Erfurter Triathlet peilt Ironman-Start in Hawaii an

Philipp Heinz zählt zu den großen Thüringer Triathlon-Hoffnungen. Er zieht sein Training auch im Winter eisern durch. Der Erfurter will in naher Zukunft beim legendären Ironman auf Hawaii dabei sein.

Philipp Heinz (LTV Erfurt) beim Erfurt-Triathlon 2010 in Hohenfelden. Foto: Sascha Fromm

Philipp Heinz (LTV Erfurt) beim Erfurt-Triathlon 2010 in Hohenfelden. Foto: Sascha Fromm

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Erfurt. Es ist der Kampf gegen den inneren Schweinehund. Es sind die Qualen, die Glückgefühle auslösen können. Und nicht zuletzt die Abwechslung.

Philipp Heinz muss nicht lange überlegen, warum er sich gerade dem Triathlon verschrieben hat, dem anspruchsvollen Dreikampf aus Schwimmen, Radfahren, Laufen. "Extremsport reizt mich. Ich will immer das Letzte aus mir herausholen", sagt der 24-jährige Erfurter. "Und vielleicht", fügt er schmunzelnd an, "brauche ich die Qualen auch ein wenig."

Neben einer 40-Stunden-Woche durch Studium und Arbeit sowie der Zeit mit Freundin Sarah-Alicia und seinen Freunden, spult Philipp Heinz Woche für Woche etwa 15 Trainingsstunden ab. 13 km im Wasser, 80 km auf Rad oder Rolle und 60 km in den Laufschuhen. Dazu Kraft- und Stabilisationstraining. Auch im Winter bleibt da wenig Zeit für Müßiggang.

Man ahnt es: Triathlon ist für Philipp Heinz mehr als ein Hobby. Er betreibt den Sport fast so gewissenhaft wie ein Profi, trainiert nach Plan, achtet auf gesunde Ernährung und Ruhephasen. Der Sportler des LTV Erfurt nennt sich selbst einen "ambitionierten Amateur".

Ein Begriff, der das Dilemma vieler ehrgeiziger Hobby-Athleten passend umschreibt. "Leider können in Deutschland kaum mehr als zehn Triathleten allein vom Sport leben", sagt Heinz. "Man investiert sehr viel und bekommt eher wenig zurück."

Auch deshalb hebt er die Bedeutung seines dualen Betriebswirtschaftstudiums hervor, dessen praktischen Teil er beim Imbiss-Platzhirsch McDonald's absolviert. Irgendwann soll Heinz eine der Filialen seines Hauptsponsors leiten, verdankt Chef und Förderer Dominik Neiss "eine Menge. Ohne Unterstützer könnte ich diesen Sport nicht so ambitioniert betreiben."

Sein großer sportlicher Traum ist die Teilnahme am berühmtesten und härtesten Triathlon der Welt, dem Ironman Hawaii. 2015 oder 2016 will er die 3,8 Schwimmkilometer, 180 Radkilometer und 42,195 Laufkilometer hinter sich bringen.

"Mit einer ordentlichen Zeit", wie er selbstbewusst betont. Eigentlich wollte Heinz schon viel früher dabei sein, aber Eltern und Freunde überredeten ihn in langen Gesprächen, es langsam anzugehen. "Heute kann ich mit dieser Entscheidung gut leben."

So peilt Philipp Heinz Hawaii in kleinen Schritten an. Sein Nahziel: Die Tempohärte für die olympische Distanz (1,5/40/10 km) erlangen und vielleicht auch die Bestzeit von 2:03,51 unterbieten. Bei den Europameisterschaften im August in Wiesbaden will er sich für die Welttitelkämpfe in Las Vegas qualifizieren – wenn er auch wegen Studienverpflichtungen im Spielerparadies vielleicht nicht dabei sein kann.

Und ein Triumph bei seinem Hausrennen, dem Erfurt-Triathlon im Juli? Da muss er lachen. "Ja klar, den würde ich natürlich gerne mitnehmen", so der Vorjahresdritte, der sich im April im Trainingslager auf Mallorca den Feinschliff für die Saison holen will.

Auch die intensive Arbeit an seiner schwächsten Disziplin, dem Schwimmen, steht auf der Prioritätenliste ganz oben. "Dabei ist es ja auch reizvoll, das Feld von hinten aufzurollen." So wie im Vorjahr bei seinem ersten Sieg beim Sachsenring-Triathlon, als er als 12. aus dem See kam, nach dem Radfahren immer noch mehr als drei Minuten Rückstand auf die Spitze hatte, um dann durch einen bärenstarken 10-km-Lauf (32:29,5) ganz nach vorn zu stürmen.

Wer Philipp Heinz noch vor sechs Jahren sah, hätte solche Leistungen wohl nie für möglich gehalten. Denn da schraubt sich das Gewicht des pausbäckigen Schülers im sportlosen Abistress auf beinahe 100 kg in die Höhe. Irgendwann erträgt er den Blick in den Spiegel nicht mehr, beginnt 2007 mit dem Triathlon. "Aus freien Stücken", wie er betont. Heute, keine fünf Jahre später und mehr als 30 Kilo leichter, zählt der 1,82 Meter große Modellathlet zu den großen Triathlontalenten im Freistaat.

Tausende Stunden Training waren dafür nötig, Dutzende Laufschuhe und einige Fahrräder hat er verschlissen. Alles für den großen Traum von Hawaii. Was wird er beim Passieren der berüchtigten Lavafelder der Pazifikinsel spüren? Vermutlich, was jeden Ironman im Kern ausmacht. Große Qualen und große Glücksgefühle.

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