsten Europameisterschaft, 2012 in Salzburg, will Marco Fischer teilnehmen und wenn die Finanzen der Stadt Erfurt es zulassen, auch an der Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Missouri in den USA. Eigens für Wettbewerbe fertigt er übrigens keine Präparate an. Er nimmt mit, was er hat. Qualität zu leisten, ist für ihn Alltag.

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