Erfurter Volleyballerinnen steigen in die 1. Bundesliga auf

Gestern machte das Swe Volley-Team Nägel mit Köpfen. Nach der Zusage dreier noch ungenannter Sponsoren sollen die Erfurter Volleyballerinnen in der nächsten Saison neben den etablierten Suhlerinnen in der 1. Bundesliga spielen.

Der Aufstieg in die erste Liga ist besiegelt und der Jubel der Erfurterinnen entsprechend groß. Foto: Sascha Fromm

Der Aufstieg in die erste Liga ist besiegelt und der Jubel der Erfurterinnen entsprechend groß. Foto: Sascha Fromm

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Erfurt. 14.25 Uhr war es so weit: Vereinspräsident Michael Panse unterschrieb – vor den Augen der Pressevertreter und dem Vorstand – den Lizenzierungsantrag für die 1. Bundesliga. „Wir haben es geschafft, unser Minimum an Etat zusammenzubekommen“, erklärt Panse. Neben den Stadtwerken als Hauptsponsor haben drei weitere große Unternehmen aus der Region ihre Zusage gegeben.

„Die Verträge sind allerdings noch nicht unterzeichnet“, so Panse nach erfolgreichem Kampf um die schwierige Finanzierung des 300.000 Euro teuren Saisonetats. Im Vergleich zur zweiten Liga muss der Verein immerhin sein Budget verdoppeln. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber wir wollen das Projekt 1. Liga noch einmal gemeinsam angehen“, sagt Panse. Vor sieben Jahren hatten die Erfurterinnen bereits einen Gastauftritt in der Beletage – jedoch ohne Erfolg. Während sich der VfB Suhl schnell in der Bundesliga etablierte, war Erfurts Abstieg nach nur einer Saison vorerst das Ende des Erstliga-Traums.

„Damals stand erst spät fest, dass wir aufsteigen. Eine hektische Sponsorensuche und am Ende ein abgesprungener möglicher Hauptsponsor waren das Ergebnis“, erinnert sich Panse. Der Etat belief sich 2003 auf unter 200 000 Euro und gehörte damit zu den Mini-Haushalten der Liga. „Wir haben noch Hausaufgaben zu erledigen und müssen Schritt für Schritt um weitere Partner werben.“ Denn mit Aufsteiger VC Gotha will ein weiterer Volleyball-Bundesligaverein aus dem knappen Sponsorentopf in Thüringen schöpfen.

Anders als der Süd-Staffelsieger müssen die Swe-Frauen die Meisterschaft noch perfekt machen. Ein Sieg aus noch zwei verbleibenden Spielen sollte für den Spitzenreiter kein Problem sein. Bereits am 10. April will die Truppe von Heiko Herzberg beim Tabellensiebten Mauerstetten den Aufstieg besiegeln. Wer die Erfurterinnen am Samstag (3:0 gegen Saarbrücken) gesehen hat, zweifelt keinesfalls am Gelingen des Vorhabens.

Die große Abschluss-Fete mit den Fans ist für den letzten Spieltag am 17. April gegen Lohhof II geplant. Am selben Tag steigt auch Gothas Meister-Feier. Die Männer aus der Nachbarstadt hatten übrigens bei den Frauen angefragt, eine gemeinsame Party zu organisieren. Die Idee, so Panse, sei allerdings schon bei der Entscheidung für einen Austragungsort gescheitert.

Doch vor der Kür kommt die Pflicht. In nächster Zeit stehen Gespräche mit Spielerinnen an. „Das Gesicht der Mannschaft wird geprägt sein von den Mädels, die jetzt erfolgreich spielen“, sagt der Präsident. So sei die Philosophie des Vereins. Dennoch muss sich die Mannschaft mit mindestens vier Spielerinnen verstärken, um die Klasse halten zu können. Auf Grund der knappen Kasse ist es jedoch illusorisch, große Namen in die Landeshauptstadt zu locken. Im Gegensatz zu Suhl hat Erfurt aber die Universität und die Fachhochschule als Standortvorteil.

Eines ist aber schon sicher. Wie der VC Gotha hat das Swe-Volleyteam das Problem der erstligatauglichen Halle. Die Deckenhöhe ist zu niedrig, die Zuschauerkapazität zu gering, die Beleuchtung nicht ausreichend. Während die Truppe von Jürgen Schulz vorerst definitiv nach Ohrdruf umziehen wird, können die Erfurter mit einer Ausnahmegenehmigung vom Deutschen Volleyball-Verband für ein Jahr rechnen. Danach hofft das Team auf einen Umzug in die neue Riethsporthalle, die Mitte 2011 fertig gebaut sein soll.

Wie der Vorstand gestern auch bekannt gab, verzichtet derweil die zweite Mannschaft als Meister der Regionalliga auf den Aufstieg in die 2. Liga. „Nicht, dass wir das den Mädels nicht zutrauen – im Gegenteil. Aber finanziell können wir derzeit einen Doppel-Aufstieg nicht stemmen“, erklärt Präsident Panse. „Unser Ziel ist es, das Regionalliga-Team in der kommenden Saison möglichst nachzuziehen.“ Der Verein hat aus den Fehlern von damals gelernt, will nun Schritt für Schritt gehen. Mit der Einstellung sollten es die Erfurter beim zweiten Anlauf schaffen, länger als einen Winter am hohen Netz zu tanzen.