Erfurter Vereine greifen ins Ringen um den Bastionskronenpfad ein

Erfurt  Sie sehen sich in der Mehrheit, mahnen zu Verhältnismäßigkeit und fordern die Stadt auf, das Vorhaben umzusetzen

Niels Lars Chrestensen, Karl Heinz Kindervater mit Hund Willy, Sebastian Papenbreer, Norbert Wernet und Peter Moos (von links) stehen im Wäldchen am Petersberg. Sie setzen sich für einen Bastionskronenpfad durch das Wäldchen aus.

Niels Lars Chrestensen, Karl Heinz Kindervater mit Hund Willy, Sebastian Papenbreer, Norbert Wernet und Peter Moos (von links) stehen im Wäldchen am Petersberg. Sie setzen sich für einen Bastionskronenpfad durch das Wäldchen aus.

Foto: Holger Wetzel

Vier Erfurter Vereine haben am Donnerstag die Pläne für einen Bastionskronenpfad auf dem Petersberg unterstützt. Sie forderten die Stadt auf, das Vorhaben trotz eines angekündigten Bürgerbegehrens gegen die mit dem Projekt verbundenen Baumfällungen umzusetzen.

„Wir sind froh, dass nach langer Zeit und vielen Abstimmungen mit den Erfurter Bürgern das Projekt geplant, beschlossen und in Gang gesetzt ist“, sagte Peter Moos von „Wir für Erfurt“. „Wenn jetzt Leute kommen und sich über die Bäume beschweren, müssen sich auch die Fürsprecher melden.“ Die Stadt solle wissen, dass die Mehrheit der Bürger für das Projekt sei.

Neben dem Stadtentwicklungs-Verein „Wir für Erfurt“ äußerten sich bei einer Zusammenkunft auf dem Petersberg auch die Buga-Freunde, das City-Management und der Tourismusverein. Einer schriftlichen Erklärung schlossen sich außerdem die „Freunde der Citadelle Petersberg“ an.

Die Naturschutzverbände Nabu und BUND sowie die Bürgerinitiative (BI) „Stadtbäume statt Leerräume“ hatten angekündigt, ein Bürgerbegehren gegen den Höhenweg starten zu wollen, weil für das Vorhaben Bäume gefällt werden müssten. Der als neue Attraktion für den Petersberg geplante Rundweg soll auf 235 der 340 Meter durch das „Wäldchen“ führen, das als Geschützter Landschaftsbestandteil eingetragen ist.

Die Vereine betonten am Donnerstag hingegen den touristischen, wirtschaftlichen und Stadtentwicklungs-Wert des Höhen-Rundweges, der alle Bereiche des Petersberges barrierefrei erschließen soll. Niels Lars Chrestensen, Vize-Chef der Buga-Freunde, mahnte die Kritiker zur „Verhältnismäßigkeit“. Jede Verzögerung gefährde das Projekt, das bislang für eines der wenigen Buga-Projekte mit überregionaler Strahlkraft gehalten wurde.

20.000 Erfurter seien im Tourismus beschäftigt, betonte Karl Heinz Kindervater, Chef des Tourismusvereins. Der Bastionskronenpfad setze einen neuen Höhepunkt und werde so neue Touristen nach Erfurt locken. Der Petersberg werde zudem von der Zitadelle dominiert, die es in Deutschland in diesem Erhaltungszustand nicht noch einmal gebe. Der Pfad setze diese Festung besser in Szene. „Auch für die Erfurter ist der Kronenpfad ein absoluter Höhepunkt“, sagte Kindervater.

Eine unabhängige Zählung habe ergeben, dass für den Pfad bis zu 60 der rund 2000 Bäume im Wäldchen gefällt werden müssten – „je nachdem, ab wann man von einem Baum spricht“, sagte Kindervater. „97 Prozent werden erhalten, dazu kommen Aufforstungen und eine höhere Attraktivität des Wäldchens“, ergänzte Sebastian Papenbreer vom City-Management. „Wir sollten nicht kurz vor der Buga einen Krieg führen, der nicht nötig ist“, meinte er.

Den Naturschützern boten die Vereine direkte Gespräche an. Sie warfen ihnen aber zugleich fehlende Kompromissbereitschaft vor. Alle Vorschläge der Stadt, etwa zur einer schmaleren Schneise oder zum Nachpflanzen aller Ausgleichsbäume im Gebiet des Wäldchens, seien abgelehnt worden. Peter Moos sprach von einer „ideologischen Wand“. Die Naturschützer hatten einen Fußweg am Rand des Wäldchens oder eine radikale Abkürzung des Baumkronenpfades vorgeschlagen, jede Route längs durchs „Wäldchen“ aber strikt abgelehnt.

In Buga-Dialogen, Bürgerversammlungen und den „Dämmerschoppen“ der Buga-Freunde hätte man über die Pläne diskutieren können, meinten die Vereinsvertreter. Dort seien die Naturschützer aber nie erkennbar aufgetreten. „Jetzt kommt eine kleine Gruppe mit an sich durchaus ehrenwerten Zielen und will das Projekt verfahrenstechnisch lahm legen“, meinte Karl Heinz Kindervater.

Norbert Wernet, Projektkoordinator der Buga-Freunde, erinnerte daran, wie die Stadtväter früherer Generationen ebenfalls Bäume fällen mussten, um die heute geliebten Parks anzulegen. „Wir müssen die Stadt auch weiter entwickeln und dürfen sie nicht lähmen“, fand Wernet. „Wer das nicht möchte, soll in den Hainich ziehen.“

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