Rupfis Nachfolger: Erfurter Weihnachtsbaum aus dem Eichsfeld

Martinfeld  Der Baum für den Erfurter Weihnachtsmarkt kommt in diesem Jahr aus Martinfeld. Dort steht er auf dem Gelände des Kindergartens und wartet auf seinen Transport in die Landeshauptstadt.

Der Weihnachtsbaum des diesjährigen Weihnachtsmarktes auf dem Erfurter Domplatz kommt aus Martinfeld. Bürgermeister Jens Schrader zeigt den Baum, der momentan noch auf dem Gelände des Kindergartens steht.

Der Weihnachtsbaum des diesjährigen Weihnachtsmarktes auf dem Erfurter Domplatz kommt aus Martinfeld. Bürgermeister Jens Schrader zeigt den Baum, der momentan noch auf dem Gelände des Kindergartens steht.

Foto: Johanna Braun

Um die 2 Millionen Menschen kommen jedes Jahr auf den Erfurter Weihnachtsmarkt. Neben der Weihachtskrippe aus lebensgroßen Holzfiguren und der zwölf Meter hohen Weihnachtspyramide zählt auch der große Weihnachtsbaum mitten auf dem Markt zu den beliebten Attraktionen und Fotomotiven. Und dieser Baum kommt in diesem Jahr aus dem Eichsfeld.

Genauer gesagt aus Martinfeld. Dort steht die 50 bis 60 Jahre alte Weißtanne momentan noch auf dem Gelände des Kindergartens und war Bürgermeister Jens Schrader schon länger „ein Dorn im Auge“. Denn weil die Kiefern gleich neben der Tanne vertrocknete Äste aufweisen und einige davon schon abgebrochen sind, befürchtet der Bürgermeister ähnliches auch für die Tanne. „Ich will nicht, dass den Kindern etwas passiert und es hat auch etwas mit der Verkehrssicherung zu tun.“ Denn die Tanne steht direkt an der Straße, die Richtung Heiligenstadt führt.

Baum ist eigentlich ein Stückchen zu klein

Nun beriet man sich im Ortschaftsrat über die Fällung, und Steinmetz Markus Gries kam daraufhin auf die Idee, die Tanne doch den Erfurtern anzubieten. „So hat sie wenigstens noch einen großen Auftritt“, sagt der Bürgermeister. „Es gibt natürlich größere und schönere Bäume“, räumt Jens Schrader ein. „Aber man muss an die auch erst einmal rankommen.“

Sven Kaestner, Marktmeister in Erfurt bestätigt, dass der 22 Meter hohe Martinfelder Baum eigentlich ein wenig zu klein sei. „Man muss bedenken, dass ein ganzes Stück Stamm aus statischen Gründen noch in einer Hülse verschwindet.“ Er habe sich den Baum aber selbst angeschaut. Sein Fazit: „Er ist wirklich schön gewachsen.“ Und wenn er darüber nachdenke, dass so ein dicht gewachsener Baum ja auch anfälliger für Wind und Schneelast ist, könne er die paar fehlenden Meter ganz gut verkraften.

Ein wenig unterschätzt hingegen habe man die Logistik. Zwar sei an den alleinstehenden Baum leicht heranzukommen, jedoch bedarf es einigen Aufwand, ihn nach Erfurt zu bringen. Das geht nämlich nur mit einem Tieflader, der mit Zugmaschine schon an die 35 Meter lang sein kann. Die Serpentinen und recht steilen Straßen, die nach Martinfeld führen, seien dazu nicht zu gebrauchen. Deshalb geht es über Hessen nach Erfurt. Am Sonntag, 10. November, soll die Weißtanne, die am unteren Stammende einen Umfang von 2,83 Metern aufweist, gefällt werden. Dazu rückt ein Unternehmen an. Auch ist eines für den Transport vor Ort. Deshalb wird die anliegende Straße vom Ortseingang aus Richtung Heiligenstadt bis zur Kirche für den Verkehr voll gesperrt. „So etwas musste ich vor zehn Jahren das letzte Mal machen“, sagt Sven Kaestner.

Um 7 Uhr früh werden die Arbeiten in Martinfeld beginnen, zeichnet Jens Schrader den Ablauf nach. Gegen 10 Uhr soll der Baum am Kran hängen, dann wird der Stamm geschnitten und die Tanne auf den Tieflader gehoben. Im Anschluss müssen noch die Zweige zusammen gebunden werden, um den Baum auf Straßenbreite zu bekommen. Am Montag, 11. November, wird die Tanne dann, ab 15.30 Uhr, auf dem Erfurter Domplatz aufgestellt. Dazu wird die Diedorfer Blaskapelle spielen. Jens Schrader hatte den Erfurtern seine „Haus- und Hofkapelle“ empfohlen. „Vielleicht spielen sie ja auch das Eichsfeldlied“, sagt der Bürgermeister mit einem Lächeln.

Vielleicht bekommt Martinsfelder Baum auch noch einen Spitznamen?

An die dann leere Stelle in Martinfeld soll ein neuer Baum gepflanzt werden. Jens Schrader wünscht sich einen heimischen Laubbaum und ruft die Martinfelder dazu auf, ihm ihre Ideen dazu nahezulegen. Noch in diesem Winter soll der neue Baum in die Erde kommen, und die Weißtanne grüßt dann die Besucher des 169. Erfurter Weihnachtsmarktes, zu dem Marktmeister Sven Kaestner in diesem Jahr besonders die Eichsfelder herzlich einlädt.

Jens Schrader hofft derweil, dass der Martinfelder Baum vielleicht einen Spitznamen und ein bisschen mediale Aufmerksamkeit erhält wie der Baum des vergangenen Jahres, der liebevoll „Rupfi“ genannt wurde.

Das könnte Sie auch interessieren:

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.