Erfurter Verkehrsbeigeordneter lässt auf umstrittene Plakate wandernde Radständer folgen

Frank Karmeyer
| Lesedauer: 2 Minuten
Präsentation des „Fahrrad Bike Ports" an der Haltestelle Domplatz Süd mit Dirk Büschke, dem städtischen Radverkehrsbeauftragten, Falko Stolp vom VCD und Matthias Bärwolff als Beigeordnetem für Bau, Verkehr und Sport (von links).

Präsentation des „Fahrrad Bike Ports" an der Haltestelle Domplatz Süd mit Dirk Büschke, dem städtischen Radverkehrsbeauftragten, Falko Stolp vom VCD und Matthias Bärwolff als Beigeordnetem für Bau, Verkehr und Sport (von links).

Foto: Marco Schmidt

Erfurt.  Die zwölf Quadratmeter, die ein Auto als Stellfläche benötigt, lassen sich besser nutzen – dafür wirbt die Kampagne mit Hashtag erfurtstadtraum.

Kaum zu übersehen in leuchtendem Grün und Rot sind die beiden neuen Fahrradständer – einer am Domplatz in Form eines Fahrrades, der andere vor der Barfüßerruine als Auto-Umriss. Mit diesen sogenannten „Bike-Ports“ will der Erfurter Verkehrsbeigeordnete, Matthias Bärwolff, aber mehr, als nur eine Abstellmöglichkeit für insgesamt 18 Räder bieten: Sie sollen ins Bewusstsein rufen, dass die jeweils zwölf Quadratmeter eines Autoparkplatzes auch anders, gerechter genutzt werden können.

Die Plätze indes sind vorläufig, auch wenn die Bike-Ports sicherheitshalber mit dem Asphalt verschraubt wurden. Zusätzlich wurde eine Warnbake aufgestellt – zur Verkehrssicherheit, damit niemand vor den Bike-Port fährt. Perspektivisch sollen die Bike-Ports ihre Standorte wechseln und so durchs Stadtgebiet „wandern“. Zehntausend Euro haben beide Bike-Ports in der Anschaffung gekostet.

Zwölf Quadratmeter beansprucht ein geparktes Auto für sich

Sie gelten Bärwolff als Beispiel für die ungleichmäßige Flächenverteilung, die in den Städten vorherrscht. Die Kampagne #erfurtstadtraum, vom Steuerzahlerbund aus Bärwolffs Warte zu unrecht als Geldverschwendung gerügt, sei mehr als nur eine Plakataktion, betont der Beigeordnete. „Sie wird durch jedes Bauprojekt, das öffentliche Flächen neu verteilt gelebt. „Wir wollen auch weiterhin zeigen, dass wir viel mehr aus zwölf Quadratmetern machen können, als nur einen Autostellplatz“, erklärter das Aufstellen der neuen Fahrradports.

Dirk Büschke als städtischer Radverkehrsbeauftragter sieht die neuen Abstellmöglichkeiten als ein weiteres positives Zeichen für eine verbesserte Radinfrastruktur: „Wir wollen den Radverkehr fördern und dazu gehören auch ordnungsgemäße Abstellanlagen. Auf unseren Fußwegen ist dafür kein Platz. Deshalb müssen wir in Zukunft auch Pkw-Stellflächen am Straßenrand umwidmen, denn der öffentliche Raum ist begrenzt.“ Wie begrenzt, muss auch das Provisorium am Domplatz erfahren: Um nicht den Straßenverkehrsraum einzuschränken, stehen die im Bike-Port abgestellten Räder auf den Gehweg über…

Ein dickes Brett, das es für den Radverkehr zu bohren gilt

Für Bärwolff ist es ein dickes Brett, dass es für mehr Radfreundlichkeit zu bohren gilt. Die Bike-Ports sind quasi die Vorhut von sogenannten Parklets. Das sind Stadtmöbel, die auf Parkplätzen aufgestellt werden und alternative Nutzungsmöglichkeiten bieten – als Sitzecke, Grünfläche oder als Fahrradabstellfläche. Parallel würden schon Gespräche geführt, wie bessere Abstellmöglichkeiten bei Großveranstaltungen, aber auch generell am Domplatz geschaffen werden könnten, wie dies im Rahmen der Bundesgartenschau der Fall war.