Erfurterin Kristina Vogel fliegt zu ihrem ersten Einzel-EM-Titel

Apeldoorn (Niederlande). Die Erfurterin Kristina Vogel ist zu ihrem ersten Einzel-EM-Titel geflogen. Die Thüringer Bahnradsportlerin ist mit drei Medaillen zur Königin der Meisterschaft gekürt worden.

Anerkennung: Europameisterin Kristina Vogel (rechts) feiert wenige Sekunden nach Gewinn des Titels mit der im Finale unterlegenen Niederländerin Ellis Ligtlee. Foto: AFP

Anerkennung: Europameisterin Kristina Vogel (rechts) feiert wenige Sekunden nach Gewinn des Titels mit der im Finale unterlegenen Niederländerin Ellis Ligtlee. Foto: AFP

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Kristina Vogel ballte im Ziel die Faust und strahlte als Königin der EM im niederländischen Apeldoorn gleich dreimal vom Siegerpodest. Die Thüringer Bahnradsprinter - allen voran die Erfurter Olympiasiegerin - bestätigten ihren Ruf als Medaillen-Garanten eindrucksvoll.

"So gefällt mir das. Gefeiert wird aber erst später", sagte die 22-Jährige lächelnd. Nach zahlreichen Siegen im Junioren-Bereich, dem schweren Verkehrsunfall 2009, ihrer sagenhaft raschen Rückkehr in den Leistungssport mit Olympia-Gold und zwei WM-Siegen im Teamsprint folgte nun ein weiterer Höhepunkt ihrer Karriere: Vogel eroberte auf dem Holzoval ihren ersten internationalen Einzeltitel in der Frauen-Elite.

"Kristina ist sehr konzentriert und selbstsicher gefahren", lobte Bundestrainer Detlef Uibel die dreifache Medaillengewin-nerin. Das Silber im Teamsprint kam unerwartet, da ihre Pfälzer Partnerin Miriam Welte wegen einer Verletzung "kaum trainieren konnte", verriet Uibel.

Doch dann vollzog Vogel im klassischen Einzelsprint den nächsten Schritt - sie gewann das Turnier. Im Finale bezwang sie Elis Ligtlee in 2:0-Läufen. Zusätzliche Brisanz: Die Niederländerin wird vom Ex-Erfurter Olympiasieger und Weltmeister René Wolff trainiert.

Die Lokalmatadorin revanchierte sich gestern aber im Keirin: Ligtlee gewann den japanischen Kampfsprint, in dem die Frauen lange Zeit im Windschatten eines Derny-Mopeds fahren, knapp vor Vogel.

"Ich denke, das war ein sehr schöner Start in die Saison", befand die Thüringerin, die nun bei Weltcups ihre nächsten Auftritte hat. Nachdem im Vorjahr das SWE-Sprintteam auf der Kippe stand, hatte sie sich der Chemnitzer Erdgas-Mannschaft angeschlossen. Eine Rückkehr nach Erfurt schließt die Top-Athletin, die weiterhin bei Tim Zühlke in der Landeshauptstadt trainiert, für die Zukunft nicht aus.

Mit Gold im Keirin setzte der Cottbuser Maximilian Levy am Sonntagabend aus deutscher Sicht den Schlusspunkt. Zum Auftakt war der Lausitzer mit dem Erfurter Anfahrer René Enders und dem Geraer Robert Förstemann zum Titel im Teamsprint gedüst.

Umstritten: Förstemann im Finale zurückgestuft

Und Förstemann stürmte gleich noch einmal in die Medaillenränge - das Silber im klassischen Sprint ist sein erstes Einzel-Edelmetall bei internationalen Meisterschaften. Der 27-Jährige unterlag im Männer-Finale Vize-Weltmeister und Titelverteidiger Denis Dmitrijew aus Russland mit 0:2-Läufen. Der Ostthüringer - der mit 73 Zentimeter Umfang den Spitznamen "Mister Oberschenkel" trägt, war zuvor in der 200-Meter-Qualifikation mit 9,992 Sekunden Bahnrekord gefahren.

Während der Eichsfelder Weltmeister Stefan Bötticher bei seiner Rückkehr nach langwieriger Knöchelverletzung Vierter wurde, "flutschte" Förstemann fehlerlos durch das Turnier ins Finale. "Ich könnte unheimlich glücklich über meine erste Einzel-Medaille sein. Meine Ziele, Gold im Teamsprint und ein Podestplatz im Sprint, habe ich erreicht. Da ich aber weiß, es wäre noch mehr möglich gewesen, kann ich mich nicht uneingeschränkt freuen. Vielleicht kommt das ja noch, wenn die erste Enttäuschung vorbei ist", so der Thüringer.

Was war passiert? - Den ersten Lauf gegen Dmitrijew, mit dem Förstemann gut befreundet ist, gewann der Geraer zunächst deutlich. Doch das Kampfgericht stellte in einer umstrittenen Entscheidung einen Regelverstoß fest und ahndete diesen mit der Zurückstufung, obwohl Videos der deutschen Trainer zeigen, dass Förstemann den Russen mit seiner Fahrlinie nicht behindert hat. Den zweiten Lauf verlor Förstemann klar. "Die kurze Pause zwischen den Läufen hatte nicht gereicht, um den Kopf nach der Relegation wieder frei zu bekommen."

Inzwischen trafen die ersten Glückwünsche ein. "Auf dem Weg zum perfekten Sprint kann man nicht jedes Rennen gewinnen", gratulierte Doppelweltmeister Lutz Heßlich. Förstemann hat sich die Mail vorsichtshalber ausgedruckt.